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Wien | 5.9.2007 | 03:13 
Videospiel-Kultur, essenzielle Elektronik und famoses Allerlei.

Burstup, Gerlinde, Grenzfurthner

 
 
Ein Colt für alle Fälle
  "Das Spiel ist absolut schizo" lautet das kurze Fazit von C., als er mir circa eine Stunde beim Spielen von "BioShock" zusieht. Er beobachtet mich, wie ich mit meiner mutierten linken Hand wahlweise Elektroblitze schieße oder meine pyromanischen Neigungen auslebe. Währenddessen lädt meine rechte Hand die richtige Munition für die richtigen Gegner nach. Für die degenerierten, drogenverseuchten Gestalten, aus denen jegliche Seele geflüchtet ist. Aber auch für die gepanzerten Kolosse mit dem riesigen, lethalen Spitzbohrer.
 
 
Loved child
  Die Presse hat sich in "BioShock" verliebt, als bekannt wurde, dass das Spiel nicht nur fantastisch aussehen, sondern auch eine seltsam-mysteriöse Geschichte spinnen würde. Die Geschichte rund um die von einem wahnwitzigen Visionär ersonnene Unterwasserwelt "Rapture", in der der grenzenlose Liberalismus regiert. Bis die Welt ohne Moral völlig in sich zusammenbricht.

Als ich kurz vor Veröffentlichung des Spiels die Demoversion probiere, merke ich schon nach zehn Minuten einen unangenehmen Bruch. Gerade, als ich in die geheimnisvolle, zerstörte Stadt so richtig eintauche und ihre Magie ergründe, stürzen sich groteske Zombies auf mich und alles endet in dem selben furiosen Fiasko, das bei First Person Shooter eben so üblich ist.

 
 
Plasmide statt Powerriegel
  Natürlich ist "BioShock" anders als die anderen. Bemerkenswerter als viele seiner Vorgänger. Von Anfang an ist das Spiel höchst verstörend: Der angepasste Lebensstil und die Ästhetik der späten fünfziger Jahre trifft auf entstellte Menschen mit bizarren Ritualen. Hier gelten kleine Mädchen als Monster, Kinderwägen dienen als Waffenlager und am Getränkeautomaten kauft man neue Mutationsdrogen statt Cola oder Schokoriegel. Was dahinter steckt und welche Rolle man selbst dabei spielt, entfaltet sich erst langsam.

Doch lässt man das gewöhnungsbedürftige Setting beiseite, bleibt zwar ein spielerisch einwandfreier, spannender, abwechslungsreicher und vor allem gut aussehender First Person Shooter - aber eben auch nicht mehr. "BioShock" ist außergewöhnlich, die von vielen beschworene Revolution findet jedoch nicht statt. Die irre Geschichte um die Unterwasserstadt Rapture ist gut erzählt, das Spiel selbst bleibt aber trotz seiner Qualität zu geradlinig.

 
 
Gleichgültigkeit auf hohem Niveau
  "Danke, aber ich muss dann ja gehen. Schauen wir uns lieber noch den Film an wegen dem ich eigentlich gekommen bin" meint C. auf meine Frage, ob er selbst auch mal probieren möchte. An so eine vernünftige Antwort wäre beim Spielen eines wirklich bahnbrechenden Games nicht zu denken.
 
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  "BioShock" von Irrational Games, im Vertrieb von 2K Games, ist bereits für Xbox 360 und PC erschienen.

www.2kgames.com/bioshock
   
 
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