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Wien | 18.1.2008 | 23:04 
Zwischenzeiliges, Zwischenzeitliches, Zwischenmenschliches

Hedi, Zita, HansWu

 
 
The good, the bad and the queen
  Heute geht es also um die Königin, ums Highlight der europäischen Snowboard-Meisterschaften: um die Halfpipe. Die, um die es sich heute hier in Laax am Crap Sogn Gion dreht, darf sich mit ihren 140m Länge, 18m Breite und 6m Höhe sogar "Superpipe" nennen. Und je länger Rider und Kommentator über die Röhre plaudern, desto mehr verfallen sie in Seemanns-Sprech: Sie sei wunderschön, die Halfpipe, aber gefährlich. Man könne ihr kaum widerstehen. Auch wenn sie "in good shape" sei, solle man nicht mit ihr spaßen. Und wenn am Ende eines gelungenen Runs gefragt wird, ob man "in love" mit der Pipe ist, dann ist die Antwort meistens: Yes, definitely.
 
 
 
Die Superpipe - und mitten drin ein gut eingegrabener Kameramann.
 
 
  Auch heute gibt es wieder drei Durchgänge der Herren, drei der Frauen, die sich abwechseln. Der beste Run zählt - drei Chancen also, einen der begehrten Stockerlplätze zu ergattern und somit auf der Weltrangliste nach vorne zu klettern. Slopestyle-Sieger Shaun White ist auch heute wieder mit dabei, ebenfalls im Rennen der erst 15-jährige Ben Stuart aus Neuseeland oder der X-Games Sieger 2005, Antti Autti aus Finnland. Auch der aktuelle Air&Style-Gewinner Kevin Pearce (USA) ist mit dabei. Beeindruckende Höchstleistungen warten also bei strahlendem Sonnenschein in den Schweizer Bergen auf uns.
 
 
 
 
 
  Die Schweizerin Sina Candrian ist bei den Damen die einzige Fahrerin, die in beiden Disziplinen (Halfpipe und Slopestyle) im Finale antritt. Ihr Lauf wird von jubelndem Applaus begleitet - als Lokalmatadorin steht vermutlich die halbe Bevölkerung des Nachbardorfs am Pistenrand und hält ihr die Daumen. Für die zweite Schweizerin Manuela Laura Pesko wird genauso eifrig geklatscht. Die beiden landen auf Platz 6 (Pesko) und 7 (Candrian).

Weder bei den Herren noch bei den Damen startet jemand aus Österreich. "Eh klar. Es gibt in Österreich einfach keine Halfpipes", meint Daniel Kudernatsch vom sixtynine Snowboard-Magazin. Kurz vor Olympia haben zwar die Deutschen eine Spitzenpipe in den Nordpark Innsbruck hingestellt. Richtig kümmern tut sich jetzt aber anscheinend niemand mehr. Schade eigentlich - ich hätte heute gerne mit einem übermalten Schweizer Fähnchen gewachelt.
 
 
 
Diesem eleganten Herrn verdanken wir die blauen Markierungen in der Halfpipe
 
 
Torah Bright
 
 
  Es war ein Versprecher bei der Fahrt hierher, irgendwo auf der Autobahn zwischen Linz und Bregenz, wo Andreas meinte, dies oder jenes wäre doch eher was für die "jungen Kids". Worauf alle anderen sofort konterten, ob wir uns denn zu den "alten Kids" zählen dürften. Diese Anspielung bleibt mir die ganze Woche im Kopf hängen - denn irgendwie sind sie hier alle Kids, die ganz jungen wie die 15-jährige Französin Alicia Bonnaud (Platz 34)
oder die alten Kids wie z.B. der 61-jährige Dick Schulze, der mit 3,3 von 100 möglichen Punkten den stolzen 110. Platz erreicht. Yes, the kids are alright these days.
 
 
 
 
 
Das "Airlines"-Thema dieses Jahr zieht sich durch Grafik, Vokabular und auch durch die Bekleidung.
 
 
  Der russische Schweizer Iouri Podladtchikov fährt los, wie von der Tarantel gestochen. Wie der Großteil der Fahrer ist auch er gestern durch den Slopestyle Park "geshreddet". Wir haben es also mit Multitaskern zu tun. Egal ob Big Air, Slopestyle oder Halfpipe - Fahrer wie 'iPod' Podladtchikov, Andy Finch oder Kevin Pearce packen das alles wie nix.
 
 
 
Peetu Piiroinen
 
 
  Niemand hier kann eine Zahl nennen, aber die Menschen, die die Fähigkeit besitzen eine 10 to 10 Combo in die Halfpipe zu zaubern, kann man wohl weltweit an einer Hand abzählen. Frontside 1080 Tail, Cab 1080 Stale, Frontside 9 Mute und zum Abschluss einen hohen McTwist hagelte es von Kevin Pearce in seinem letzten Run. Sean Whites Gesichtsausdruck, der bis zu diesem Zeitpunkt klar in Führung lag, konnte man fast unter seiner schwarzen Maske verfallen sehen.
 
 
 
Kevin Pearce
 
 
  Was die Damen betrifft, nehme ich meine Aussage vom Slopestyle-Finale postwendend zurück: Die Performance der Amerikanerin Kelly Clark hat sich weder in Höhe noch in Style von den Herren unterschieden. Diese Frau ist eine Wucht: Nach dem zweiten Run ist klar, dass sie mit 92,6 Punkten uneinholbare Siegerin dieses Halfpipe-Finales wird - der dritte Lauf ist also nur noch Kür, an Höhe und Eleganz kaum zu überbieten.
 
 
 
Kelly Clark
 
 
  Kelly Clark wird also Siegerin des Halfpipe Finales hier am Burton European Open 2008. Auf Platz 2 landet die Australierin Torah Bright, Platz 3 geht an die Amerikanerin Hannah Teter.
 
 
 
 
 
 
 
  Multitalent Shaun White lässt sich nicht vom Podest stoßen: Platz 2 geht an den 21-jährigen Amerikaner. Das Einserstockerl muss er heute allerdings Kevin Pearce (USA) überlassen. Platz 3 ergattert der Finne Peetu Piiroinen.

Das Fazit dieser Woche zwischen Brettern und Schnee lautet also: Amazing! Wir wissen nun, dass SnowboarderInnen im Allgemeinen eher kleine, wendige Menschen sind, die ihre Hauben nie ablegen (soweit man das bei der Party-Feldforschung herausfinden konnte) und dass Kooperationen zwischen Wirtschaft, Tourismus und Sport auf überraschend angenehme Weise funktionieren können, anstatt dir holzhammermäßig das Gehirn durchzuwaschen.

Und irgendwie bleibt der Eindruck, als ob Sportevents dieser Klassenordnung mit ihrer ausdifferenzierten Zeichensprache und der ökonomisierten Jugendkultur sowas wie die Festivals der Zukunft werden könnten. Rockstars in Hirschtalgpanade, Popschwackeln im Schi-Overall, und Helmpflicht beim Pogen...? Wir wissen es nicht, wir können nur abwarten.
 
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  Das European Snowboard Open 2008

3 - Halfpipe Finale

2 - Slopestyle Finale

1 - Boarding Now

www.opensnowboarding.com
   
 
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