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Wien | 7.11.2008 | 05:40 
Zwischenzeiliges, Zwischenzeitliches, Zwischenmenschliches

Hedi, Zita, HansWu

 
 
Mode bis zum Grünwerden
  "Do you like my tight sweater?" fragten Moloko auf ihrem Debütalbum 1995. Inzwischen, mehr als zehn Jahre später, könnte die Gegenfrage lauten: "Well... is it organic cotton?" Denn der Bio-Trend hat auch vor der Textilindustrie nicht halt gemacht. Kleidung muss dieser Tage nicht nur sexy sein, nein, sie muss auch politisch entsprechen. Und umgekehrt: Politisch korrekte Mode heißt schon lange nicht mehr "Leinenkleid in Kartoffelsackanmutung". Bio ist sexy geworden und hat den Laufsteg erobert.
 
 
 
 
 
  Sobald die Kombination "fair produzierte Textilien" und "sexy" fällt, steht sofort ein Mann im Fokus der Aufmerksamkeit: Dov Charney. Er ist Firmenchef des amerikanischen Textilriesens "American Apparel", vom Auftreten her mehr (Porno-)Filmstar als Konzernleiter, und es scheint so, als habe er den Nerv der Zeit derart gut getroffen, dass die Textilindustrie von China bis Kanada seiner Expansion nur staunend hinterher starren kann. Er hat den Bourgeoise Bohemians dieser Erde ihr textiles Zwentendorf gegeben: Endlich Mode mit sozialem Auftrag, weit entfernt von jeglichem Korkschlapfenmief.

Nicht nur, dass seine MitarbeiterInnen über dem Mindestlohn bezahlt werden, Gesundheitsvorsorge und frei verfügbare Fahrräder erhalten, dass die Produktion nicht ausgelagert sondern "Downtown L.A." von statten geht - nein, als Tüpfelchen auf dem i agieren die MitarbeiterInnen selbst als Models für die Kollektion. Das fühlt sich gut und richtig an, und es sieht verdammt gut aus. Der Erfolg von American Apparel beweist, dass die konsumkritische Kundschaft fürs gute Gewissen gerne den sechs- bis siebenfachen Preis bezahlt. Dazu kommt, dass Dov Charneys unbedruckte Shirts, Kleider und Taschen im letzten Jahrzehnt zur Grundlage vieler Do-It-Yourself-Designer wurden, ja eine ganze Generation von Designern schmückt sich stolz mit American Apparels Mantra "Sweat Shop Free Production".
 
 
 
Nicht ganz sweat shop free
  Dass vor allem die Mitarbeiterinnen von American Apparel doch des öfteren ins Schwitzen kamen (Dov Charney kämpft inzwischen mit der bereits fünften Klage wegen sexueller Belästigung), dass er Gewerkschaften verbietet und dass American Apparel keine Auskunft darüber gibt, woher die zugelieferte Baumwolle tatsächlich stammt, ist die eine Sache. Dass die Firma trotz der vielen negativen Kritik weiterwächst, ist eine andere (und hat vielmehr mit dem Modebusiness als mit sozialen Faktoren zu tun). Eindeutig aber ist, dass andere große Konzerne durch den Erfolg von Firmen wie AA in puncto FairTrade & Corporate Social Responsibility nachziehen mussten.
 
 
 
 
 
"Die da oben machen ja doch was wir wollen." (Bernadette La Hengst)
 
"Vero Moda is pleased to introduce a special organic line in our desire to protect the environment and the people who inhabit it," steht auf der Website der großen dänischen Modekette. Und zwischen Sätzen, die stark an New-Age-Flugblätter der späten 80er erinnern ("Don't be surprised if wearing the Vero Moda Organic Cotton collection makes you feel a little closer to nature."), wird Schritt für Schritt hervorgehoben, worauf die Textilbranche im Augenblick setzt: Nachhaltige Landwirtschaft zum Erwerb der Rohstoffe ("keine Pestizide, kein chemischer Dünger oder genetische Eingriffe"), und faire, gesunde Arbeitsbedingungen für die Menschen in der Produktion und im Verkauf.
 
 
 
  Auch H&M - nach Jahren im Kreuzfeuer der Kritik - ist von der Defensive in die Offensive gewechselt. Ihre grüne Linie ist das Marketingkonzept Nr. 1 dieses Herbsts, auf ihrer Website werden Nachhaltigkeitsstrategien beschrieben, und sie nennen das Kind beim Namen: Ein "guter Global Citizen" möchte der schwedische Konzern sein.

ZARA entwickelt energiesparende Beleuchtungssysteme für ihre Läden weltweit, C&A ermutigt seine Kundschaft, die gekauften Textilien doch bei niedrigerer (= umweltfreundlicherer) Temperatur zu waschen - kurz: Es gibt kaum noch Modefirmen in dieser Größenordnung, die sich nicht mit Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility und Umweltschutz befassen (müssen).
 
 
 
 
 
Judge a shirt by its label
  Bleibt letztendlich nur die Frage: Wer beurteilt, ob ein Konzern zu den guten oder den bösen Global Citizens gehört? Wie bei der Banane oder den Blumen, gibt es auch beim Shirt inzwischen internationale Arbeitsgruppen, die sich um weltweit gültige Standards bemühen und Missstände aufzeigen. Global Standard ist eine davon, die Control Union eine weitere, wenn es um die Zertifizierung von Naturtextilien geht. Fair Trade sei auch an dieser Stelle erwähnt, spezieller wirds mit Clean Clothes.

Und dass der Bio-Trend tatsächlich den Laufsteg erreicht hat, beweist nicht nur die "So ethic"-Ecke beim Prêt-à-Porter Paris vergangenen September, sondern zum Beispiel auch Ecotrend, die erste österreichische Ökotextilmesse.
 
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