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Wien | 20.4.2005 | 02:17 
Früher: Heermeister der Hegemonie.
Jetzt: Teilzeit-Kalmücken-Khagan.

Gollackner, Gerlinde

 
 
"Kommt, sagt es allen Leuten"
  Wolfgang Schüssel hat ja in den 60ern eine Liedersammlung kompiliert. Als Herausgeber des Liederbuchs "Halleluja - Lieder+Songs" der Katholischen Hochschuljugend waren mit rhythmisch-erbaulichen Evergreens, wie "Kum Ba Yah" oder "Go Down Moses" war wohl einiges für die damals neu aufgekommene "Jazzmesse" dabei. Unter "Jazzmesse" war seither jene Form der Gottesdienste bekannt, die mit "moderner" Musikberahmung dem Liturgischen eine jugendliche Note geben soll. Damit ist vielleicht bald, zumindest für den katholischen Teil der Christenheit, Schluss. Der neue erwählte Pontifex, Benedikt XVI, hat bekanntlich nichts dafür über.
 
 
Von der Jazz- zur Technomesse
  Natürlich ging auch die Jazzmesse mit dem Zeitgeist und mutierte im Gang durch die Jahrzehnte zur Beat-, Pop- und Rockmesse. Der letzte mir bekannte Schrei war die Technomesse. Außerhalb der Gotteshäuser ist vor allem CCM (Contemporary Christian Music) in den USA ein Milliarden Dollar Markt. Dies ist nun neben dem kommerziellen Aspekt vor allem Teil der evangelikalen Reconquista in den USA und betrifft so die Musik in der römisch-katholischen Messe wenig.

 "Technomesse" (allerdings ein evangelischer Gottesdienst)
 
 
Liturgie und Kirchenmusik
  Aus den 80ern gibt es einen Text von Kardinal Ratzinger, der sich auch mit dem Einsatz von Rockmusik in der Kirche auseinandersetzt. Unter dem Titel "Liturgie und Kirchenmusik" erörtert der auch als höchst intellektuell attributierte deutsche Kirchenmann nach einer Kritik an ihm missfallenden Trends in Bild und Praxis von Kirche, die eigentlichen Bedeutung von Liturgie und die Konsequenz für die dazugehörige Musik. Schließlich schreibt er in klaren Worten:

"Solche Musik legt die Schranken der Individualität und der Personalität nieder; der Mensch befreit sich darin von der Last des Bewusstseins. Musik wird zur Ekstase, zur Befreiung vom Ich, zum Einswerden mit dem All. Die profanierte Wiederkehr dieses Typs erleben wir heute in der Rock- und Pop-Musik, deren Festivals ein Antikult gleicher Richtung sind - Lust der Zerstörung, Aufhebung der Schranken des Alltags und Illusion der Erlösung in der Befreiung vom Ich, in der wilden Ekstase des Lärms und der Masse...
...Weil Rock-Musik Erlösung auf dem Weg der Befreiung von der Personalität und von ihrer Verantwortung sucht, ordnet sie sich einerseits sehr genau in die anarchischen Freiheitsideen ein, die heute im Westen unverfüllter dominieren als im Osten; sie ist aber gerade darum der christlichen Vorstellung von Erlösung und von Freiheit von Grund auf entgegengesetzt, ihr eigentlicher Widerspruch. Nicht aus ästhetischen Gründen, nicht aus restaurativer Verbohrtheit, nicht aus historischer Unbeweglichkeit, sondern vom Grund her muss daher Musik dieses Typs aus der Kirche ausgeschlossen werden."


So daneben liegt der ehemalige Kardinal und neue Pontifex in der Analyse von "Rock-Musik", oder was er darunter subsummieren mag, gar nicht.

So gesehen, könnte unter dem neuen Papst die alte "Jazzmesse" in all ihren Mutationen aus den Kirchen verbannt werden.

Würde das irgendwem abgehen?

 
 
Ergänzung
  monochrom hat sich ja ausführlich mit Sacropop auseinandergesetzt.
 
 
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