fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 3.7.2008 | 14:38 
Früher: Heermeister der Hegemonie.
Jetzt: Teilzeit-Kalmücken-Khagan.

Gollackner, Gerlinde

 
 
Unter aller Kritik
  Die Fox-Entertainment-Group ist ja in unseren Gefilden vor allem für die Kreation der "Simpsons" bekannt. In den USA wird der Medienkonzern dagegen eher mit dem konservativen Nachrichtenkanal "Fox-News" in Verbindung gebracht. Ursprünglich von Rupert Murdoch als Gegengewicht zu der seiner Meinung nach allzu liberalen Medienszene gegründet, ist der Marktführer unter allen Kabelnachrichtenkanälen zu einem der größten Meinungsmacher der USA geworden.
 
 
Der Marktführer und seine Kritiker
  Eine Marktführerschaft, die sie unter anderem auch den frühen Einsatz von grafischen Elementen in den Nachrichten zu verdanken hat, der damals die Konkurrenz recht alt aussehen ließ. Jetzt hat der Kanal eine neue Form der visuellen Gestaltung für Fernsehnachrichten pilotiert: Die Verhässlichung von unliebsamen Kritikern durch Photoshop. Objekte der Manipulation waren zwei Mitarbeiter der New York Times. Ohren wurden abstehender. Zähne vergelbt. Haarwuchs fehlender. Und Nasen größer und länger. Man mache sich gleich unten selber ein Bild.
 
 
  mediamatters.org
 
  mediamatters.org
 
 
  Die Bilder wurden während einer Fernsehshow gezeigt, bei der Fox-Kommentatoren dem Publikum erklären wollten, warum die New York Times so garstig zu ihrem Sender ist. Auslöser war ein angeblich böser Anti-Fox-Artikel von Jaques Steinberg in der NYT , der von seinem Boss Steven Reddicliffe in Auftrag gegeben wurde, nur weil dieser früher bei FOX war, und, weil unerfolgreich, gefeuert worden war, weswegen er jetzt nur noch Zehntel seines alten Gehaltes verdienen soll und deshalb jetzt alles macht, um sich bei seinem alten Arbeitsgeber zu rächen. So ungefähr die Erklärung der Fox-Leute.

Man lese die Geschichte selber (ein Video gibt's da auch): mediamatters.org
 
 
 
Obama-McCain
  Tatsächlich handelt der besagte Artikel von trotz weiter bestehender Marktführerschaft sinkenden Zuschauerzahlen in wichtigen jungen kaufkräftigen Segmenten - zugunsten der Konkurrenten CNN und MSNBC. Der später photogeshoppte Autor bezieht sich dabei auf Zahlen der renommierten Medienforschungsfirma Nielsen Media Research. Grund für das Aufholen der Konkurrenten sieht der Autor sowohl im Launch neuer Formate, als auch in Übertragung quotenstarker Vorwahlkampfevents der demokratischen Präsidentschaftskandidaten Obama und Clinton, die es auf Fox nicht zu sehen gab. Ein Obama, der sich auch als werbekräftiges Fernsehprodukt erweisen soll, das kann Fox-News, die sich traditionell eher für die republikanische Sache ins Feld geschlagen hat, naturgemäß nicht schmecken. Aber deswegen gleich in die unterste Photoshoplade greifen?
 
 
 
"Stürmer"-Methoden?
  Amerikanische Blogger, die diese Geschichte heute aufgebracht haben, stört vor allem die antisemitische Tendenz, die sie in den Fotomanipulationen zu sehen glauben. Tatsächlich erinnern die vergrößerten Nasen durchaus an Überzeichnungen in Karikaturen des Nazi-Hetzblattes "Der Stürmer". Und die Verbindung von Ostküstenpresse mit einer "jüdischen Weltverschwörung" hat ja auch in unseren Gefilden lange Volksmundtradition.

Auf alle Fälle wurde damit zum ersten Mal von einem größeren Medium vorgezeigt, dass man mit Photoshop nicht nur Models entwimmerln kann. Bleibt abzuwarten, welche Nachahmer die umgekerhte Bildbearbeitungskosmetik finden wird.

BTW: Die Firma, aus der die Fox Entertainmentgroup hervorgehen sollte, wurde 1915 von William Fox gegründet. Vorher hieß er Wilhelm Fuchs und war ein jüdischer Emigrant aus dem damaligen Österreich-Ungarn.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick