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Wien | 2.7.2008 | 08:54 
Snap your fingers, snap your neck.

Fuchs, Gerlinde, HansWu

 
 
Goodbye Ministry
  Es ist noch nicht allzu lange her, dass der langjährige Ministry-Mitstreiter Paul Barker von dannen zog und einen damals etwas planlos anmutenden Al Jourgensen mit dessen Projekt zurück ließ. Houses Of The Molé war jenes erste Ergebnis unter Jougensens alleiniger Regie. Ich fand diese Platte so öd, dass ich mich gar zu einer Rücktrittsforderung an Ministry hinreißen ließ.

Dass Ministry aber noch mal zu solch großartigen Alben wie den beiden Bush-Bash-Hassorgien Rio Grande Blood und "The Last Sucker" fähig wären, war genau jene sehr angenehme Überraschung, die ich mir damals erhofft hatte und ist sehr wahrscheinlich auch dem Prong Gitarristen Tommy Victor zu verdanken, der dem Projekt Ministry noch mal einen ordentlichen Schub gab.
Ministry
 
 
Ein trauriger Tommy Victor
  Eben diesen Tommy Victor hatte ich die Ehre in Innsbruck zu interviewen, da Ministry dort Station machten um ihr einziges Österreich Konzert zu geben. Genau genommen ein etwas trauriger Anlass, sollte dieser Auftritt doch der letzte dieser Band in Österreich sein, denn Ministry sind auf ihrer Abschiedstournee - der "C U Latour" - durch Europa unterwegs.

Victor macht keinen Hehl daraus, dass er persönlich einfach traurig über das Ende von Ministry ist, wenngleich das auch kein Schock sei. Al Jourgensen hatte schon vor längerem angekündigt, dass nach dem nächsten Album "The Last Sucker" Schluss sein wird. Zwar haben sie noch "Cover Up" nachgelegt, das ist aber mehr aus dem Spaß entstanden, den sie hatten, als sie den Doors Song "Roadhouse Blues" aufgenommen hatten und dann die Idee kam, aus Songs der US Radiorocksender Ministry Songs zu machen.

Zusammenarbeiten werden sie aber trotzdem noch, schließlich ist Victor mit Prong bei Al Jourgensens Label 13th Planet Records unter Vertrag. Schon beim letzten Album hat Jourgensen den Song "The Banishment" gemixt und beim nächsten Prong-Album werde der sich noch intensiver beteiligen, möglicherweise auch am Songwriting. Aufs Altenteil wird sich Jourgensen also nicht setzen und auch Victor wird nicht langweilig werden. Sogar ein Projekt zusammen mit Burton C. Bell von Fear Factory ist in Planung, mehr dazu und dem Interview selbst aber demnächst.

Tommy Victor
 Tommy Victor
 
 
Let's Go
  Auch wenn man immer wieder davon hört, Al Jourgensen würde gesundheitlich angeschlagen sein, genau diesen Eindruck machte er an diesem Abend nicht. Jeglichen Diktator dieser Welt mit teuflischem Grinsen karikierend stand er da hinter seinem Absperrgitter und wippte zu den ersten Takten von "Let's Go" an seinem berühmten Knochenmikroständer vor und zurück.

 
  Al Jourgensen
Al Jourgensen
 
 
Der Innsbrucker Hafen wurde zur Sauna
  Ministry gedachten nicht, die für ein Abschiedsprogramm erwarteten Industrial-Metal Hits herunterzuleiern, was gut so war. Die vor der Band aufgebauten Metallgitter, ein Element aus früheren Zeiten von Ministry, ließen mich das schon befürchten. Vielmehr lag der Schwerpunkt auf den letzten beiden Alben und "Uncle Al" brachte seine Bush- Hasstiraden aus "Rio Grande Blood" und "The Last Sucker" unter das geneigte Innsbrucker Volk.

Wie extrem druckvoll er das mit diesem Aufgebot seiner schon fast All-Star-Metalband machte, war noch dazu extrem beeindruckend und bei diesen Namen schon beinah Pflicht, denn nicht nur Tommy Victor ist einer, den man kennen sollte (sofern einem Metal nicht egal ist). Auch Sin Quirin (Git, Revolting Cocks), Tony Campos (Bass, Static-X), John Bechdel (Keyboard, Killing Joke, Fear Factory, Prong) und Aaron Rossi (Prong, Schlagzeug) wird wohl der eine oder andere Fan auf dem Konzert mit Freude wiedererkannt haben.


Sin Quirin
 Sin Quirin
 
 
  Großartig auftauen musste da erst niemand und Ministry gönnten ihren Fans für 90 Minuten wenig Pause. Das Publikum dankte es ihnen mit flottem Moshen, Headbangen und allem was da so dazugehört. Der Innsbrucker Hafen war binnen Minuten zu einem Hexenkessel mutiert (bzw. eigentlich wars schon eher eine Sauna).

Ministry waren vollkommen in ihrem Element und allesamt mit extremer Freude bei der Sache. Tommy Victor wollte es sich von dem vor der Band aufgebautem Gitter nicht nehmen lassen, des öfteren an der Seite hervorzukommen und mit breitem Grinsen den Kontakt zum Publikum zu suchen. Im Grunde war die Band mit ihrer Freude an dem, was sie da tat viel interessanter anzuschauen, als die ebenfalls sehenswerte Licht- und Videoshow.

Tony Campos
 Tony Campos
 
 
Zugabe mit Klassikern
  Nach ungefähr 90 viel zu kurz anmutenden Minuten war dieser erste Teil des Spektakels aber dann leider vorbei und freilich dürstete es die anwesenden Damen und Herren nach mehr Ministry. Logisch, denn ohne "N.W.O." gehe ich sicher nicht von einem Ministry Konzert nach Hause. Wo kämen wir denn da hin? Ohne sich lange bitten zu lassen, waren sie auch schon wieder da, um mit "So What" den quasi "klassischen" Teil des Konzerts einzuleiten. Ein Privileg, das den Besuchern des Konzerts in Hamburg übrigens nicht zuteil wurde, weil man dort seiner Begeisterung dadurch Ausdruck verlieh, volle Bierbecher Richtung Bühne zu werfen. Selbst schuld die Hamburger, denn auch wenn davor schon die Hölle los war, hier steigerten sich Band und Publikum in einen regelrechten Rausch.
 
 
 
Kurzes Deppen-Intermezzo
  Manche Dumpfbacken (das muss leider so harsch gesagt werden) hatten da wohl einen anderen Rausch, denn da gab es ein paar "ganz Lustige", die sich nicht zu deppert waren, auf den Zaun zwischen Bühne und Band zu springen. Es mag ja Ministry-Videos geben in denen das paraktiziert wurde, wenn man aber auf einen aufgestellten Zaun springt sollte man vielleicht davor bedenken, dass das Ding kippen könnte. Selbiges passierte dann auch - mitten ins Publikum rein. Zum Glück ist nicht mehr passiert und weil die Deppen nicht lernen wollten, machten sie das auf der rechten Seite der Bühne gleich noch mal. Einmal blöd sein reicht nicht, manche müssen es gleich zwei Mal sein.

Nach Tommy Victors Miene zu schließen, hätte es da gar nicht verwundert, wenn die Band das Konzert abgebrochen hätte. Schon beim Interview zum o.g. Vorfall in Hamburg befragt meinte er, dass ers irgendwie nachvollziehen kann, wenn Leute bei dieser Musik übermütig werden oder gar versuchen, den Zaun umzureißen, aber alles hat seine Grenzen. Zum Glück war diese nicht überschritten und Ministry straften das ansonsten friedliche Publikum nicht kollektiv wegen ein paar Vollspacken ab, die sich danach wahrscheinlich noch stolz auf die Schulter geklopft haben, sondern lieferten dann noch mit "N.W.O.", "Just One Fix" und "Thieves" ein furioses Finale, bei dem die Leute gar noch sämtliche Samples mitbrüllten.


 
 
What a wonderful world...
  Nach knapp 2 Stunden und mit Louie Armstrongs "Wonderful World" verabschiedeten sich Ministry dann endgültig aus Österreich. Ich gebe zu, da schon fast ein wenig sentimental geworden zu sein und nicht einmal manch brennendes in der Luft geschwenkte Feuerzeug störte da. Nach dem Verklingen der letzten Töne und Al Jourgensens lang gezogenem "Wonderful Wooooorld" hatte man irgendwie den Eindruck, dass sie gar nicht gehen wollten - Ministry verabschiedeten sich noch sehr lange von ihren Fans, während das normale Licht im Saal schon wieder eingeschaltet war. Innsbruck hat dieser Band einen würdigen und enthusiatischen Abschied bereitet.

Nicht immer lief alles rund in den letzten 27 Jahren bei Al Jourgensen und Ministry, aber sie waren eine der besten. Das haben sie mit diesem Konzert noch einmal eindrucksvoll bewiesen.

Al Jourgensen
 Al Jourgensen
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