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Wien | 21.8.2008 | 23:19 
Snap your fingers, snap your neck.

Fuchs, Gerlinde, HansWu

 
 
Shake, Metal & Roll
  Volbeat aus Dänemark sind ein Phänomen, denn diese Band hat es mit gerade mal zwei Alben geschafft, sich eine nicht unbeträchtliche Fangemeinde zu erspielen. Mit "The Strength, The Sound, The Songs" und Rock The Rebel / Metal The Devil haben sie eine Mixtur aus Rock'n'Roll und Metal aus der Taufe gehoben, die einerseits so vorher noch nicht da war und andererseits wieder in sich so extrem logisch klingt, dass es bei jedem Hören verwundert, warum nicht schon viel früher jemand auf diese Idee kam.
Michael Poulsen (Foto: Jacob Dinesen)
 
 
  Vielleicht brauchte es dazu eben einen wie Michael Poulsen, seines Zeichens Gitarrist, Sänger, Songschreiber und Chef von Volbeat, der früher mit Grunzstimme bewaffnet bei Dominus härtesten Thrash/Death-Metal fabriziert hat, gleichzeitig aber auch glühender Fan von Social Distortion, Elvis und der Musik aus den 50ern und 60ern ist. So gesehen war es vermutlich wohl auch keine Idee oder gar ein Plan nach dem Motto "Kohle ohne Ende scheffeln". Vielmehr passierte das eben ganz einfach, nachdem er Dominus auflöste, um sich mit Volbeat allen Facetten seiner musikalischen Leidenschaften zu widmen.
 
 
 
Leidenschaft
  Selbige ist genau das, was schon auf eingangs erwähnten Vorgängern jeden Ton ausmachte und diese Leidenschaft vermeint man auch wieder auf Volbeat's nunmehr drittem Album "Guitar Gangsters & Cadillac Blood" regelrecht zu spüren. Seien es nun derbe Saubeidl-Kracher wie "Find That Soul" und "Wild Rover Of Hell", amtliche Schmachtfetzen wie "Light A Way" inklusive Soundhimmel voller Geigen oder gar ein Song wie "Mary Ann's Place", der gleich alles zusammen ist. Selbst wenn es mitunter kurz davor ist, in allzu heftigen Kitsch abzudriften, Volbeat haben das unglaubliche Talent, das Steuer noch im richtigen Moment herumzureißen, bevor sie ungebremst in den Süßholzraspelbaum knallen könnten. Im Gegensatz zu den Vorgängern warten sie mit dem Herumreißen dieses Mal vielleicht noch ein wenig länger.

Volbeat - Guitar Gangsters & Cadillac Blood
 
  Volbeat
Thomas Bredahl (Git.), Jon Larsen (Drums), Michael Poulsen (Git., Voc.), Anders Kjølholm (Bass)
 
 
  Prinzipiell haben Volbeat also auch auf ihrem dritten Album nicht großartig was geändert. Die Story von "Mr. and Mrs. Ness" und "Danny & Lucy" wird mit "Mary Ann's Place" fortgesetzt und wie schon auf den beiden Vorgängern singt Poulsen im Keith Caputo'schen Elvis-Stil über Liebe, Herz und Schmerz, untermalt von knallharten Schwermetall-Riffs nebst Rock'n'Roll Refrains inmitten heftiger Doublebass-Trommelgewitter. Wer das alles schon kennt, wird es jetzt wieder lieben. Wer nicht, wird staunen und sich vermutlich auch gleich die beiden Vorgängeralben zulegen.
 
 
 
Das große Geheimnis ist gelüftet
  Übrigens wurde um "Mary Ann's Place" im Vorfeld gar ein Riesengeheimnis um die Tatsache gemacht, mit wem Michael Poulsen da denn nun im Duett singt. Jetzt halten Sie sich fest, es ist niemand geringeres als... äh... Pernille Rosendahl. Diese Dame steht gesanglich bei der dänischen Band "The Storm" in Lohn und Brot und es scheint, als wäre sie damit in ihrer Heimat recht erfolgreich. Bei all der Geheimniskrämerei hätte ich mir aber sowas wie die wunderbare Anneke van Giersbergen von "The Gathering" oder Doro Pesch erwartet, aber man kann nicht alles haben. Nichtsdestotrotz ist der Song freilich großartig und Michael Poulsen im Duett mit Frau Rosendahl wird höchstens extrem unsensible Menschen kalt lassen.
 
 
 
Herzblut
  Abgesehen aber von diesem Duett und der Studiopremiere von Gitarrist Thomas Bredahl, der ja erst nach Fertigstellung des letzten Albums zu Volbeat stieß: Böse Zungen könnten den Dänen nun ob der wenigen Änderungen am Konzept garstigen Ausverkauf unterstellen. Offen gesagt sind mir Motivationen, warum nach so kurzer Zeit ein drittes und den vorhergehenden recht ähnliches Album nachgeschoben wird, bei Volbeat aber sowas von herzlichst egal. Was man bei manch anderer Kapelle so vielleicht nicht unbedingt durchgehen lassen würde, bei den vier Dänen pfeift man da gerne drauf. Warum? Sie haben einfach hervorragende Songs, die in Mark, Bein und Herz gehen und "Guitar Gangsters" ist Herzblut von der ersten bis zur letzten Sekunde, Rock'n'Roll wie Metal durch und durch und strotzt schlicht und ergreifend nur so vor Spielfreude und Leidenschaft.

Volbeat (Foto: Gregers Overvad)
 
 
  Nachdem sie sich auf ihrem ersten Album bereits erfolgreich an einer Coverversion von "I Only Wanna Be With You" versucht haben, gibt es hier wieder etwas zu hören, was nicht aus Herrn Poulsens Feder stammt. Auch wenn Befürchtungen im Vorfeld ihre Berechtigung hatten, ob Hank Williams' bereits von Elvis Presley und Johnny Cash geadelte "I'm So Lonesome I Could Cry" nicht sogar für Volbeat eine Nummer zu groß geraten könnte, sie schaffen das mit der gleichen Bravour wie Kitty Wells' "Making Believe". Poulsen selbst sieht diesen Song gar eher als Coverversion von Social Distortion, den selbige auch schon einmal verwurstet haben. "Making Believe" soll übrigens nur auf der Erstauflage des Albums zu finden sein.
 
 
 
Kalte Schauer
  Zugegebenermaßen hat mich ein einziger Song erst mal ziemlich erschrocken, denn "Still Counting" kommt zur Einleitung mit einem an Reggae gemahnenden Geklampfe daher, was mir im Normalfall kalte Schauer des Grauens über den Rücken jagen und mich selbst außerhalb der Hörreichweite flüchten lässt. Doch selbst da bekommen Volbeat die Kurve und machen aus diesem Stück auch noch eines der besten des Albums.

Volbeat (Foto: Gregers Overvad)
 
 
  Volbeat's Metal'n'Roll-Hochdampflokomotive fährt mit "Guitar Gangsters & Cadillac Blood" gnadenlos in Richtung Erfolg weiter. In Dänemark sind sie bereits Stars und im Rest Europas dürfte es damit auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Selbst Metallica werden mit ihrem kommenden Album was wesentlich besseres als "St. Anger" abliefern müssen, um da noch mithalten zu können.
 
 
 
Bang your head and shake your hips
  Die Damen werden tanzen, die Herren headbangen und alle zusammen mitsingen und mit den Hüften wackeln. Diese Platte macht ganz einfach glücklich und wird so manchen ein paar Tränen der Freude über die Wangen jagen. Falls das einigen Härtlingen zu peinlich ist, dann können die sich immer noch auf den Schweiß vom Headbangen rausreden, auch wenn das gar nicht notwendig ist.
 
 
 
Wichtige Volbeat-Termine
  Wem der Volbeat Auftritt auf dem letzten Nova Rock zu kurz war oder wer Volbeat schändlicherweise noch nie live erlebt hat, an nachfolgenden Tagen gibt es in Österreich Gelegenheit, um das nachzuholen. Danach gibt es keine Ausreden mehr.

15.10. Rockhouse - Salzburg
16.10. Posthof - Linz
17.10. Gasometer - Wien
18.10. Conrad Sohm - Dornbirn

Zur Veröffentlichung von "Guitar Gangsters & Cadillac Blood" wird es ein paar schneidige Release-Partys geben, die übrigens gleich mit jener des am selben Tag erscheinenden neuen Motörhead Albums zusammengelegt wurden. Sehr praktisch. Hula Hoop-Reifen jedenfalls nicht vergessen.

29.8. Viper Room - Wien ("Hellfest")
29.8. Graffiti - Wien ("Paranoid")
6.9. Abyss Club - Kufstein
6.9. Abyss Club - Innsbruck

Michael Poulsen auf dem Nova Rock (Photo: Patrick Wally)
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