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Wien | 13.9.2008 | 19:25 
Snap your fingers, snap your neck.

Fuchs, Gerlinde, HansWu

 
 
Death Magnetic
  "Es ist mir völlig egal, wer das nächste Album von Metallica produziert, solange sie nicht wieder einen solchen Müll wie 'St. Anger' abliefern."
Kerry King (Slayer)


Da hielt der Slayer Gitarrist mit seiner Meinung nicht gerade hinterm Berg, als er während des Interviews auf dem Nova Rock 2007 dazu befragt wurde, was er denn davon halten würde, dass Rick Rubin, seines Zeichens Stammproduzent seiner eigenen Band, bei Metallica deren langjährigen Weggefährten Bob Rock am Produzentensessel abgelöst hat.

Man muss es vielleicht nicht ganz so heftig wie Herr King sehen, aber auch ich brauche einen halbwegs guten Tag, damit mir "St. Anger" mit dem wohl grottigsten Sound in der Geschichte von Metallica gefallen soll. Man darf gespannt sein, was er zu "Death Magnetic" von sich geben wird, auf jeden Fall können Befürchtungen schon mal zerstreut werden, dass Metallica einen mit ihrem neuen Album "Death Magnetic" wieder mit grausam schepperndem Proberaum-Sound an der heimischen Soundmaschine zweifeln lassen.
Kerry King (c) Warner Music
 
 
Von Rockallica wieder zu Metallica
  Kein Wunder also, dass nicht nur Kerry King von "St. Anger" nicht allzu sehr angetan war, auch die restliche Fangemeinde war überwiegend nicht sehr überzeugt, was diese aber nicht davon abhielt, Metallica weiterhin die Treue zu halten und auf ein neues "richtiges" Album dieser Band zu hoffen.

Jetzt ist es also da, jenes "richtige" Metallica-Album, das gleich zwei Kriterien erfüllen musste. Einerseits sollte es wieder ganz einfach ordentlich knallen und nicht wie der Vorgänger nur scheppern, andererseits hofften viele auf eines, bei welchem der Name "Metal" im Bandnamen wieder gerechtfertigt ist. Böse Zungen bezeichneten sie zu Zeiten von "Load" und "Reload" gar schon als "Rockallica", was offen gesagt gar nicht mal so abwegig war. Meldungen im Vorfeld, dass man sich wieder eher am Sound von "... And Justice For All" orientieren wolle, riefen bei vielen gar Hoffnungen wach, "Death Magnetic" könnte vielleicht sogar ein neues Meisterwerk wie "Master Of Puppets werden".

 
 
Heftig wie schon viel zu lange nicht mehr
  Was den Sound betrifft, wurde tatsächlich nicht zu viel versprochen, denn so knochentrocken und gleichzeitig so heftig kamen Metallica seit "... And Justice" nicht mehr daher. Auf Produzentenkniffe, x-fache Gitarrenverdopplungen sowie extrem aufgefettete Drum-Sounds wurde verzichtet und Lars Ulrich muss sich auch nicht mehr für seine Snare Drum schämen. "Death Magnetic" walzt so frisch daher, wie Metallica das leider schon viel zu lange nicht mehr praktiziert haben.

Ist dieses Album nun aber tatsächlich jenes Meisterwerk, auf das vielleicht viele gehofft haben? Nun ja, auch wenn sogenannte Meisterwerke erst viel später als solche erkannt werden, dieses hier wird vermutlich in ein paar Jahren nicht als ein solches bezeichnet werden. Nicht dass man mich missversteht, "Death Magnetic" ist jenes sehr gute Metal-Album, das man sich mindestens von der Zusammenarbeit einer Band dieser Größenordnung mit einem Produzenten-Kaliber wie Rick Rubin erwarten darf.

 
 
Keine Anbiederung
  Auch musikalisch kann man ihnen nicht unterstellen, sie würden weiterhin lieber wieder in der Rock-, denn in der Metal-Liga spielen. An sich war es damit ja schon mit "St. Anger" vorbei, dieses Mal machen sie es aber wesentlich besser und liefern Freundinnen und Freunden harter Kost zünftigen Thrash Metal, ohne sich an Hitlisten oder Verkaufscharts anzubiedern. Das muss man ihnen anrechnen, auch wenn sie sich das natürlich leisten können.

Die Längen der Songs sprechen da für sich, denn mit Ausnahme von "My Apocalypse", was mit fünf Minuten auch nicht gerade kurz ist, sind alle Songs bei einer Dauer zwischen knapp sieben und zehn Minuten kleine Thrash-Epen, in denen sich Metallica musikalisch ziemlich austoben. Natürlich gibt es herausragende Nummern, wie "Broken, Beat & Scarred", das einen gar ein wenig an den Klassiker "One" erinnert und gäbe es mehrere Nummern wie meinem persönlichen Favoriten "All Nightmare Long", dann hätte das alles tatsächlich etwas vom Kaliber wie "Master Of Puppets" werden können.
 
 
 
Erwartung erfüllt, aber reicht das?
  Mir persönlich reicht es nicht, wenn ich von einer Band wie Metallica etwas höre, was meine Erwartungen einfach nur erfüllt. Technisch gibt es an "Death Magnetic" freilich nichts zu kritisieren und ein jeder Musiker wird vermutlich wieder blass vor Neid werden, was die vier Herren da an Riffs, Basslinien und Trommelgewittern aus dem Köcher ziehen. Man kommt nicht umhin, "Death Magnetic" als eine "saubere Arbeit" zu bezeichnen und Metallica haben sich damit nun wohl endgültig von all dem Ballast und Pomp befreit, der sie zwar einerseits im Laufe der Jahre zu Millionären werden, auf der anderen Seite aber auch zu einer Stadion-Rockband mutieren ließ.

 
 
Das letzte Quäntchen fehlt
  Sogenannte "saubere Arbeit", Authentizität, weil man nun eben wieder "so richtig" Metal macht, und technische Brillianz sind aber nicht ausschließlich das, was für mich ein herausragendes Album ausmacht. Es braucht noch jenes letzte Quäntchen Herzblut und Leidenschaft, wie man es zum Beispiel bei den in diesem Jahr erschienenen Thrash-Metal Haudegen Testament und Exodus verspürt. Speziell Letztere, bei denen übrigens Anfang der 80er Jahre Metallica Gitarrist Kirk Hammett mit im Boot war, haben das mit "The Atrocity Exhibition - Exhibit A" eindrucksvoll bewiesen. Bei "Death Magnetic" fehlt mir das leider, auch wenn Metallica immer noch für ein Meisterwerk gut wären. Da heißt es eben wieder ein paar Jahre warten und hoffen.
 
 
 
  Am Mittwoch, den 17. September, gibt es im House of Pain von 22 bis 24 Uhr ein ausführliches Metallica-Special, das neben jeder Menge neuer Stücke und auch Klassikern ein ausführliches Interview mit Gitarrist Kirk Hammett bringt, den Robert Rotifer in London getroffen hat.
 
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