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Stockholm | 28.10.2005 | 19:03 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
God Natt!
  Nach einer mehrwöchigen stressigen Semesterbeginn-bedingten Schreibauszeit, melde ich mich mal wieder zu Wort. Und zwar erneut aus Stockholm, wo ich gerade die herbstliche Feiertagsserie ausnütze und die aufregende Gelegenheit zu dem einen oder anderen DJ-Gig am Schopfe packe. Nach nur einem knappen Monat bin ich also wieder zurück ...
 
 
 
Zurück in Stockholm
 
 
  Viel geändert hat sich hier seitdem nicht: Die Straßen sind immer noch beachtlich sauber, es gibt immer noch unglaublich viel tolle schwedische Musik zu entdecken und die aussprachetechnischen Tücken der svenska språket bereiten mir immer noch so manche Schwierigkeiten. Aber sonst ... OK, der Thermometer-Stand reicht teilweise schon gefährlich nahe an den Nullpunkt heran, und das Baumlaub hat sich schon längst der alljährlichen Metamorphose von grüner Sommerfrische in ein herbstliches Farbspektrum unterzogen. Auch die Tage werden merklich kürzer. Um 17:30 ist es schon recht düster und die Straßenbeleuchtung ist längst wieder in Betrieb.
 
 
 
Så festar svenskarna
  (So feiern die SchwedInnen)

Insofern ist es ein wunderbarer Zeitpunkt, diesmal die "dunkle Seite" der Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach dem kleinen touristisch angehauchten Rundgang in der warmen früh-septemberlichen Sonne, will ich euch Leser und Stockholm-Interessierte dieses Mal mit einer kleinen Tour durch das Nachtleben aufwarten. Sozusagen ein Know-How-Starter-Package.
 
 
 
 
 
  Ach ja, eines möchte ich vorab noch klarstellen: Da sich meine diesbezüglichen Erfahrungen ausschließlich auf die Hauptstadt beziehen, meine ich implizit die in Stockholm ansässigen Jungmenschen, wenn ich hier "SchwedInnen" schreibe.
 
 
 
Så planerar svenskarna kvällen
  (So planen die SchwedInnen ihren Abend)

Einheimische Szenekenner haben natürlich ihre Lieblingslokalitäten, die sie je nach Lust und Laune aufsuchen, oder sie tauschen sich untereinander per Insidertipps aus. Aber keine Sorge! Auch falls du nicht zu dieser elitären Gruppe der "Haha! Ich weiß immer, wer/was/wann/wo!"-Partymenschen gehörst, findet man leicht heraus, wo nach Sonnenuntergang die besten Sausen steigen.

Dafür sorgen schon die unzähligen Konzertplakate an Hausfassaden, U-Bahnstationswänden und Baustellenabsperrungen. Die Vielfalt musikalischer Stilrichtungen bei den beworbenen Veranstaltungen ist dabei ebenso bunt wie die grafische Gestaltung.

Und für den Fall, dass das optische Werbebombardement nicht reicht, gibt es ja auch noch das Wunderwerkzeug Internet. Eine Reihe von ständig aktualisierten Partydatenbänken steht einem mit mehr oder weniger detaillierten Formularen bei der Suche nach dem passenden Abendprogramm zur Seite. Allen voran wären da die "På stan" (In der Stadt) Sektion von der Online-Ausgabe der Tageszeitung Dagens Nyheter und das Portal "Allt Om Stockholm" zu nennen. Es sei allerdings erwähnt, dass beide natürlich in schwedischer Sprache gehalten sind.

 Manchmal findet man auch in Zeitungen ganz gute Veranstaltungstipps. In dieser aber vielleicht nicht, denn die kauft man sich wohl eher wegen der aufreißerischen Schlagzeilen ("Giftige Schlange, da wohnst du!").
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  Dagens Nyheter.

Allt om Stockholm
   
 
 
Så drickar svenskarna
  (So trinken die SchwedInnen)

Eine richtige Partynacht startet für den echten Schweden immer zu Hause. Sei es nun in den eigenen vier Wänden oder in der Behausung eines Freundes. Denn - wie wahrscheinlich schon viele von euch wissen - ist aufgrund teurer Ausschanklizenzen der Konsum von alkoholischen Getränken in schwedischen Bars meistens eine sehr kostspielige Sache. Das hindert das ausgehfreudige Nord-Völkchen aber keineswegs am fröhlichen Bechern.

Die allgemeine Trinkbegeisterung im Norden ist in der Tat alles andere als nur ein Gerücht - trotz dem Versuch der Regierung als kontrollierendes Organ in die allgemeinen Trinkgewohnheiten einzugreifen. Deswegen muss eine/r aus der Runde (jemand älter als 20) halt vor dem eigentlichen Ausgehen schon zum systembålaget, dem staatlich geführten Kaufladen für alkoholische Getränke, gehen und die Basis für die feuchtfröhliche Eingangsphase beschaffen, das so genannte förfest ("Vorab-Party").

Erst wenn man richtig aufgewärmt ist oder ein Blick auf die Uhr zu guter Letzt zum Aufbruch drängt, wird der Ortswechsel vorgenommen. Nicht selten begegnet man auf dem Weg in tunnelbanan (Stockholms U-Bahn) oder auf der Straße Nachzügler mit Bierdosen in der Hand.
 
 
 
 
 
Så går svenskarna ut
  (So gehen die SchwedInnen aus)

Was das schwedische Jugendschutzgesetz sonst noch anbelangt, darf man grundsätzlich ab dem Alter von 18 Jahren in Bars alkoholische Getränke konsumieren. Von den jeweiligen Clubs und Veranstaltungen her, gibt es aber wiederum unterschiedliche Mindestaltersbegrenzungen, die zwischen 18 und 23 pendeln. Das hat hauptsächlich damit zu tun, welche Zielgruppe man ansprechen möchte: Laute Jugendliche oder gesetzte Erwachsene.

Auch die Sperrstunde variiert je nach Lokal. Viele Bars schließen schon um 01:00, andere (aber deutlich weniger) haben bis 03:00 oder 04:00 geöffnet. Interessanterweise füllen sich die Lokale aber meist trotzdem erst so ab 22:00. Konzerte ausgenommen! Da meist einige Bands pro Abend spielen, beginnen diese nämlich meist zwischen 20:00 und 21:30. Will man also schwedische Live-Musik auschecken, ist Pünktlichkeit absolut ratsam.
 
 
 
 
 
Så heter några grymma krogar
  (So heißen einige coole Lokale)

Um das ganze Herumgeschwafle webgerecht abzurunden, darf nun natürlich auch ein wenig Name/Link-Dropping nicht fehlen. Stockholm hat ja schließlich wie auch die meisten anderen europäischen Hauptstädte einige besonders feine Locations zu bieten.

Debaser
Der berühmte Rock'n'Roll-Schuppen eingeklemmt zwischen Meereswasser und einem Straßenlabyrinth gleich bei Slussen. Hier spielen häufig interessante Namen der europäischen Gitarren-Musik. Vom Programm der letzten beiden Monate sind mir beispielsweise Kashmir, Editors und Tahiti 80 und in Erinnerung geblieben.

Mondo
Die größte Veranstaltungsräumlichkeit für Indie-Konzerte und ähnliches, aufgeteilt in 2 große Konzerthallen und einen kleineren Clubraum. Allgemein als eher hässlich verschrien, tritt hier aber doch so ziemlich alles auf, was in der örtlichen, aber auch grenzüberschreitenden Szene kreucht und fleucht.
 
 
 
Mondo
(c) mondostockholm.se
 
 
  Allhuset
Ein Lokal für Studenten gleich am Uni-Campus, wo freitags auch immer wieder feine Konzertabende stattfinden. Am Ende des Studienjahres (Mai) steigt am Campus das wunderbare Popaganda-Festival (Eintritt frei), und Allhuset beherbergt die After-Parties.

Landet
Zu den sehr zentral gelegenen Debaser und Mondo gibt es mit Landet (das Land) im Süden der Stadt eine kleine/feine Alternative. Während sich im Erdgeschoss ein gemütliches Restaurang befindet, gehört das Obergeschoss ganz dem schicken Club-Leben. Man findet hier eine Bühne, ein DJ-Pult, eine Bar und einen Haufen adretter KunststudentInnen.
 
 
 
Landet
(c) landet.nu
 
 
  Street
Delikates Restaurant, Markthalle mit allerlei coolem Modeschnickschnack und Konzertbühne mit schicker Glasfassade, gleich am Wasser nahe Hornstull.

Marie Leveau
Ein Kellerlokal mit einem Musikprogramm, das von CD-Release-Parties der Indie-Local-Heroes bis zu Spezial-DJ-Sessions von Prominenten (z.B. New Order) reicht.
 
 
 
Die Stockholmer Band "Three Is A Crowd" bei ihrem Auftritt im Marie Leveau.
 
 
  Trädgården
Schon im ersten Stockholm-Artikel erwähnt, muss ich noch einmal auf den "Garten" hinweisen. Schließlich ist er im Sommer quasi "THE place to be"! Als reine Outdoors-Geschichte ist Trädgården über die kalten Monate allerdings geschlossen.

Globen
Stockholms äquivalentes Bauwerk zur Wiener Stadthalle, könnte man sagen, nur mit einer imposanten Monsterkuppel-artigen Architektur. Auch wenn das natürlich nicht mehr wirklich mit städtischer Subkultur zu tun hat, sei es hier aufgelistet. Denn nachdem Bands wie The Hives und The Ark in Schweden eher als Mainstream-Stars gehandelt werden, treten auch sie hier auf.
 
 
 
Die Globe-Kuppel
(c) globearenas.se
 
 
  So, nun aber genug vom Ausgehen geredet und Zeit für mich, wieder zur Tat zu schreiten. Falls jemand von euch zufällig auch gerade in Stockholm ist, ich lege heute Abend im Landet auf :-)

Hej då!
 
 
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