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Stockholm | 29.1.2006 | 12:46 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Er ist wieder da!
  Zuerst wollte ich meinen Augen gar nicht trauen. Schließlich war es ein Wiedersehen, dessen Wahrscheinlichkeit ich ebenso hoch eingeschätzt hätte wie die von einer Cocktailparty-Begegnung mit Andy Warhol.

Aber nein! Plötzlich war er direkt vor mir und trotz all der Jahre habe ich ihn sofort erkannt. Die entschlossen zusammengezogenen Augenbrauen, die markante Haarwelle und das unerschütterliche Lächeln eines echten Siegers ... Ja, das konnte nur er sein:
 
 
 
Tsubasa Ozora!
 
 
Long time, no see.
  Natürlich sind wir uns nie wirklich begegnet und das wird wohl auch nie möglich sein. So mit ihm aus Tusche und Farbe und mir aus Fleisch und Blut. Aber trotzdem ist er für mich so etwas wie ein alter Freund aus (fast noch) Sandkistenzeiten. Genau so fühlte es sich zumindest an, als ich neulich beim Mittagessen-Zappen zufällig auf eine der 52 neuen Folgen der Anime-Serie "Super Kickers 2006" gestoßen bin.

Tsubasa hatte mir als Hauptfigur der "tollen Fußballstars" schließlich einst gezeigt, wie toll Fußball sein kann und wie wichtig es ist, an seinem Traum festzuhalten. Aber auch, dass der Weg zum Ziel oft hart und steinig ist. Wer jedoch mit Ehrgeiz, aufrichtiger Freundschaft und herzhaftem Lachen am Ball bleibt, der wird es wohl auch schaffen.

 
 
Einst ...
  Als sich unsere Wege zum ersten Mal gekreuzt haben, waren wir beide noch in der Volksschule. Er in Nankatsu, Japan; Ich in Krems, Niederösterreich.

Beide waren wir zugezogene Neulinge, die sich unter den halb neugierigen, halb skeptischen Blicken der anderen erstmal beweisen und um sozialen Anschluss bemühen mussten. Ich muss wohl nicht dazusagen, dass Kinder ebenso süß wie grausam sein können, wenn man neu oder anders ist.
 
 
 
 
 
  Aber sowohl Tsubasa als auch ich schafften es. Er mit seinem heiß geliebten Fußball und ich mit dem Spitzenschuh, dem Degen und stets der interessantesten Jause in der Klasse.

Zugegeben, unsere jeweiligen Schlüssel zu neuen Freundschaften sehen ziemlich unterschiedlich aus. Was könnte auch kontrastreicher sein als die schwarz-weißen Leder-5-bis-6-Ecken im Vergleich zu dem zartrosa Stoff eines Spitzenschuhs? Aber im Nachhinein betrachtet, meisterten wir die besagte Feuerprobe sogar mit derselben Strategie: Sportlicher Ehrgeiz, einem freundlichen Lächeln und den Mut, zu dem zu stehen, was einem am wichtigsten ist.

Vielleicht war er so etwas wie ein Idol für mich. Ein guter Einfluss und eine Hilfe, den richtigen Weg zu finden. Im Endeffekt hatte jedenfalls die in der Serie transportierte Moral meine Schwester und mich zu fast täglichem "Training" im Garten gebracht. Und wenn es Winter war und überall Dezimeter-hoch Schnee lag, umso besser! In der Serie hatte schließlich die Mannschaft von Hokkaido (der nördlichsten Insel Japans) wegen diesen Witterungsumständen beim Trainieren die beste Kondition von allen.
 
 
 
 
 
... und heute.
  Tja, das ist schon viele, viele Jahre her. Sowohl Tsubasa in der Serie als auch ich in der Realität waren Kinder. Und nun? Nun sind wir beide erwachsen - oder zumindest Anfang 20 :-P In "Super Kickers 2006" gilt Tsubasa jedenfalls schon längst als der beste Fußballer Japans und steht knapp vor der festen Aufstellung im Profiteam eines spanischen Erstliga-Spitzenclubs.

Bei so vielen Parallelen zwischen seinem virtuellen und meinem realen Leben liegt es natürlich nahe, dann auch selbst Bilanz zu ziehen. Tsubasa hat seinen Traum erreicht. Aber was ist aus meinen Träumen geworden? Ist mir immer noch wichtig, was mir als Kind so wichtig war?
 
 
 
Träume, keine Schäume
  Eine schwierige, aber sehr wichtige Frage, will ich meinen. Träume und Wünsche sind dem Menschen nun mal wichtig. Wichtiger denke ich, als vielen wahrscheinlich bewusst ist. Vielleicht sind sie im schnöden Alltag ja untergegangen oder man weiß noch gar nicht, was man genau will. Aber auch dann beeinflussen sie wichtige Entscheidungen und bestimmen, ob man mit dem Leben zufrieden ist, oder auch nicht. Der Traum von der persönlichen idealen Zukunft ist die Definition der eigenen Sehnsucht und im besten Fall der Leitfaden des Handelns.

Ich rede hier von Träumen im allgemeinen Sinne, die für jeden von uns anders aussehen:

 
 
Tsubasa, ...
  Tsubasa wollte der weltbeste Fußballer werden. Er hatte stets ein klares Ziel vor Augen, das ihn bis zur Weltmeisterschaft mit der japanischen Nationalmannschaft brachte.
 
 
 
..., du ...
  Ihr Leser habt wahrscheinlich andere Ziele. Sei es nun die oberste Sprosse der Karriereleiter, die Perfektion des R-Rollens, eine Reise in ein Land mit wilden Tieren oder mit dem schärfsten Essen, das perfekte Liebesglück oder die Welt zu einem besseren Ort zu machen - jede/r hat ein Ziel und diese sind (Gott sei Dank) so unterschiedlich wie unser Charakter.
 
 
 
... und ich.
  Viele vergessen im Lauf der Zeit dieses Ziel. Ich für meinen Teil habe lange in einem unüberschaubaren Labyrinth der Zielsteckungen gesteckt: Zuerst hat mich naturnahes Forschen (von Dinosaurierskeletten bis hin zur Cousteau'schen Marineforschung) interessiert, dann packte mich die heftige Leidenschaft für Kunst. Und als ich am liebsten der kreative Künstler werden wollte, spielte mir meine der Naturwissenschaft zugeneigten Seite in Form von "Vernunft" einen Streich und verleitete mich zum Technikstudium, das mir am Arbeitsmarkt wohl bessere Chancen versprach, mich aber nach einiger Zeit einsehen ließ, dass ich nicht wirklich Lust habe, den Rest meines Lebens mit Computern zu verbringen.

Ich denke gar nicht daran, hier darüber zu jammern, dass ich nicht unbedingt das studiere, was mich am meisten interessiert. Es gehört einfach zu meinem Weg und ich habe durch Überdenken dieses letztendlich gemerkt, was mir wirklich am meisten bedeutet und die meiste Freude bereitet.

 
 
 
 
  So trivial eine Zeichentrickserie über das Thema Sport auch klingen mag und soviel sich seit der Kindheit auch verändert haben mag, aber mein Wiedersehen mit Tsubasa hat mir eine verdammt wichtige Frage gestellt. Nämlich jene Frage, die man sich an gewissen Punkten des Erwachsenwerdens stellen sollte.

OK, ich bin zwar noch lange nicht so weit wie mein zielstrebiger Profifußballer, aber wenigstens habe ich beim Gretel-haften Umherirren durch den Wald des Lebens endlich eine Lichtung gefunden, die mir eine klare Sicht auf die Sterne bietet. Und eigentlich sehen sie zum Greifen nah aus. Man muss nur Mut und Ehrgeiz haben und darf dabei das Lachen nicht verlieren. So wie mein guter alter Freund Tsubasa ...
 
 
 
Lange Rede, kurzer Sinn:
  "Es ist aber Naturgesetz, dass das Herz nicht ruht, bis es ans Ziel seiner Wünsche gelangt ist."
(Francesco Petrarca)

"Wenn Du ein glückliches Leben willst, verbinde es mit einem Ziel."
(Albert Einstein)

"Wer seine Ziele nicht an den Sternen festmacht, kommt nicht mal auf den Kirchturm."
(Patrick Swayze)

Diese Typen bringen es auf den Punkt, oder?
 
 
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