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Stockholm | 26.3.2006 | 13:54 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Ach, du heiliger Erasmus!
  AAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHH, FY FAAAAAAN!
Din jävla skithög, vad skit-braaaaaaaAAAAA!

Räusper. Ähm ...

Nein, keine Sorge! Bevor sich sprach-sensitive Erziehungsberechtigte und Sittenordner auf eure Computer stürzen und dort eine Kindersicherung zur Prävention von entblößten Geschlechtsteilen, propagierter politischer Inkorrektness und Fäkalien-verliebten Schimpfwörtern installieren, werde ich mich und meine Euphorie lieber im Zaum halten und zwei Gänge zurück auf freudig-aber-bedachte-Erzählweise schalten ;-)

("Fluchen" heißt auf Schwedisch übrigens "svära".)
 
 
 
Also, was ist hier los?
  Ich wurde endlich nominiert!

Anne Bancroft wurde für den Oscar nominiert.
Gustav wurde für den Amadeus Award nominiert.
Und Janis wurde für einen Erasmus-Studienplatz in Stockholm nominiert.

Okej, okej, die anderen Damen haben zweifellos mehr und Bedeutenderes geleistet und ihre Nominierungen waren gewiss auch viel spektakulärer als die meinige ... Aber trotzdem: Ich fühle mich gerade wie die schöne strahlende Königin, der die Welt zu Füßen liegt, und die Glückssau, die sich in ihrer freudigen Wonne suhlt, komprimiert in einem.
(Oh la la, wie in aller Welt komme ich eigentlich auf diese seltsame Kombination?)
 
 
 
 
 
  Und ich denke, das würde jeder/m von euch genauso gehen, wenn nach monatelangem Warten endlich die heiß ersehnte Antwort eintrifft. Wenn die Zeit des bangen Hoffnungen-Geringhaltens, um sich arge Enttäuschungen zu ersparen, endlich ein Ende gefunden hat. Eben dann, wenn Wünsche zu Gewissheit werden und endlich die wunderbare Vorfreude beginnen kann.

Ja und nachdem ich mich ohnehin schon mal als Heulsuse geoutet hab, kann ich an dieser Stelle ja auch ruhig zugeben, dass mir nach dem Nachrichtenschock durchaus ein paar Glückstränen über die Wangen gelaufen sind. Tja, Stockholm ist für mich einfach jener Ort, wo ich mich am wohlsten fühle, sozusagen mein wonniges Wahl-Zuhause, die Stadt, die mir gut tut und mir das aufregende Gefühl gibt, den Sternen und meinen Träumen ganz nah zu sein.
 
 
 
Erasmus - Theorie und Realität von Systemen
  Insofern bin ich nach all den Semestern voller Stundenplan-Strapazen, Prüfungsangst und Gruppenarbeitsfrust der Uni auch einmal extrem dankbar. Denn die Möglichkeit, finanziell und bürokratisch unterstützt das eigene Studium für eine gewisse Zeit ins Ausland oder, wenn man Glück hat, sogar in das Land seiner Träume verlegen zu können, ist eine wahrlich großartige Sache, oder?

Nun, von der Theorie her ist das alles ja astrein. Doch wie immer gibt es dort, wo Licht ist, stets auch Schatten. Beim Erasmus-Stipendium besteht dieser wohl hauptsächlich aus Papier und emotionaler Belastung. Im Klartext also aus einer Unmenge an Bürokratie und einer verwirrenden Menge an beteiligten Stellen, Personen, Informationen, Verfahren und Fristen. Der Weg von der Idee, im Ausland zu studieren, zur tatsächlichen physischen Anwesenheit an der gewählten Gast-Uni ist lang und oftmals steinig.

 
 
  Nach dem Bewerbungsentschluss im September, dem ersten Informieren beim Erasmus-Büro im Oktober, dem Abwarten auf den neuen Bewerbungszyklus von November bis Dezember, der Sicherheit, bestens informiert zu sein, zu Jahresbeginn, dem ersten Konsultieren des Koordinators für meinen Studiengang, der mir dann aber sein eigenes Auswahlverfahren vorsetzte, und dem notgedrungenen Termine-Umplanen im Januar, dem Bewerbungsschreiben Anfang Februar, dem neuerlichen Warten auf die endgültige (und sehr verspätete) Auswahl durch den Koordinator und der erfreulichen Nachricht im März, folgten Stunden des befreiten Jubels und des unbefangenen Tagträumens. Ich sah schon genau vor mir, was mich alles im Norden erwarten würde ... Mmmmmh! :-)
 
 
 
Stockholm ... Seufz!
 
 
  Aber schon wenig später beschlich mich doch wieder etwas Furcht. Denn im Grunde ist noch gar nichts fix! Erstmal müssen ein Haufen Formulare ausgefüllt und gewisse systemtechnische Schritte absolviert werden, wobei sich mir als erstmaliger Antragsstellerin immer wieder neue Fragen stellen, auf die ich nur schwer Antworten finde. Auch wenn man die Webseiten von Erasmus-Büro, Gast-Universität und deren Lehrveranstaltungskatalog schon in- und auswendig kennt und die zuständigen Personen ständig mit E-Mails und Besuchen nervt, so werfen die gefunden Antworten meist viel komplexere neue Fragen auf.

Plötzlich wird aus dem Lasten-Abwurf wieder eine schwere bürokratische Fessel. Und im Labyrinth der Informationen bekommt man schnell Angst, etwas Wichtiges zu übersehen oder zu vergessen. Vielleicht ja eine Frist ... Und dann wäre es schon passiert. Er wäre wieder aus, der süße Traum ...
 
 
 
  Na, na, na! Wollen wir den Teufel mal nicht auf die Wand malen. Am besten einfach die Sinne schärfen, alle Infos und Fristen sofort aufschreiben und das ganze von der optimistischen und leicht naiven Seite sehen. Wer diesen Ritt durch den düsteren Bürokratie-Wald übersteht, der überlebt sicherlich auch ein halbes oder ganzes Jahr im Ausland. Wahrscheinlich machen die das extra. Alles nur uns zu Liebe und zu unserem Besten ;-)
 
 
 
Nun denn und in diesem Sinne:
  All denjenigen, die denselben Formularweg wie ich jetzt vor sich haben, meine Gratulation zur Nominierung und viel Geduld und Glück beim Stellen der Anträge!
 
 
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