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Stockholm | 1.6.2006 | 16:15 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Das Eurodance-Trauma
  Wer von euch Twenty-somethings traut sich hier offen zuzugeben, was ihr in den 90er Jahren gehört habt? Ich könnte hier zwar schon einige Namen fallen lassen ... aber wohl kaum ohne eine merkliche Schamesröte im Antlitz.
 
 
 
 
 
  Tja, die Geschmacksverirrungen in den oberflächlichen Bumm-Bumm-Bumm-Pop mit einfachst gestrickten Melodien und noch simpleren Texten hängen schließlich immer noch über manchen wie der dunkle Schatten einer peinlichen Jugendsünde, die unter keinen Umständen ans Licht der Öffentlichkeit gelangen darf.

Auch wenn man einst mit stolz geschwellter Brust "All That She Wants" von Ace of Base als Lieblingssong in Freundschaftsbücher eintrug und man so wie alle anderen zum "Coco Jamboo" von Mr. President tanzte, so sind diese Zeiten seit Jahren ein absolutes Tabu. Man spricht nicht mehr über Eurodance. Und vor allem hört man so was nicht.
 
 
 
vor dem Eurodance-Trauma:
Ace of Base
© aceofbase.com
 
 
Therapiert durch Wiederholungstat
  Auch in Schweden ist das so genannte "Eurodance-Trauma" bekannt. Kein Wunder, schließlich war eben dieses skandinavische Land mit Künstlern wie Dr.Alban, Ace of Base und Consorten einer der Hauptproduzenten.

Aber nach einem Jahr harter Arbeit dürfte nun endgültig Schluss mit der Seicht-Techno-Furcht sein. Die schwedische Indie-Szene hat sich selbst therapiert! Als Betrachter von Außen möchte man fast meinen, dass hier die Vorschlagshammertechnik angewandt wurde. Um die Angst zu besiegen, blickt man ihr direkt ins Auge - und wird dabei zum Wiederholungstäter. Allerdings schmecken/klingen die geernteten Früchte richtig gut.

Seit einigen Monaten schießen in Stockholm und Göteborg elektronisch angehauchte IndiePop-Künstler wie die Pilze aus dem Boden: The Embassy, Le Sport, Kalle J, Nicolas Makelberge, Three Is A Crowd, Cat5, Otur, The Lightbulb Project, Compute und Mr Suitcase sind nur einige Namen dieser Bewegung, die sich klanglich dem Eurodance gefährlich annähern und genau damit den Schweiß auf den Dancefloors wieder in Strömen fließen lässt.
 
 
 
nach dem Eurodance-Trauma:
Cat5
© Marcus Kilebrant
 
 
Firefox AK
  Eine Galionsfigur dieses neuen schwedischen Indiepops nennt sich Firefox AK. So bombastisch und großkotzig dieser Titel auch klingt, so steckt hinter diesem Namen jedoch nur eine zierliche und bescheidene junge Frau.

Andrea Kellerman mit bürgerlichem Namen, verheiratet und kaum größer als 1 Meter 60, verdient sie sich ihre Brötchen als Kellnerin in einem Stockholmer Café. Kurzhaarschnitt, eine dezente Menge an Make-Up, schlichte aber stilsichere Keidung ... Eine auffällige Aus-der-Reihe-Tänzerin ist sie somit auch nicht gerade. Aber genau sie war es, liebe LeserInnen, die vor Jahren wie eine heldenhafte Pionierin die Bühne bestieg und den Orientierungswechsel innerhalb der schwedischen Indieszene mitprägte.
 
 
 
Andrea Kellerman a.k.a. Firefox AK
 
 
  Ganz allein und lediglich mit einer Gitarre und einem MP3-Player bewaffnet, spielte sie sich im Nu mit ihren luftigleicht klingenden Elektropopsongs in die Herzen des Publikums. (Seitdem nenne ich besagten Neo-Eurodance auch ganz gerne "iPop"!) Zuerst in Stockholm, dann im restlichen Schweden und anschließend auch an ausgewählten europäischen Orten. So fleißig wie sie tourt lediglich ihr Ehemann Rasmus mit Tiger Lou.
 
 
 
Madame, Madame!
  Nach einer Debüt-EP, von der es Titelsong "What's That Sound?" sofort ins schwedische Radio und Musikfernsehen schaffte, wechselte Andrea zum Razzia Record Label. Anfang dieses Jahres erschien dann prompt das erste Album: "Madame, Madame!", ein sonnig gelber Pop-Traum mit 10 bezirzenden iPop-Hymnen mit halbschattigen Gedankenepisoden aus dem Alltag einer selbstbewussten Frau.

 
 
 
 
  Im Text: Tot-Reden von schönen Momenten, ständige Wiederholungen auf Tour, der Glaube an die eigenen Träume und die Magie eines Aufeinandertreffens.
Ironie und Bewunderung.
Liebe und Leiden.
Beauty and the Geek.

Im Klang: Gameboy-Fiepen, elektronische Beatmachines, Synthie-Atmen, etwas Gitarre und Bass und Andreas klare Stimme obendrauf.
Harte Beats und sanfte Tunes.
Raue Elektronik und glatter Pop.
Beauty and the Geek.
 
 
 
© www.pellef.se
 
 
City to City
  Seitdem das Kapitel Debüt-Album abgeschlossen ist, ist Andrea nun wieder auf Tour. Mittlerweile sogar in Begleitung einer Dame am Synthesizer und eines Herrn am Bass. Denn als Band macht das Ganze halt doch ein bisschen mehr Spaß. Und nach England und Deutschland schaut sie endlich auch mal wieder bei uns vorbei:

Am 3. Juni bestreitet Firefox AK zusammen mit dem großartigen Tiger Lou ihr einziges Konzert in Österreich. Zu hören und genießen ist der schwedische Leckerbissen-Abend im Kino Ebensee. Meine unverbindliche Empfehlung für all jene, die auch schon ihr Eurodance-Trauma verarbeitet haben!
 
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  Offizielle Website von Firefox AK

Firefox AK bei Myspace

Kino Ebensee
   
 
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