fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Stockholm | 30.5.2006 | 01:15 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
The Popaganda Vision
  Wie Stockholms größtes Studentenfest, nämlich das Popaganda Festival, klingt, darum ging es ja in meinem letzten Artikel. Aber wie das ganze fröhliche Live-Musik-Treiben dieses Jahr aussah, das hab ich euch bisher noch vorenthalten.

Bis jetzt. Denn hier kommt nun eine Schnappschuss-Fotosammlung mit meinen liebsten Popaganda-Momenten 2006. Sozusagen exklusiv für die werte FM4-Leserschaft.
 
 
 
Popaganda, die frühlingshafte Indiepop-Musikverführung zwischen blühenden Kirschbäumen?
 
 
Ja, absolut!
  Ein Line-Up, das sich mit allen Ostseewassern gewaschen hat, und gratis Eintritt - Popaganda wirkt! Das haben meine Freundin Doris und ich in den letzten Tagen in Stockholm gemerkt, als wir umringt von Scharen von adrett gestylten und musikbegeisterten Schweden Richtung Universität marschierten. Ein riesiges Förfest im Umkreis von 300 Metern rund um das große Fest auf 4 Bühnen.
 
 
 
Hautenge Jeans zur schicken Lederjacke oder ein auffälliger Minirock in Kombination mit Gummistiefeln. Die Stockholmer Stadt-Festivaler machen auch den leicht matschigen Platz vor der Bühne zum modischen Laufsteg.
 
 
Was Stil anbelangt, sind wir "österrikiskana" den "svenskarna" aber nicht nachgestanden. Zumindest war unser Taxi eine schicke Limousine.
 
 
  Die liebe Doris kenne ich übrigens aus dem Schwedischkurs. Dort sitzt sie tapfer jeden Montag Morgen und Donnerstag Abend neben mir, und zusammen lachen wir dann über die ulkigen neuen "Abenteuer" von Per und Pernilla. Oder so ähnlich.

Als ich ihr vor einigen Wochen dann von meinen Popaganda-Plänen erzählt habe, war sie sofort Feuer und Flamme, und wenig später stand fest, dass sie mich begleiten wird. Super!
 
 
 
Ja, was wäre ein Festival ohne gute Freunde, mit denen man die Live-Musik genießen und diskutieren kann? Abgesehen von Doris aus Wien haben mir Marcus aus Malmö und Robin aus Stockholm beste Gesellschaft geleistet.
 
 
  Robin ist übrigens Kopf/Hand des feinen Labels phonetique und mittlerweile so etwas wie mein "großer Bruder" in Stockholm. Er hat sich ganz dem schwedischen Elektropop verschrieben, und zusammen haben wir schon einige Male als DJ aufgelegt.
Unser Teamname: "Stefans Freunde".
Unsere Lieblingslocation: Allhuset, die auch Indoor-Bühne beim Popaganda war.
 
 
 
Robins Lieblingskonzert: Mr Suitcase im Allhuset. Hier übrigens mit Johan Tuvesson (Nicolas Makelberge) als gesangliche Stütze und zum ersten Mal ohne Smiley-Maske in der Öffentlichkeit zu sehen.
 
 
  Und Robins treffende Beschreibung vom Publikum: "Either you're over 18 or a monkey!" Eintritt gab es wie gesagt nicht, aber eine Altersgrenze. Diese wurde auch sehr ernst genommen. Zaunbezwinger wurden gnadenlos von den Securities gejagt.
 
 
 
18 oder Affe?
 
 
  Soviel mal zu den Leuten, aber was ist denn nun mit dem Wichtigsten bei einem Musikfestival, den Konzerten?
 
 
 
Der Festivalauftakt auf der Stora Scen (großen Bühne) wurde in die 50 Hände von I'm From Barcelona gelegt.
 
 
Stora
  I'm From Barcelona nennt sich Emanuel Lundgrens Musikprojekt, in das er möglichst alle seine Freunde involviert. Das Resultat ist dann eine über-25-köpfige Band, die nicht nur die Bühne füllt, sondern auch ordentlich Bewegung in die Auftritte bringt.


Das schwedische Publikum war zwar teilweise etwas skeptisch ("Jaja, die wollen doch nur alle umsonst Backstage-Bier saufen! Außerdem finde ich diese Happy-Peppy-Masche gar nicht komisch!"), aber uns hat es schon sehr gut gefallen. Soviel Second-Hand-Mode auf einem Haufen bekommt man schließlich nicht alle Tage zu sehen.

Und was das Album angeht, sind ja eh wieder alle einer Meinung: "Let Me Introduce You To My Friends" gehört definitiv zum Soundtrack dieses Sommers.

 Emanuel Lundgren liebt Plastikblumen, Konfetti-Feuerwerk und liebliche Popsongs.
 
 
"Please press my rec and play
'cause I want to save this moment
This will be my favourite song
This will be my favourite album"
 
 
  Sonst spielten auf der großen Bühne mehr oder weniger aufregende Namen wie Andreas Mattsson, Frida Hyvönen, David & the Citizens und Henrik Berggren.

(Die Concretes mussten ja auf Grund der Erkrankung von Sängerin Victoria Bergsman kurzfristig absagen. Stattdessen trat Josh Ritter aus den Vereinigten Staaten auf.)

Außerdem wurden auch verschiedene Versionen von Damen mit Gitarren gezeigt:
 
 
 
Jenny Wilson
 
 
Hello Saferide
 
 
Und auch die Shout Out Louds haben es beim Popaganda auf die große Bühne geschafft. Vor heimischem Publikum doch deutlich aufgeweckter als vor ein paar Wochen beim Grav1ty-Festival in Wien, wurden neben den ganzen altbekannten Hits wie "The Comeback" und "Please Please Please" auch etliche neue Nummern präsentiert. Mein persönliches Urteil: Klang vielversprechend! Da darf man schon auf die anstehende Darbietung beim Forestglade Festival in Wiesen gespannt sein.
 
 
Lilla
  Wo es eine große Bühne gibt, gibt es natürlich auch eine kleine Bühne. Heuer bespielt von den internationalen Gästen ...
 
 
 
Neben all den schwedischen Künstlern spielte zum Beispiel auch Final Fantasy aus Kanada auf ...
 
 
... und er hat schicke Stiefel!
 
 
New Young Pony Club aus London ist uns Wienern ebenfalls vom Grav1ty bekannt. Wie man sieht, finden diese Schweden richtig super. "Absolut Svensk", steht da jedenfalls auf dem T-Shirt.
 
 
  ... und den halb-heimlichen Helden der schwedischen Electropop-Szene.
 
 
 
Unarmed Enemies aus Stockholm haben sich seit einiger Zeit mit ihren überaus tanzbaren Remixes ins örtliche Gespräch/Gehör gebracht. Seit dem Popaganda könnte es vielleicht auch ihr unermüdliches Tanzskellett sein. Für wahr ein unterhaltsames Unterhaltungssahnehäubchen!
 
 
Absolutes Highlight auf der kleinen Bühne waren aber unbestritten The Embassy, sozusagen die schwedischen Pet Shop Boys.
 
 
Allhuset
  Am schönsten für Szenekenner, Neugierige und Tanzmäuse war aber gewiss das Allhuset, wo fast ausschließlich noch nicht allzu bekannte Namen der schwedischen Indie-Szene auftraten.

Darunter auch mein absoluter Lieblingsact:
 
 
 
Zeigeist aus Göteborg.
 
 
  Zeigeist, diese Künstlergruppe ist wohl genauso geheimnisvoll wie ihr Name klingt. Seit Kollege Knoke sie vor wenigen Wochen in seinem Knife-Konzertreport erwähnt hatte, bin ich regelrecht süchtig nach ihrem wunderbaren Song "Tar Heart". Das Problem ist lediglich, dass es bisher weder einen Tonträgerrelease noch eine offizielle MP3-Download-Möglichkeit gibt.

Umso größer war meine Freude, als ich erfuhr, dass eben diese Phantome meiner geheimsten Electrobeatwünsche beim Popaganda auftreten würden. Absolut zu Recht! Ich weiß gar nicht mehr, was mir mehr Begeisterungsschauer über den Rücken jagte: Die extrem eingängigen Electropophymnen, die sich fernab von oberflächlicher Schubladenplattheit bewegen, oder die unglaubliche Performance-Energie inklusive Hirschmann-Visuals, imposanten Zopfperücken, goldenen Jacken, weißem Make-Up und Unmengen an Glitzerkonfetti.
 
 
 
Die aufregendste Begegnung mit Geistern, die ich je hatte ...
 
 
  Aber auch sonst hatte das Allhuset noch einige Namen zu bieten, denen man in Zukunft womöglich wiederbegegnen dürfte.
 
 
 
Kalle J, der circa 20-jährige Szene-Lausbub, hielt die Tanzfläche nicht nur mit seinem Lutscher in Atem, sondern auch mit Songs wie "Jävla Ungdomar" (so etwas wie "Verdammte Jugendliche"). Vielleicht hat Stockholm ja auch endlich eine Art Mozart-Wunderkind. OK, zugegeben ein bisschen spätreif...
 
 
Flow Flux Clan werden diese Wochen mit ihrem Cure-Cover "Fascination Street" wohl am häufigsten bei den Stockholmer Indie-Clubbings angespielt. Die weibliche/stimmliche Hälfte des besagten Duos nennt sich übrigens Actionbiker und sieht in blauen Nebel gehüllt aus wie aus einem romantischen französischen Film der 80er Jahre.
 
 
Und zu guter letzt noch die viel umjubelten Cat5 aus Göteborg, die extrem Retro-Eurodance-lastige Songs mit Texten wie "I'm too sexy for my Jeans" produzieren ...
 
 
... und dabei auch sehr gerne posen.
 
 
  Der werte Leser entschuldige bitte meine unendlichen Bilderfolgen und sehr persönlichen Kommentare zum Festival. Ich hätte natürlich ganz obergescheit Bandbios zitieren können, aber ist es denn in diesem Fall nicht schöner, einen Eindruck aus dem Blickwinkel der eigenen (Publikums-)Reihen zu bekommen? Und gerade beim Popaganda kann ich nur empfehlen, sich die Veranstaltung nächstes Jahr selbst zu Gemüte zu führen.
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick