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Stockholm | 30.7.2006 | 17:07 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
R.I.P. Lenny!
  "Das erste Auto im Leben vergisst man ebenso wenig wie die erste Frau."
- Stirling Moss, ehemaliger britischer Rennfahrer.
 
 
 
 
 
Oh Lenny!
  Ich war 21.
Du warst 14.
Und es war Liebe auf den ersten Blick.
Damals als ich dich für nur 600 Pinunzen in Großdietmanns feil geboten sah.

Es ging mir weder um deine PS noch um deine Herstellermarke. Und mich störten auch deine vielen kleinen Rostflecken nicht. Klein, aber fein - du warst einfach das richtige Auto zur richtigen Zeit am richtigen Ort ... und zudem auch noch ein Diesel.
 
 
 
  Ich nahm dich mit nach Hause, malte dir bunte Streifen und die kleine Raupe Nimmersatt auf die Seite, klebte dir einen NASA-Sticker auf den Tankdeckel und taufte dich auf den Namen Lenny. So wie Michael Einziger von Incubus im Kurzfilm "Paradise Spoiled". So wie diese Filmfigur hättest du irgendwer sein können. Beziehungsweise irgendein Auto. Aber nein, du warst mein Auto. Mein erstes Auto!

Du schenktest mir Unabhängigkeit von Bus und Bahn. Mit dir konnte ich Pferde stehlen. Wir fuhren gemeinsam zum Sziget-Festival und zum Bodensee Camp. Du zeigtest mir Ungarn und die Slowakei und unterwegs hörten wir uns meine liebsten Mixtapes an. Mit dir war der Horizont in greifbarer Nähe.

 
 
Adieu.
  Aber dann gab es Pannen: Lichtmaschine, Auspuff, Batterie. Plötzlich warst du alt und müde. Das Pickerl war zu teuer und ich musste an meine Zukunft in Schweden denken.
Würdest du denn diese 2200 Kilometer noch schaffen?
Würdest du im kalten Winter überhaupt noch anspringen?
War es wirklich Zeit Adieu zu sagen?

Leider ja.
 
 
 
 
 
  Auch wenn es mir nicht leicht fiel, aber ich musste loslassen.
Von dir. Und somit auch von einem Teil meiner Jugendideale.
Der Abschied schien mir wie ein weiterer Schritt ins Erwachsenenleben. Der adoleszente Traum von der unbeschränkten Mobilität durch Motorisierung war geplatzt. Schon längst waren mir steigende Spritpreise, Reparaturkosen und das ewige Parkplatzsuchen schmerzlich bewusst geworden. Ein Auto zu besitzen, bedeutet also nur eine (durch Kosten) limitierte Freiheit.
 
 
 
  Aber danke für alles, Lenny! Es war wirklich schön mit dir und ich werde dich sicher nie vergessen ...

... auch wenn Terry schon vor dem Haus geparkt steht und sehnsüchtig darauf wartet, mit meinen sieben Sachen beladen zu werden und mit mir nach Skandinavien durchzubrennen.

 
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