fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Stockholm | 27.8.2006 | 14:34 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
C'est la vie!
  Seit zwei Wochen nehme ich mir schon vor, zu webverbreiteten Bits'n'Bytes zu bringen, was es zu erzählen gab. Aber dann kam doch alles anders.
Meine erste Nacht in Stockholm.
Mein erstes Aufwachen in Stockholm.
Mein erster Einbruchschaden in Stockholm.

Irgendjemand hatte in der Västeråsgatan zwischen großkalibrigen Bonzenfahrzeugen Klein-Terry entdeckt, kurzerhand die Scheibe eingeschlagen und einen meiner Koffer mitgehen lassen. Ich wurde meiner Lieblingskleider beraubt. Und ihr um eine termingerechte Erzählung von Schwedens schönstem und gemütlichstem Musikfestival:
 
 
 
(c) Pär Kjellén
 
 
Emmaboda Festivalen
  Das Emmaboda Festival ist berühmt. Allerdings nur bei einem sehr kleinen erlesenen Kreis von schwedischen Musik- und Festivalliebhabern. Diese da sind vor allem die nachreifende Indiejugend aus Stockholm, Göteborg und Malmö zwischen 16 und 20, junggebliebene Emmaboda-Lovers zwischen 20 und 30 und last but not least die facettenreich aussgeprägten DIY-Engagierten (also Musiker, Labelgründer, Eventbooker, Fanzine-Herausgeber, Künstler, Aktivisten, Comiczeichner, Modedesigner und andere, die sich ohne jegliche Aussicht auf kommerziellen Erfolg mit Leib und Seele in ihre Aktivitäten hineinknien).

Für schwedische Verhältnisse ist Emmaboda gewiss ein sehr kleines Festival. Gerade mal 4.000 Besucher hat man heuer an der Kasse gezählt. Ja, sehr klein. Aber gerade auch deswegen sehr fein. Vielleicht sogar das feinste, was ganz Skandinavien zu bieten hat, wie mir etliche aphrodisierte Herzen weismachen wollten. Böse Zungen sind hingegen stumm. Zumindest habe ich keine einzige vernommen.

 
 
Band of Horses ... und ein bisschen Liebe
(c) Jill Meißner
 
 
Ein Programm zum Hinhören ...
  Nach den 3 Tagen Festival (+ Förfest) mitten im Herzen von Småland war zugegeben auch ich verliebt.

The Tiny, José Gonzalez, Chicks On Speed, Camera Obscura, Band Of Horses, The Pipettes, Darren Hayman, I'm From Barcelona, The Whitest Boy Alive, Taxi, Taxi!, Hets, The Bobby McGees, Detektivbyrån und so weiter und so fort. Altbekanntes und Neuinteressantes. Es spielte so ziemlich alles auf, was im anstehenden Jahr die alternative Musikszene dominieren wird.
 
 
 
The Pipettes
(c) Pär Kjellén
 
 
Camera Obscura
(c) Pär Kjellén
 
 
Chicks On Speed
(c) Pär Kjellén
 
 
  Die herausstechendste Tendenz heuer:
Indies machen Nerdmusik und Nerds machen Indierock.
 
 
 
links: The New Black
rechts: Unarmed Enemies
beides (c) Jill Meißner
 
 
  Emmaboda ist ein großes friedliches Fest mit einer großen kleinen Bühne im Skog (Wald) und einer kleinen großen auf der Äng (Wiese). Mit schönen und interessanten Leuten, so weit das Auge reicht. Mit Frukostpop (Frühstückspop) und Smålandsrullen för middag (die Smålandrolle zum Abendessen). Als ein tanzender Teil der großen famijen (Familie, aber auch einer von Schwedens zurzeit erfolgreichsten DJs).
 
 
 
Frukostpop
(c) Jill Meißner
 
 
Smålandsrulle, die gesündeste und schmackhafteste Version von vegetarischem Festivalfastfood.
(c) Pär Kjellén
 
 
... und 4000 Leute zum Verlieben.
  Noch nie war es so schwer, Besucher und Künstler auseinander zu halten.

Snygg (hübsch) sind sie alle, und Backstagebereich gab es ja keinen. Nach den Konzerten stößt das Publikum mit den Musikern an der Bar oder vor dem Zelt an.

Im Gegensatz zu allen anderen Festivals, die ich kenne, durfte man beim Emmaboda auch Bierdosen und alle anderen nicht in Glasflaschen abgefüllten Getränke mit aufs Gelände nehmen.

 (c) Pär Kjellén
 
 
(c) Pär Kjellén
 
 
  Beim Emmaboda sitzt das beinfaule Publikum auf Perserteppichen statt Mülltüten und man sieht Mädchen mit Glätteisen durch den Wald laufen.

Die Container-Plumpsklos sind standardmäßig mit großformatigen Spiegeln und elektrischem Licht ausgerüstet.

Die Herren tragen gut sitzende Anzüge und die Damen schwarze Kleider mit weißen Punkten und einen hochsitzenden knallroten Gürtel. Oder hautenge Röhrenhosen (manche nennen sie auch "Heroinhosen"). Unterhosen sieht man daher trotz Baggypants-Tabu auch hier en masse.

 (c) Pär Kjellén
 
 
(c) Jill Meißner
 
 
(c) Jill Meißner
 
 
  Und wenn ein Indie in einem der nahe gelegenen Badeseen schwimmen geht, dann sieht es so aus: Eng anliegende schwarze Badehose, weißer kokett um den Hals gewundener Kashmirschal, top(pen) gestylte Frisur.

Ja, Festivalalltagsszenen beim Emmaboda: Stil und Waldidylle, friedlich vereint unter einem Hut.
 
 
 
(c) Jill Meißner

Allerbesten Dank nochmal an Jill und Pär für ihre tollen Fotos!!!
fm4 links
  Emmaboda Festivalen
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick