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Stockholm | 15.9.2006 | 18:41 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Valets kvalet
  Die Wahl - nicht nur in Österreich Thema Nummer eins, sondern auch in Schweden.

Hier ist es allerdings schon am 17. September 2006 soweit. Diesen Sonntag also. Es gilt dann, die Parlamentsvertreter im Riksdag (Reichstag) zu wählen, aber gleichzeitig auch Stimmen auf Kommunal- und Provinzialebene abzugeben.

Demokratie ist für die politisch interessierten SchwedInnen natürlich kein Pappenstiel. Beziehungsweise "Det går inte av för hackor", wie sie wohl eher sagen würden. Und insofern ist es wohl nicht verwunderlich, dass man im Stockholmer Alltag kaum völlig unwissend an dem bunten Wahlwerbungsmeer vorbeikommt.
 
 
 
Der Marsch über Bergshamras Zentrumsplatz hin zur U-Bahn gestaltet sich von Tag zu Tag mehr zum Spießrutenlauf zwischen Wahlplakaten. Gestern waren es noch 10. Heute sind es 20.
 
 
Erreicht man die Rolltreppe der Tunnelbanestation (U-Bahn-Station), so wird man von Wahlkandidaten freundlich von der Seite angelächelt. Fertigpastasoßen und Kaufhausmode haben erst einmal (Werbe-)Pause.
 
 
Ab und zu trifft man auch auf engagierte Rednerinnen, die mal mehr, mal weniger interessierten Passanten erklären, wofür sie sich einsetzen.
 
 
  Derzeit sind die 7 größten Parteien im Riksdag vertreten. Nämlich:
Socialdemokraterna, Vänsterpartiet (die Linkspartei), Miljöpartiet (die Umweltpartei), Moderaterna, Folkspartiet, Centerpartiet und Kristdemokraterna.

Grob lassen sie sich in einen sozialistischen und einen bürgerlichen Block einteilen und nicht selten haben alle 7 ungefähr dieselbe Meinung zu den diskutierten Themen.

Die bisher stimmenstärkste Partei sind die Socialdemokraterna. Seit Mitte der 1930er waren sie - mit 3 Ausnahmen - an der schwedischen Regierung beteiligt und haben den Statsministerposten besetzt.
 
 
 
Die bürgerliche Folkspartiet (links) druckt "Die Nachrichten der Zukunft": "Ruhe und Frieden in der Schule! Die Betragensnote erzielt das gewünschte Ergebnis"

Die Socialdemokraterna (rechts) setzen hingegen auf das einzelne, mächtige Wort "Ja!". Hier zum Beispiel im Zusammenhang mit gratis Vorschulen.
 
 
Eine der Sozialdemokratinnen aus meinem Stadtteil Solna setzt sich das Ziel: "Solna wieder am kinderfreundlichsten zu machen."

Sehr passend zu der Folkspartiet-Schlagzeile: "Stockholm ist wieder am saubersten auf der Welt! Reinigung und Durchgreifen gegen Graffiti erzielen das gewünschte Ergebnis"
 
 
Links noch einmal die Schlagzeilen der Zukunft aus der Feder der Folkspartiet: "Endlich! Schwedischer Nobelpreisträger! Bemühungen um Forschung erzielen das gewünschte Ergebnis"

Rechts die Neuen Moderaten: "Sicherheit, Verantwortung, Wissen, Vielfalt und Unternehmungsgeist."
 
 
Im schwedischen Wahlkampf machen sich manche Reichstagsparteien deutlich verständlich, ...
 
 
... und manche überhaupt nicht. Wie zum Beispiel die Centerpartiet mit ihren Schlagwörtern "Zuwachskraft" und "Scherereienfrei".
 
 
  Die Qual der Wahl, wem man denn letztendlich ein Kreuzchen auf dem Stimmzettel schenken soll, lastet den SchwedInnen ebenso schwer auf den Schultern wie in Österreich. Mindestens. Denn abgesehen von den 7 großen Parteien gibt es auch noch eine Menge kleiner, die mit ihren teilweise sehr spezifischen Wahlthemen den Wahlkampf noch zusätzlich anheizen.

Die Kalle Anka Partiet (Donald Duck Partei) mal ausgenommen. Mit ihrem einzigen Ziel "Freibier für alle!" erreichen sie seit etwa zwei Jahrzehnten stets nur eine Handvoll Stimmen.
 
 
 
Ernster zu nehmen sind da wohl die Feministiskt Initiativ (links) und die Junilistan (rechts).

FI: "Das schwedische Militär bekommt viel Geld, um Männern das Kämpfen/Schlagen beizubringen. Da bleibt kein Geld fürs Schützen geschlagener Frauen übrig."

Junilistan: "Ja zu einem selbstständigen Schweden. Nein zur EU-Bürokratie."
 
 
Die Piratpartei bewirbt sich hauptsächlich im Internet, aber ab und zu findet man auch mal eine schlichte S/W-Kopie: "Wir denken, dass deine Gesundheit wichtiger ist als Patente auf Arzneimittel. Was denkst du?"

Die Reichtagspartei mit den spezifischsten Wahlanliegen ist wohl die Miljöpartei (Umweltpartei): "Ich bin nicht von Öl abhängig. Ich kann jederzeit aufhören. Oder?"
 
 
Und noch einmal eine Politikversion von "David gegen Goliath", allerdings friedlich vereint auf einer Verkehrsinsel in Vasastan:
Zwei Wahlkandidaten auf Kommunalebene.
Ein Mitglied einer kleinen Außenseiterpartei und ein promineneter Vertreter für die größte Partei Schwedens.
Der Nationaldemokrat Per Edqvist ("Schwedische Traditionen bewahren!") und Jan Emanuel, der Gewinner der schwedischen "Expedition Robinson" sowie Kandidat für die Sozialdemokraten ("Vereinfachte Unternehmungslust - gut für alle!")
 
 
  Wie die Wahlen in Schweden ausgehen werden, ist natürlich noch ungewiss. Meinungsforschern zufolge, bleiben die Socialdemokraterna weiterhin die stimmenstärkste Partei. Auch wenn der Abstand zu den Neuen Moderaten immer kleiner zu werden scheint. Für absolute Gewissheit müssen wir uns allerdings noch bis zum Sonntag gedulden.
 
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