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Stockholm | 2.8.2007 | 14:09 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Läget är allvarligt ...
  (Fotos von Pär Kjellén)

Letzte Woche lag ich auf einer Wiese mitten in Småland, ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen und genoss die Ruhe vor dem Sturm mit ein bisschen Bulgakov-Lektüre. Da stieß ich plötzlich auf die nüchterne Zeile:
"Läget är allvarligt men långt ifrån hopplöst."
(Die Lage ist ernst, aber fern von hoffnungslos.)

Ich legte das Buch kurz beiseite, blickte um mich herum und sah Wohnwägen, Zelte und ihre müde wirkenden Bewohner. Überall lagen Bierdosen und andere Überreste des beschwingten Vorabends.
 
 
 
 
 
  Und als ich so die südschwedische Vormittagsidylle begutachtete, wurde mir klar, dass Bulgakov den Nagel genau auf dem Kopf traf. Es war der zweite Tag des Emmaboda Festivals 2007, ich befand mich auf dem Wohnwagencampingplatz, und die Veranstalter hatten kurz vor Festivalbeginn verlautbart, dass dies ihr letztes Indie-Festival sein würde.

Ja, die Lage war ernst ... aber fern von hoffnungslos, denn nun galt es wirklich das Beste aus den letzten 3 1/2 Indieboda-Tagen (also Aufwärmfest am Vorabend plus drei offizielle Festivaltage) zu machen.
 
 
 
 
 
Nichts leichter als das!
  Was könnte im Sommer wohl feiner sein, als umringt von schönen glücklichen Menschen auf einer Wiese mitten im Wald zu sitzen, etwas Bier zu trinken und sich von wohligen Musikklängen von noch mehr oder weniger unbekannten, aber allesamt großartigen Künstlern bezirzen zu lassen?

Das Emmaboda Festival ist ja schließlich bekannt dafür, eher die kleinen interessanten Gruppen als die richtig großen Acts zu buchen. Also Hoffnungsträger und Tagträumer anstelle von alten Hasen und Profikünstlern. Die wenigen Ausnahmen waren heuer wohl nur Dinosaur Jr, Of Montreal und die Shout Out Louds. Ansonsten standen eher Kleinkaliberdelikatessen wie die Salty Pirates, You/Me und Familjen auf dem Dreitagesmenü.
 
 
 
Dinosaur Jr
 
 
Shout Out Louds
 
 
  Kurzum, Emmaboda lockt traditionell mit einem Programm, dessen Charme auf seiner geschmackvollen Vielfalt aufbaut. Zum Frühstück gibt es zum Knäckebrot mit Käse aus der Tube schon ein bisschen Frukostpop (Auf der Bühne standen unter anderem Hari and Aino und die Tupelo Honeys), zu Mittag Siesta-begleitend ein Akkustikset vorm Nachbarwohnwagen (Almedal und Kristian Antilla) und ab dem Nachmittagssnack jede Menge Action auf den beiden Hauptbühnen, die da bezeichnend Ängen (die Wiese) und Skogen (der Wald) heißen:

Süßer LoFiPop à la Band in Box und Utah Rangers, kräftiges Gitarrengeschrammel von Audionom/1999 und Oholics für härter Gesottene, energetischer HipHop verkörpert durch Las Palmas und den strahlenden CK, kunstvoller Noise filtriert von Xiu Xiu und Spiritualized - Acoustic Main Lines, fröhlicher PlipPlop eingedaddelt von Archie Bell sowie auch deutsche Synth-Inszenationen von Welle:Erdball, japanischer Kostümball von Ex-Girl und englischer Girlpunk von den quirligen Look Look (Dancing Boys).

 Wohnwagenkonzert von Almedal
 
 
Almedal auf der Ängen-Bühne
 
 
Detektivbyrån
 
 
CK
 
 
  Die besagte Stilvielfalt spiegelte sich natürlich auch heuer wieder in einer beinahe unglaublichen Artenvielfalt unter dem gut 4000-köpfigen Publikum wieder. Es knutschten perfekt-gestylte Trendsetter mit verlotterten Punks und dickbrillige Nörds hielten Händchen mit Rockikonen.

Der Altersdurchschnitt der Besucher lag wohl in etwa bei 17 Jahren, doch mischten sich auch etliche Erwachsene und Kinder unter das Volk. Beachtlich ist zudem, dass Emmabodas Ruf mittlerweile schon längst die schwedischen Grenzen überschritten hat - wie eine sympathische unüberseh-/hörbare Menge ausländischer Gäste aus Deutschland, England und Italien bestätigten.

 
 
 
 
... men långt ifrån hopplöst.
  Aber wie nunmal der Lauf der Welt so ist: Alles Schöne muss irgendwann ein Ende haben. Und so auch das Emmaboda Festival. Leider. Abschied nehmen fällt natürlich schwer. Aber solange gute Musik nicht ausstirbt (und davon sind wir ja gottseidank weit entfernt), wird es auch andere nette kleinformatige Festivalzusammenkünfte nach unserem Geschmack geben. Sie mögen zwar nicht Emmaboda heißen, aber vielleicht ja Rip it Up! oder Gagnef.

Lang lebe der Indieboda-Gedanke!
 
 
 
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  Offizielle Website des Festivals
(auf schwedisch und englisch)

Mehr Emmaboda-Fotos von Pär Kjellén

Emmaboda-Bericht vom Vorjahr
   
 
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