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Stockholm | 13.8.2007 | 00:01 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Die Sziget-Überlebensregeln
  Atemprobleme in einer Staubwolke beim Manu Chao-Konzert, Sonnenstichgefahr beim Tanzen zu Kaizers Orchestra und total durchnässt vom Platzregen bei Gentlemen & The Far East Band - so klingt in etwa die Kurzfassung des aktuellen Lageberichts von der Programmbombe namens Sziget Festival.
 
 
 
Zuerst sengende Sonne, ...
 
 
... dann strömender Regen, und nun regiert der Schlamm.
 
 
  Ungarns zwischen Extremen pendelndes Kontinentalwetter stellt die Festivalbesucher ordentlich auf die Probe. Jaja, wir sind jung, nicht aus Zucker und können schlafen, wenn wir alt sind. Schon klar! Aber eine ganze Woche draußen in Ungarns sommerlichem Staub-und-Sonne-Kombipack, das geht schon ans Eingmachte. Oder zumindest an die letzten Energiereserven.
 
 
 
 
 
  Wie die rund 400.000 Festivalbesucher mit bester Laune trotzdem versuchen, die Programmbombe aus Musik, Theater, Tanz, Kunst und anderer Unterhaltung 7 1/2 Tage lang auf der Budapester Donauinsel zu verdauen, ist beeindruckend.

Im Folgenden seien nun die wichtigsten Regeln zur Überlebenssicherung zusammengefasst:
 
 
 
Die richtige Grundausrüstung
  Jedes Festivalglück beginnt mit der adäquaten Ausrüstung: Ein wasserdichtes Zelt, ein kuscheliger Schlafsack, eine Rolle Klopapier, Regenschutz und Sonnencreme sind wohl das Top 5 Basisequipment.
 
 
 
Diese junge Dame hat bei einem der nächtlichen Unwetter ihr Zelt verloren und trägt nun stets all ihre verbliebenen Habseligkeiten mit sich herum. Schön zu sehen, dass sie zumindest ihre gute Laune bewahrt hat.
 
 
Ich persönlich gönne mir gerne noch etwas Extraluxus in Form eines Fächers, eines Kopfkissens und von Gummistiefeln. Andere setzen ihre Prioritäten allerdings lieber auf ein schickes Festivaloutfit oder eine individuelle Wochenfrisur.
 
 
Du musst doch ordentlich essen, Kind!
  Manche Glückspilze schaffen es eine ganze Woche lang, ausschließlich von Luft und Liebe zu leben. Allen anderen sei jedoch geraten, auf die weisen mütterlichen Worte "Kind, du musst doch ordentlich essen!" zu hören.
 
 
 
 
 
  Die unzähligen Stände bieten den Inselbewohnern eine breitgefächerte kulinarische Auswahl an, sodass kein Geschmack zu kurz kommen sollte: ofenfrische Backwaren zum Frühstuck, Gulasch und Grillplatte für den deftigen Hunger, Pizza, Kebab, Pommes und selbstverständlich der original ungarische Langos für den Fast Food Gusto, vegetarische Speisen in der Bio-Oase als Alternative, Obst, gekochte Maiskolben und Milchprodukte als kleinen Snack zwischendurch und welche Leckereien ich nun auch immer vergessen haben mag.
 
 
 
 
 
  Wer die Sziget-Preise mittlerweile zu teuer findet, der kann natürlich auch das Gelände kurz verlassen und sich auf eine Expedition zum nächsten Supermarkt - Verzeihung! - Hypermarkt begeben. (Ich persönlich finde allerdings, dass zum Beispiel 320 Forint - also ungefähr 1 Euro 35 Cent - für ein Bier durchaus fair sind.)
 
 
 
Sport gegen Mord
  Sport ist Mord? Keinesfalls beim Sziget! Ausdauer fürs Nächte-Durchtanzen will trainiert sein. Eine schicke Bikinifigur lässt keine überschüssigen Schlemmerkalorien an Hüften, Schenkeln und Po zu. Manchem mögen die stundenlangen Spaziergänge auf den unzähligen Wegen und Pfäden genug Bewegung sein - hyperaktive Gemüter brauchen aber noch zusätzlich etwas, um Dampf ablassen zu können. Aber bitte keine menschlichen Boxsäcke und kein Live-Schlammcatchen vor den Bühnen! Stattdessen kann man ja im Freibad schwimmen gehen, mit Straßenartisten jonglieren oder am späten Abend noch eine Runde Volkstanz einschieben.
 
 
 
Das Sziget-Freibad
 
 
 
 
Ruhe und Frieden
  Zur heißen Siestazeit gilt aber getrost Eile mit Weile, denn die tägliche Regeneration in der Ruhe vor dem Sturm soll ernst genommen und mit Sorgfalt gepflegt werden. Nach dürftigem Schlaf zwischen 7 Uhr, wenn einem die Füße vom vielen Tanzen fast abfallen wollen, und 11 Uhr, wenn die erbarmungslose Sonne das Zelt auf unerträgliche Temperaturen erhitzt und das Gehirn auszutrocknen droht, empfiehlt sich also gemütliches (Nach)Mittagschillen.
 
 
 
Zum Beispiel ein bisschen abhängen auf Hängematten im schattigen Wald.
 
 
  Diese kostbaren Ruhestunden am Nachmittag lassen sich übrigens auch wunderbar mit einer literarischen Lesung, etwas Theater oder einem Latino- beziehungsweise Afro-Konzert auf gemütlichen Sitzsäcken verbinden. Was? Immer noch unterfordert? Naja, dann ab ins Logical Games Tent, wo man Sudoku, Schach und Poker spielen kann.
 
 
 
Aufputschmittel Musik
  Und das Wichtigste von allem: Nutze die Energie der Musik! Nach dem üblichen Nachmittagsschwitzen lässt man nämlich am besten das stark besetzte Musikprogramm den körpereigenen Motor so richtig in Schwung bringen.
 
 
 
 
 
  Die ständigen Gitarrensoli bei Pink oder das Standard-Rock'n'Roll-Gepose von Mando Diao sind gewiss Geschmackssache, aber The Chemical Brothers mit ihrer hypnotisierenden Kombination von perfektem Soundmix und einer bombastischen Visualshow (die beachtlicherweise gleich mit ihrem "Galvanize"-Knaller begann, sodass das Publikum von Anfang an dazu verdammt war, Vollgas zu geben) und Kaizers Orchestra, die sich auf so beschwingte wie auch sympathische Weise mit E-Gitarre, Piano und Ölfässern in die Herzen der Zuschauer spielten, funktionieren allemal besser als ein Handyladegerät. Mehr zum einfach Genießen und Vorsichhinträumen eigenete sich Damon Albarns neustes Projekt The Good, the Bad and the Queen, das atmosphärisch perfekt von Sonnenuntergang und Regenpause untermalt wurde.
 
 
 
The Good, The Bad And The Queen
 
 
  Unangefochtene Sziget-Gallionsfigur ist bislang jedoch zweifellos der quirlig-fröhliche Festivalliebling Manu Chao, der nicht nur von Style und Laune her wie die Faust aufs Auge passt, sondern auch trotz zwei Stromtotalausfällen gleich am ersten Tag einen äußerst souveränen Festivalauftakt lieferte. Einzige ernsthafte Konkurrenz bekam er bisher eigentlich nur vom bombastischen Auftritt der makellosen Nine Inch Nails, die am Samstag den riesigen Platz vor der Hauptbühne mit einem vollkommen begeisterten Publikum komplett ausfüllen konnten.
 
 
 
Manu Chao
 
 
  Soweit fürs Erste vom beschwingten Inseldasein und von dessen wichtigsten Überlebensregeln. Ob diese ausreichen für eine ganze Woche Festivalprogrammbombe im ungarischen Extremwetter, wird sich aber noch weisen ... spätestens beim nächsten Bericht, wenn ich bis dahin noch Camping und Schlaflosigkeit überstehe. Also falls ihr noch weitere Survivor-Tipps für mich habt, nur zu! Ansonsten liebe Grüße aus dem Sziget-Wunderland!

Bandfotos: András Éberling
 
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