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Stockholm | 17.8.2007 | 12:11 
Musik, Mode und Monarchie: Sweden, twelve points!

Smoab, Farkas, Gerlinde

 
 
Die Sziget-Retrospektive 2007
  Wie jedes Festival forderte auch das Sziget Festival 2007 seine Opfer. Der Kehlkopf von Tool-Frontmann Maynard James Keenan hat das größte Fest Ungarns nicht gut überstanden. Ich schon. Wahrscheinlich dank der praktischen Sziget-Überlebensregeln.
 
 
 
Auf dem Heimweg von Budapest ...
 
 
  Kerngesund, aber totmüde bin ich gestern Abend endlich nach Hause gekommen und hab mich auf nichts mehr gefreut als auf mein übliches Zivilisationsreintegrationsprogramm. Dieses besteht üblicherweise aus einer ersten langen gründlichen Dusche mit perfekter Wassertemperatur, der ersten ordentlichen Mahlzeit (dieses Mal: Spiralnudeln mit vegetarischer Sugo und Rührei), mindestens 12 Stunden ungestörten Schlafs und unbändigem Hochgenuss von all den anderen kleinen Alltagsdingen, die nach einigen Tagen Festivalausnahmezustand wie der größte Luxus erscheinen.

Und nun, wo man wieder zurück im Leben ist, kann ich mir eigentlich nichts Schöneres vorstellen, als auf die besten Ereignisse der vergangenen aufregenden Tage zurückzublicken ...
 
 
 
Die besten Tage
  Nach der wetterbedingt sehr anstrengenden ersten Hälfte des Festivals bleiben mir besonders die letzten zwei Tage in wohliger Erinnerung. Am Montag spielten nämlich nach den Sportfreunden Stiller (wohl ein gutgemeintes Booking-Geschenk für die deutsche Besucher-Fraktion) in der untergehenden aber immer noch glühenden Sonne die fantastischen !!! aus New York auf.
 
 
 
!!!-Sänger Nic Offer, von dem man schon sagen muss, dass er eine "richtig geile Rampensau" ist.
(c) Thorsten Vogel
 
 
  Die !!!-eigen(tümlich)e progressive Musikstil-Collage, vorgetragen von Perpetuum mobile Nic Offer in Teamwork mit einer ebenso unermüdlichen Sängerin, zog sofort die Beine in den Bann und entzückte die Augen. Ja, eine regelrechte Monstercharisma-Explosion passierte da auf der Bühne, als die männliche Frontfigur wie ein Mädchen tanzte und Luftküsse in die Kamera blies, und die weibliche Frontfigur wie ein Mann kreischte und sich die Shorts zerriss.

In Hinsicht auf unhaltbare Live-Energie konnten am Sziget vielleicht nur noch Fun-Da-Mental mithalten, die am Vorabend im Zuge ihrer musikalischen Weltverbesserungsmission Station im Wan2-Zelt eingelegt hatten.
 
 
 
Fun-Da-Mental
(c) Thorsten Vogel
 
 
  Ich erinnere mich ja noch gut an ihren mitreißenden Wahnsinnsauftritt 2002 beim Donaufestival ... und gerne hätte ich mir auch heuer wieder die Füße wund getanzt, aber leider versagten meine Ohren und Kräfte, und so tauschte ich nach wenigen Songs das laute Zelt gegen die Wiese am Hang vor der Theaterbühne ein, wo mich die spanische Tricicle Company mit ihrem humorvollen Pantomimetheater vor dem Schlafengehen noch ordentlich zum Lachen brachten. Überhaupt sollte man vielleicht erwähnen, dass die Theater- und Tanzbühne mit ihrem hochwertigen Programm durchaus eine gute Alternative zu dem Musikangebot darstellt. Man kann ja nicht immer nur selber tanzen!
 
 
 
Aber zurück zu Montag:
  Nassgeschwitzt und hungrig gingen eine Freundin und ich nach !!! zum Langos-Stand Richtung Weltbühne. Kaum hatten wir unser fettiges Brot mit Sauerrahm und Käse in der Hand, sagte meine Freundin, mit der ich zufällig gerade über gutaussehende Männer geredet hatte, dass sie soeben ihren Traumtypen ("vom Äußerlichen her") gesehen hätte und deutete auf einen jungen Kerl mit grüner Sonnenbrille. Ich blickte rüber ... und erkannte meinen Kumpel Olle aus Stockholm, der am Folgetag mit seiner Band Willowtree auf einer der Nebenbühnen auftreten sollte.
 
 
 
Willowtree beim Sziget 2007
(c) Antonio Manuel Moreno
 
 
Schweden beim Sziget
  Und da sind wir auch schon bei meinem Lieblingsthema: Schweden beim Sziget!

Nach dem unbewegten Standardkonzert von Mando Diao, und nachdem bei The Hives nach jahrelangen großmäuligen Powershows nun leider endgültig die Luft raus zu sein scheint, drohte heuer musikalisch eine Flaute.
 
 
 
Nein, Pelle, der Witz "Hungary, are you hungary for some more Hives?" ist nach 5 Mal echt nicht mehr witzig!
(c) Thorsten Vogel
 
 
Nein, Gustaf, nur viel Schwitzen und Schreien reicht nicht aus für ein unvergessliches Mando Diao-Konzerterlebnis.
(c) Thorsten Vogel
 
 
Es schien (zur Schmach der Schweden), dass mit Kaizers Orchestra heuer sogar die Norweger mehr Festival-Stärke beweisen würden.
(c) Thorsten Vogel
 
 
Auf jeden Fall mehr Exzentrizität.
(c) Thorsten Vogel
 
 
  Doch Rettung kam, denn man sollte nicht vergessen, dass Razorlight-Gitarrist Björn Ågren und Bassist Carl Dalemo ja auch Schweden sind (und Sänger Johnny Borrell mit seinem V-Ausschnitt-soweit-das-Brustbein-reicht-T-Shirt auch wie ein Schwede aussah) und diese ein vorzügliches Konzert spielten.
 
 
 
Razorlights Johnny Borrell erinnerte mit seinem körperbetonten Auftritt (später oben ohne) an eine 2007er Version von Jim Morrison. Und an einen Schweden.
(c) Thorsten Vogel
 
 
Und dann kamen ja auch - wie gesagt - Willowtree und hielten die schwedische Flagge hoch. Fast gleichzeitig mit The Killers hatten sie die ehrgeizige Mission, eine bessere Live-Band als diese zu sein ... und mit gutem Gewissen kann ich bestätigen, dass ihnen dies gelang.
(Ganz links Olle, daneben John)
(c) ich :)
 
 
  Für jemanden wie mich (mehrjähriger Sziget-Programmkonsument) war es natürlich auch sehr interessant zu sehen, wie jemand wie Willowtree (erstmalige Sziget-Progammmitwirkende) das Festival in seiner bombastischen bunten Ausprägung aufnahm: große Augen bei den (aus skandinavischer Sicht extrem billigen) Bierpreisen, offener Mund bei der spektakulären Akrobatik-Performance "Les Rois Faignants" von Transe Express aus Frankreich und geschwungene Tanzbeine zusammen mit den Ask-Moses-Rabbis, die fröhliche jüdische Songs auf ihrem Keyboard spielten.
 
 
 
"I love Chabad" - Willowtree-Gitarrist Olle (im weißen T-Shirt) und Ersatz-Drummer Daniel (mit schwarzer Sportjacke) tanzten gerne eine Runde mit.
 
 
  Die Begeisterung für Szigets Vielfältigkeit ist wohl bei jedem riesig. Egal, ob Künstler oder Zuseher. Und nun sind wir alle schon gespannt, was nächstes Jahr auf uns zukommt ... denn nach dem gelungenen Sziget 2007 haben wir jedenfalls alle Lust, 2008 wieder mit dabei zu sein.
 
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Sziget Festival 2007
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