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Wien | 26.10.2008 | 14:21 
Aus der Welt der Filmfestivals: Von Kino-Buffets und dunklen Sälen.

Pamela, Fuchs, Ondrusova

 
 
Wien muss Kuba werden
  Und dann wurde ich abgewiesen, höflich, aber bestimmt. Dort hinten sitzen meine Kollegen, Freunde, mit denen ich zum Frühstück im Hilton verabredet bin. Ist ja auch nahe liegend, da die allesamt dort untergebracht sind. Ich bin kein Gast in diesem Hotel, nein. Deshalb wird mir der Zugang verwehrt. Irgendwann bin ich dann doch durch gekommen, fühlte mich erleichtert, als ich endlich Platz nehmen durfte. Zu trinken will ich ohnehin nur einen Tee; meinem Hals tut die Viennale ganz und gar nicht gut. Der Argentinier, Diego, lacht und meint, Österreich erinnere ihn an Kuba. Ich schaue verdattert: dort sei er mal gewesen bei einem Filmfestival, habe gefrühstückt im guten Hotel und beobachtet, dass die Einheimischen am Betreten der Räumlichkeiten gehindert worden waren. Aber der Kräutertee ist gut.
 
 
 
The Decline of Western Civilization
  Gestern war für mich ein klassischer Filmfestivaltag, wie ich ihn kenne, wie ich ihn eigentlich gar nicht mag. Im Kino war ich nur einmal, der Rest war angefüllt mit Arbeit. Immerhin: endlich hab ich Penelope Spheeris' energetisches Punk-Dokument The Decline of Western Civilization gesehen. Die Regisseurin, die in den Neunzigern mit der Underachiever-Komödie Wayne's World einen beachtlichen Erfolg feiern konnte, hat zwischen Winter 1979 und Herbst 1980 eine Hand voll Punk-Bands bei ihren Auftritten begleitet.

Selbst wenn man sich, wie ich, nicht übermäßig für die Musik interessiert, entsteht ein interessantes Zeitbild, gestützt freilich auch von der Auswahl der Gruppen. Spheeris filmt nicht nur die Auftritte, sondern begleitet die Musiker auch in ihre Wohnungen, lässt sie reden über sich selbst, ihr Leben: faszinierend war daran für mich vor allem, dass all das, was ich heutzutage als Punk-Attitüde glaube zu erkennen, was man aus jetziger Perspektive diesem kulturellen Aufbruch an Wertigkeiten zuschreiben würde nicht nur, aber schon auch zum großen Teil Projektionen, mitunter Romantisierungen sind.

 The Decline of Western Civilization
 
 
  Die einen, wie etwa die Germs, sind gerade am Absteigen, vielleicht auch, da ihre Auftritte eher wie Drogen-Happenings wirken, bei denen der Sänger zufällig Wortfetzen in sein Mikrofon brüllt, wenn er nicht gerade am Boden liegt oder auf den Lautsprecher kraxelt. Und die Kerls von Fear plärren homophobe Kommentare in die Menge (You fucking faggots! We're from Frisco!) und als eine junge Frau dem etwas entgegen halten will, wird ihr eine über den Schädel gezogen. Ideologische Linien? Fehlanzeige, wie mitunter auch die Aussagen der von Spheeris befragten Punks belegen. The Decline of Western Civilization ist ein großartiges, weil vielfach aus dem Moment heraus entstandenes, teilweise außer Kontrolle geratenes Dokument.
 
 
 
Wendy and Lucy
  Aus meinem Text über die Filmfestspiele in Cannes:

Kelly Reichhardt hat mit ihrem Waldspaziergangsfilm "Old Joy" einen der besten US-Indiefilme der letzten Jahre inszeniert und folgt diesem Beispiel mit "Wendy and Lucy" bei Fuß. Unspekulativ und inszenatorisch entwaffnend sicher erzählt die Portlander Regisseurin (und enge Freundin von Todd Haynes) von der Reise einer jungen Frau (Michelle Williams) und ihrer Hündin Lucy. Beide bleiben mit ihrem alten Auto in einem Kaff in Oregon hängen: das Tier läuft davon und Wendy Gefahr, von einer motorisierten Nomadin zum Hobo abzusteigen. Zwischen abgestellten Güterwaggons liefert Will Oldham einen der einprägsamsten Auftritte seiner Karriere ab. Außerdem mit dabei: Will Patton und Arthorror-Regisseur Larry Fessenden. Und dann der Kuss: als Wendy ihre Lucy wieder findet, lecken sie sich durch den Maschendrahtzaun die Münder weich. Ich vergehe!

 Wendy and Lucy
 
 
Horror!
  Ich wollte dann eigentlich noch zu Eskalofrio im Gartenbaukino, war aber vom Tag bereits so geschlaucht, dass ich vorgezogen hab' nach Hause zu fahren und mir - wieder einmal - einen meinen Lieblings-Hammer-Filme anzusehen: nie war Christopher Lee wieder so gut wie in Rasputin - The Angry Monk. Aber wie war's bei Eskalofrio?

Heute werde ich allerdings wieder mehr sehen, darunter Must Read After My Death, Jack Hills Pit Stop und den chilenischen Film Tony Manero.
 
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