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Wien | 11.1.2009 | 20:01 
Aus der Welt der Filmfestivals: Von Kino-Buffets und dunklen Sälen.

Pamela, Fuchs, Ondrusova

 
 
Kein Schmäh! 3D!
  Ich erinnere mich noch gut daran: an das filigrane Pappendeckel-Gestell, das ich mir als Bursch über meine schon auf der Nase sitzende optische Brille klemmen musste. An die schmerzhaften Einschnitte hinterm Ohr, die dadurch entstanden sind. Auch an die prickelnde Sensation, die immer dann aufgekommen ist, wenn man einen dieser für mich heute nicht mehr voneinander unterscheidbaren Naturfilme im Fernsehen in "3D" sehen durfte.

Runter, ein Grashalm! brüllte ich dann meiner Mutter zu, quer über den gekachelten Wohnzimmer-Couchtisch. Sie duckte sich wirklich. Ja, meine frühesten Erinnerungen an die "Wonders of 3D-Vision" beziehen sich aufs Fernsehen, nicht aufs Kino: denn für die Blütezeit des stereoskopen Gauditums bin ich als Achtziger-Kind immer schon zu alt gewesen.
 
 
Teleview
  Gar mirakulös erscheint es mir aus heutiger Sicht, dieses über Jahrzehnte hinweg von diversen Wissenschaftlern und anderen Visionären in Gang gehaltene Streben hin zum dreidimensionalen Abbild; ein Streben, das das Kino schlussendlich immer auch retour führt zu seiner Geburtsstätte zwischen Schaubuden, Budenzauberern und Zauberspiegeln.

Seit den frühen Zwanziger Jahren tourten Erfinder mit ihren 3D-Gerätschaften durch Weltausstellungen und Filmwirtschaftsgipfel: konzertierte Bewegung gab es keine. Immer wieder versuchten Lichtspielhäuser, vorwiegend in New York City, die Attraktionen zu installieren. Das Selwyn etwa stattete sich aus mit dem Teleview, erdacht und erbaut von Laurens Hammond, dem späteren Erfinder der Hammond-Orgel. Nur ein Langfilm, The Man from M.A.R.S. wurde dafür produziert.
 
 
 
Bwana, der Teufel
  Erst viele Jahre später erwies sich der 3D-Film als massenmarkttauglich: los getreten wurde der Boom von Arch Obolers Bwana Devil (1952), einem reißerischen Abenteuer über ein paar Menschen fressende Löwen in Afrika. In den folgenden Jahren werden unzählige Filme produziert und anschließend auf zweifachem Weg in die Kinos gebracht: in der dreidimensionalen Version, für die Lichtspielhäuser mit einer komplexen Doppelprojektor-Konstruktion ausgestattet sein mussten und in der flachen Version. 1953 etwa feierte auch André de Toths phänomenales Schauerstück House of Wax mit Vincent Price in der Hauptrolle als 3D-Film seine Premiere.

 
 
Dimensionentanz
  Aber es waren keineswegs nur B-Filme und Schundstücke, die von der neuen Technologie Gebrauch machten. Das Studio MGM etwa erweiterte seinen ohnehin ausschweifenden Musical-Katalog um ein dreidimensionales Sing- und Tanzfest namens Kiss Me, Kate und der spätere Spektakelpionier William Castle (der für die Vorführungen seiner Filme etwa auch leichte Elektroschockgeräte an den Kinosesseln anbringen hat lassen) inszenierte einige 3D-Western.

Bis zum Ende der ersten beiden 3D-Wellen sind noch etliche Meisterstücke mit der Technologie realisiert worden, etwa Alfred Hitchcocks Dial M for Murder (der allerdings in den 80ern während der Renaissance des 3D-Films seine dreidimensionale Kinopremiere erfahren hat) oder Jack Arnolds Creature from the Black Lagoon.

Schlussendlich erwies sich aber die vorherrschende Doppelprojektor-Praktik als zu aufwändig, teuer und sensibel. Zusätzlich wurde das Publikum in den mittleren Fünfziger Jahren noch von anderen Sensationen, etwa dem Widescreen weg vom Fernsehgerät und hinein in die Kinosäle gelockt.
 
 
 
Brille zum Glück
  Abgesehen von einigen Revivals in den 60ern und 70ern und einer Renaissance in den 80ern (Jaws 3D) verkümmerte der 3D-Film zu einem Kuriosum. Bis Techno-Pionier James Cameron begonnen hat, für seine Post-Titanic Tauchdokumentationen ein digitales 3D-Verfahren zu entwickeln, das in der Folge auch von Robert Rodriguez für SpyKids 3D und The Adventures of Sharkboy and Lavagirl in 3D verwendet wurde.

Im digitalen Kino, in dessen Säle die Filme nur mehr gestreamt und nicht mehr projiziert werden, hat freilich auch der Augenaufreißer 3D neue Chancen. Und 2009 wird das Jahr sein, in dem der Boom von den USA ausgehend auch nach Europa schwappen wird. Morgen werde ich an dieser Stelle einen Vorausblick auf die spannendsten und wahnwitzigsten 3D-Filme dieses Kinojahres werfen.

 
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