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Hamburg | 4.10.2005 | 00:21 
Verwirrungen zwischen Spielekultur und Nerdstuff

Gerlinde, HansWu, Grenzfurthner

 
 
The Future is You - aber wo?
  Irgendwie hat damals jeder gedacht, dass es gleich BANG macht bei GIGA. Das Ganze war ein großes Projekt, ein Versuch, Fernsehen mal ein wenig anders zu machen. Oder gleich: ganz anders. Und irgendwie hat GIGA auch immer durchgehalten - eine ellenlange Live-Show. Erst fünf Stunden, dann acht Stunden und dann immer mehr Stunden täglich live, live, live. Keine drei Stunden Vorbereitung für die Nachmittagssendung GIGA green, das Studio war gleichzeitig Arbeitsplatz und auch irgendwie Wohnzimmer. Nun, im Prinzip isses ja immernoch so - aber seitdem ich zum Januar 2003 aus Düsseldorf wegging, hat sich natürlich einiges getan. Aber seit dem 29. September 2005 wird alles anders - oder doch nicht?

Sieben Jahre lang gab es den GIGA-Traum (vor dem sich besonders die onAir-Crews fürchteten) vom eigenen Sender. 24 Stunden GIGA und sonst nix. Nun, sieben Jahre nach dem Sendungsstart von GIGA hat es nun endlich BANG gemacht. GIGA ist ein eigener Sender - den man allerdings nur über Astra Digital empfangen kann. Statt 24 Millionen Kabelhaushalten sind das nur noch 5 Millionen technisch erreichbare Fernsehgeräte. Allein GIGA green gibt's noch drei (statt fünf) Stunden live auf dem neuen, alten "Das Vierte" zu sehen. Produziert wird in Berlin neben dem Brandenburger Tor, statt aus dem Düsseldorf Medienhafen. GIGA GAMES ist ausschließlich digital empfangbar, dafür können mit einem DVB-S-Receiver sogar verschiedene Kamerawinkel ausgewählt werden - angeblich.

Zusätzlich sollen spezielle superschnelle Downloadangebote via Satellit den Umstieg auf die Digitale-TV-Technik leicht machen. Doch steht zwischen einem problemlosen Empfang von GIGA GAMES halt immer noch der Kauf einer Satellitenanlage - und ich will nicht wissen, wie viel Zuschauer des Kabelprogramms sich mal eben wegen ein bisschen Netz-TV so ein Gerät für 59 Euro kaufen.
 GIGA ist interaktives Fernsehen und viel umstritten.
 
 
  Und das ist das eigentlich Tragische: Die jüngsten Veränderungen sind folgenschwer. Man mag ja über GIGA denken, wie man will - aber mit GIGA verschwindet eine Einzigartigkeit aus dem Fernsehprogramm. Nicht so sehr, dass es nun keine vergleichbare Games-Sendung mehr gibt, oder kein interaktives TV. Die eigentlich Tragweite ist das zukünftige Fehlen von etwas Nerd-Normalität im Fernsehprogramm - und damit der Öffentlichkeit.
Ist damit das Projekt "interaktives Fernsehen" gescheitert? Und warum passiert das in der Zeit, in der anderweitig immer mehr Spiele-Projekte ins Fernsehen vordringen? Und - an die aktuelle Diskussion im Vibemaster-Artikel anschließend: GIGA GAMES ist erstaunlich unabhängig. Wenn die Leute vom schwarzen Lieferwagen nicht nervös an meine Scheibe klopfen würden, könnte ich da detailierter von erzählen, aber die Redaktion und vor allem auch die Netzreporter haben, bis auf wenige erzwungene Ausnahmen, durchaus ihr Ding gemacht.

Die GIGA-Meinung und -Berichterstattung ist meist Präsentator-Meinung. Denn so ist GIGA geplant worden: Leute, die deine Freunde sein könnten, erzählen dir das Neuste über Computerspiele: subjektiv, nicht großartig geplant und vertrauenswürdig. GIGA-Moderatoren sind keine Weisheit verbreitenden Halbgötter auf Koks, sondern normale Jungs und Mädels von nebenan. Deswegen passen Versprecher, Irritationen, Verpeiltheit und starke, teils nervige Charakterzüge zum Programm, machen es vielleicht sogar aus. Der GIGA-Zuschauer macht sich die Sendung selbst, wählt sich die Bereiche und Sympathieträger aus. Und das ist mit das revolutionäre an GIGA - dass der Zuschauer wirklich als Freund, als Giga-friend gesehen wird. Zumindest theoretisch, jaja. Aber mal ernsthaft: wo sonst gibt es eine zweistündige Sendung nur über eSport?

 Erst nur ein zweistündiger Versuch - heute die beste Games-Sendung der Welt (lassen die Jungs aus dem schwarzen Lieferwagen durch einen ehemaligen Mitarbeiter ausrichten).
 
 
Und watt jetzt?
  Eines ist trotz meiner ganz persönlichen Nostalgie natürlich auch klar: GIGA hat sich in Teilen selbst überlebt. Das einst toughe, schnelle Nachmittagsprogramm ist nur noch ein Abglanz seiner selbst. Die als kleine Schwester geplante Games-Sendung und das wirklich richtig gute GIGA Real sind längst das eigentliche GIGA. Doch genau diese Programme sind nun ins Satellitenland verbannt. Mal schauen, wie es da weitergeht. Bei GIGA jedenfalls ist gerade durchaus gute Stimmung. Wo man früher vielleicht ein wenig Angst vor dem schnellen Ende hatte, weht jetzt der Wind der Veränderung. Intern dürfte vieles besser werden. Aber wie wird's denn für Euch, so fast ganz ohne GIGA?
 
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