fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Hamburg | 8.11.2005 | 21:30 
Verwirrungen zwischen Spielekultur und Nerdstuff

Gerlinde, HansWu, Grenzfurthner

 
 
Egoshooter? Bäh!
  Kollege Glashüttner hat's ja schon gesagt: Quake 4 ist raus, Zeit für ein paar Gedanken über Egoshooter. Zeit für ein paar höchst subjektive Gedanken! Denn ich sag's ganz frei heraus: mich stinken Egoshooter schon seit geraumer Zeit ordentlich an. Und da gibt es viele Gründe für. Haut mich dafür, wenn meine Argumente platt sind - aber jetzt muss das einfach mal raus!
 Alle gleich, alle Helden, alle Mörder
 
 
Grund 1: Egoshooter sind langweilig
  Ja, richtig langweilig. Und je mehr man "denken" muss und je mehr man "Rätsel knacken" muss, um so langweiliger sind sie. Wenn Egoshooter bratzen wollen, dann müssen sie sein wie "Serious Sam" (Teil 2 hab ich bisher noch nicht gespielt). Monsterwelle über Monsterwelle, kaum blöde Sprüche und noch weniger Handlung. Einfach nur schiere Masse, die über mich Spieler hereinbricht. Und dann war "Serious Sam" ja auch noch total bunt - allein damit traten die Entwickler Croteam allen iDs, Ravens und wie sie sonst noch heißen in den olivschwarzen Arsch! Ganz besonders in den Arsch traten sie auch allen Medal of Honors und Call of Duties. Serious Sam scheißt auf Story und vor allem scheißt Serious Sam auf Zwischensequenzen. Bah bah bah, eklige Zwischensequenzen. Zwischensequenzen sind die billigste Entschuldigung seit dem Intro-Video. Und Zwischensequenzen, in denen ich meinen Kopf bewegen kann (aka gescriptete Szene) sind noch viel schlimmer, weil die mich damit wirklich verarschen wollen. Neinnein, in Serious Sam erzählen haushohe Monster genug Geschichte.

 Bunt kann auch Spaß machen
 
 
Grund 2: Egoshooter sind blöd
  So ziemlich jeder Egoshooter, der mehr sein will, als Serious Sam, ist lächerlich. Über dumme, sexistische, heldenhafte, kriegs- und gewaltverherrlichende Sprüche muss ich mich ja nicht mehr auslassen. Aber Egoshooter sind noch viel mehr blöd. Denn überhaupt der Versuch, eine Story zu erzählen, ist schon lächerlich. Doom und Quake und - ja, Serious Sam - und so weiter, die zeigen, dass man aus purem Spaß eine Geschichte einbauen kann, die aber mit dem eigentlichen Geschehen im Spiel so ziemlich nix zu tun hat. Und vor allem unterbricht sie das Spiel nicht MIT NERVIGEN ZWISCHENSEQUENZEN oder SCRIPTINGSCHEISSE oder zwingt mich, Dinge zu tun, die ich nicht tun will, WEIL SIE MICH LANGWEILEN!!! Mit Leuten sprechen zum Beispiel, oder Leute beschützen oder Leute töten oder wo einbrechen oder Einbrecher verhindern oder so einen Schmarrn. Aber scheinbar sind auch Egoshooter-Entwickler blöd. Denn:

 Ich will spielen statt zuschauen
 
 
Grund 3: Egoshooter lernen nicht voneinander
  Wenn ich Geschichte und Aufträge und Gedanken und so weiter haben will, dann spiel ich Cybermage, das allen anderen vor allen anderen gezeigt hat, wie's geht. Und zwar schon 1995. Selbst System Shock und Deus Ex sind in Wirklichkeit nur Nachfolger dieses mit RPG aufgeputzten Shooters.

edit: stimmt natürlich nicht. System Shock kam schon ein Jahr früher, also 1994, raus und ist eh viel besser :)

Eine düstere Geschichte, die man auch tatsächlich SPIELT und nicht nur zwischen Actioneinlagen zuschauen darf. Und noch vor Duke und lange vor einem GTA war die Umgebung recht interaktiv. Geld spielt eine große Rolle. Und das kann man bei Gladiatoren-Wettkämpfen verwetten (und dem Kampf zuschaun!), im Spielcasino verzocken oder in der Blutbank gegen Eigenblut tauschen. Und fahrbare Vehikel gab's auch schon. Warum ich das erzähl: Weil es IMMERNOCH kaum Egoshooter gibt, die mehr als ein Checkpoint-Schlauch sind. Aber Schlauch ist eh ein gutes Stichwort!

 Erstaunlich, dieses Spiel. Gibt's noch zu kaufen
 
 
Grund 4: Egoshooter sind EKELHAFT wenig 3D...
  ...und seit Descent gab es keine Shooterspiele mehr, die wirklich Dreidimensionalität bieten und fordern. ALLE Shooter sind in Wirklichkeit Aneinanderreihungen von Ebenen, verbunden durch schräge Ebenen. In Thief - und darauf kommen wir gleich auch noch zu sprechen! - durfte man sich wenigstens noch mit einem Seil unter der Decke verstecken. Aber selbst ein Splinter Cell bietet Auswege in eine dritte Dimension nur in Sackgassen a la: In einer Sackgasse gibt es zwei Auswege: zurück und nach oben. Für die meisten Shooter ist Dreidimensionalität nur ein Werkzeug, das hin und wieder spielerisch eingesetzt wird: hochklettern, runterklettern, hochschauen, runterschauen. Oder gleich ganz schlimm als Abgrund, wo's nicht lang geht. Aber von was sprach ich gerade? Genau: Thief!

 Oben, unten, rechts und links - gibt's selten
 
 
Grund 5: Egoshooter mit Schleicherei sind FURCHTBAR
  Ganz einfach: Thief sieht aus wie ein Shooter, ist es aber nicht wirklich. Shooter, die Schleicheinlagen (was für ein Scheißwort) bieten, sind FAUL! Künstliche Spielverlangsamung, zwanghafter Atmosphären-Versuch, aufgesetzt und Ballerei entschuldigend. Mehr will ich nicht zu sagen, denn noch mehr als in der Einsamkeit, wird im Gruppengedöns nichts geboten.

 Schleichen nicht als Ausrede in Thief
 
 
Grund 6: Egoshooter mit Multiplayer-Mode haben nichts gelernt
  Wegen Operation Flashpoint brauchen wir kein Battlefield. Wegen Quake 3 kein Quake 4, seit Descent und Serious Sam gibt's keinen anständigen Coop-Multiplayermode, Doom bot bereits perfektes Deathmatch und Fahrzeuge - Fahrzeuge sind von mir aus ganz spaßig in Halo, aber so richtig toll ist es ja auch nicht. Team-based MP-Gaming ist mit Counter-Strike 1.6 und Return to Castle Wolfenstein, Enemy Territory und eigentlich schon mit Team Fortress abgehandelt. Macht mal was neues, oder schaut Euch bei den alten Spielen ab, warum sie toll sind, bevor ihr Murks macht, wie ihr es laufend macht, liebe Spieleentwickler. Und wer keine sechs Jahre Zeit für einen MP-Modus hat (Quake 3), der soll halt die Finger davon lassen und lieber einen anständigen Singleplayer-Mode hinbekommen.

 Gegen OPF stinkt sooo vieles ab
 
 
Grund 7: Egoshooter sind hässlich, öde und plump
  Ist Far Cry deswegen eine Ausnahme, weil es bunt ist? Serious Sam ist bunt und spart sich sämtliche lächerliche Wichtigtuerei und pubertäre Coolness. Verbannt die Farben Schwarz, Grau und Grün, wie das Ernest Williams bereits vor fünf Jahren in seinem Dogma 2001 gefordert hat. Siehe auch Glashüttners Text dazu. Und dann HAUT AB mit Kisten und Fässern!!!

 Crates & Barrels seit Anfang an
 
 
Grund 8: Egoshooter sind lächerlich
  Noch viel schlimmer als in all den anderen Spielen sind Egoshooter lächerlich in ihrem Umgang mit Gewalt, Sexismus und Geschichte. Ach, eigentlich sind sie alle geschmacklos und unbewusst. Aber das hab ich ja bereits teilweise kurz abgehandelt und drüber sprechen wollte ich heute eh nicht. Trotzdem, um die Liste komplett zu machen: in keinem anderen Genre wird so blöd mit schwierigen Themen umgegangen. Und dann kommt mal eine - ich hoffe - Kritik am Umgang damit zum Beispiel in Form von Manhunt, und schon kapiert's keiner, weil's keiner kapieren WILL. Aaaah, darüber rede ich nicht weiter, das lenkt nur zu sehr ab. Kommen wir lieber zu meinem letzten Punkt:

 Sowieso einer meiner Liebling: Nam '67
 
 
Grund 9: Egoshooter sind langweilig
  Ja, das hatten wir schon. Aber sie sind noch auf einer ganz anderen Art unglaublich langweilig. Was ich in den letzten paar Punkten zeigen wollte: es gibt einige Meilensteine der Shooter - aber seit dem hat sich nicht viel mehr geändert. WARUM? Weil wir alle dumm sind und uns jedes Mal wieder von ein wenig Grafik und ein wenig Physik täuschen lassen. Mich stinkt dieses ganze Grafikgekacke richtig ordentlich an! Es langweilt mich und ich glaube, es blendet mich auch nicht mehr. Und deswegen hab ich vor kurzem wieder Anachronox rausgekramt und durchgespielt. Ist eh das beste Spiel der Welt. Baut auf der Quake 2-Engine auf - aber das ist mir total wurscht. Das kann auch auf der Fettwurst-Engine aufbauen - das ist einfach ein Spiel, das sooo viel besser macht, das sich nicht ernst nimmt, das den Spieler ernst nimmt, das Klischees höchstens als Metaphern verwendet - und das obwohl die tollen Sachen auch nur in Zwischensequenzen passieren Wenn wir diese Zwischensequenzen irgendwann los sind, wird alles besser, ich verspreche es euch!

 Spielen, alle Spielen! Anachronox ist der Wahnsinn. Mehr dazu später
 
 
Und ihr?
  Jetzt hab ich ordentlich rumgeballert - aber was haltet Ihr davon?
(Und kennt jemand Anachronox?)
 
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick