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Hamburg | 11.12.2005 | 09:00 
Verwirrungen zwischen Spielekultur und Nerdstuff

Gerlinde, HansWu, Grenzfurthner

 
 
Thirty Records Over Chanukka
  Elftes Fenster.
 
 
 
The Knife - "Deep Cuts" [Rabid Records]
  Um es gleich klar zu machen: in einer Welt, in der es nur "Pass this on" und "Heartbeats" von "The Knife" gäbe, gäbe es genug, um zu Weinen, Herumzuhüpfen und wenigstens eine anständige Ahnung von Liebe zu haben. Und da es so eine Welt nicht geben kann, gibt's halt ein Album. Das heißt "Deep Cuts", kam vor zwei Jahren in Schweden heraus und zeigte mir, wo der Steeldrum-Hammer hängt.
Denn auf der Soulseek-Suche nach einer Shareware-Version von "I look into midair" von Rex the Dog stolperte ich über einen Remix: "Heartbeats". Und, oh was für ein Tag, dieses Stück war schneller im Ohr drin, als Glen Meadmore (siehe übermorgen oder so) "Amazing!" sagen kann. Groooovend, katebush und dann dieser ständig widerlegte Cheesy-Verdacht. Aber das war ja noch gar nichts. Das Original ist viel langsamer, viel eindringlicher und tritt dann sowas von in die Steeldrum-Herzen, dass es mir immernoch schwindelig wird, wenn ich es höre. Das zieht dann stählerne Langsamkeit ein, wie Leute auf Droge, die einen in Zeitlupe anschaun und mit den Fingern auf unsichtbaren Glasscheiben zwischen den Leuten vorsichtig rumtippen. Und mir sind der Superlative und windschiefen Vergleich noch nicht genug - denn noch hab ich nicht von "Pass this on" gesprochen, das mir dann gleich beim ersten Hören die Tränen in die Augen trieb. Auf dem Album ist zwischen "Heartbeats" und "Pass this on" sicherheitshalber"Girl's Night Out" dazwischengeschoben. Jetzt beim Anhören überspring ich das und hör die beiden Titel nebeneinander und auf Repeat und kann es kaum fassen. Oder um es mit den Worten vom ebenso beeindruckten Richard van Camp zu sagen: "The Knife" is like the first night I ever discovered Ninja's!" Und auch er macht das an "Pass this on" fest. Er sah am 9. Oktober 2003 im finnischen MTV2 das Video zum besten Song 2003.
 
 
 
  Er nennt das:
Everything about this video is perfect! The setting is perfect. The casting is perfect. There is character transformation and love blossoming before your eyes, and everything here is revealed through the lips of the players. Watch the lips! They betray all emotion and reveal so much of the plot. I love it.
Und um Liebe geht es tatsächlich: es ist der Kitsch, den The Knife vermeintlich überaffirmativ einsetzen und dabei pure Wärme rausholen. Zwischen Trance-Klimperei, Oktavbass- und Acid-Leads ist reine Liebe. Und diese Liebe, das sind die Steeldrums. Ich würde zu gerne wissen, ob Karin Dreijer und ihr Bruder Olof damit einfach nur tief in die Kiste greifen wollten oder wussten, was sie mir da antun. Auch auf "You take my breath away" - und dann noch diese schrägen Chöre und die autotune-übermenschlichte Stimme. Was hat die beiden geritten?
 
 
 
The Knife - "Deep Cuts"
 
 
  Meine Vermutung ist ja, dass sie - wie auf dem Hannah Med H-Soundtrack geschehen - Neonlicht-verschmierte Jugendliche im Lebensrausch sozusagen vor Ort besingen wollten; siehe Lilja 4 ever-Soundtrack. Und diese rohe, direkte Schönheit im hypermodernen kalten Scheiß ist genau The Knife ihr Ding. Wenn vor der Trance-Disco die zwei Jungs in Jogginghose ihren bauchfreien Mädels was in Sachen cool herumstehen vormachen wollen, daneben jemand ans Döner-Schild kotzt und ein Polo mit folienverklebten Frontscheinwerfern durch den Gulli-Nebel durchleuchtet und man das sieht und denkt: "Jung sein..." . Aber man weiß ja: nene, das geht nicht, das klappt nicht. Und wenn man dann im Taxi auf dem Nachhauseweg schlechten Njoy-Schmutz hört und das dann plötzlich doch schön ist, weil es einen an was erinnert und man dann zuhause sowas authentisches reinmacht aber auch ganz gern selber jetzt zu Lead-Triolen einen Vodka-Redbull zischen würde, dann sind da The Knife und geben einem genau das. Und man fühlt sich nicht schlecht dabei, sondern unwahrscheinlich melancholisch und euphorisiert. Vielleicht ist ja die Schönheit und Liebe bei The Knife so ein melancholischer Blick auf die eigene nicht gelebte Jugend - wie es hätte sein können aber zum Glück nicht wahr. Nicht-gewählte Alternativen machen halt immer traurig, selbst wenn es anders besser ist. The Knife bringen einen da rein, machen aber nix vor. Und, oh man, dafür liebe ich dieses Album und das erste selbstbetitelte und den Hannah-Soundtrack und sicherlich auch "Silent Shout", das sie wohl im März veröffentlichen werden.
War das jetzt ein wenig zu euphorisch?
 
 
 
  Kunden, die solcherart Ohrenanlegen um die Ohen anzulegen geschätzt haben , begeistern sich auch für:
Ja, gute Frage. Euro-Trash? Trance-Trallala? Ich wäre über Tipps echt dankbar!


 
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