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Hamburg | 5.4.2007 | 13:13 
Verwirrungen zwischen Spielekultur und Nerdstuff

Gerlinde, HansWu, Grenzfurthner

 
 
Neulich in Hamburg
  Neulich bekam ich Besuch von einem Bekannten aus Wien (jetzt nahe London wohnend) und er meinte: Felix, warum schreibst Du eigentlich nichts mit Lokalkolorit? Und ich meinte dann: Ähm. Und will das jetzt ändern. Hostbereichsumneigung, oder so hat das mal der Wu Hans genannt. Ich scheu mich ja ganz ehrlich ein wenig davor. Nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern weil die Kollegen Rotifer, Lehner, Janis, Salamun (ich hoffe, ich habe niemanden vergessen) ja schon ganz schön viel Möglichkeiten ausgelotet und vorgeführt haben, sozusagen Fernberichterstattung zu leisten und dabei wunderbar persönliche Einsichten auch jenseits des eigenen Horizonts präsentieren. Was bleibt mir denn da übrig? Das Wetter!
 
 
 
Vom Wetter
  Hamburg, das muss man wissen, ist statistisch gesehen nämlich gar nicht so verregnet, wie man immer meint. Ja, wie das eigentlich jeder bestätigen kann, der hier lebt. Hamburg, das muss man wissen, scheint sozusagen die Dunkelziffer der deutschen Meterologie zu sein. In ganz Deutschland scheint - gefühlt - die ganze Zeit die Sonne (z.B. Freiburg, München, Berlin), während in Hamburg einfach kein Wetter existiert. Ich habe gerade Gäste aus Finnland. Selbst die sagen, es sei recht dunkel hier. Wir sehen: Widersprüche, wohin man schaut - wäre es denn hell genug. Warum also überhaupt aufs Wetter schauen? Weil Hamburg auch sonst von ein paar grundlegenden Missverständnissen, äh, missverstanden, äh. Hamburg ist ganz einfach nicht so, wie viele denken. Und das möchte ich hier schnell klären.
 
 
 
Von dem und dem
  Als es mich mehr oder weniger beruflich nach Hamburg verschlug, hatte ich reichlich wenig Ahnung von der Stadt. Ich wusste noch nicht einmal von den üblichen Vorurteilen, geschweige denn von der Geographie, den Gepflogenheiten, der Szene - im Grunde genommen wusste ich auch sonst nicht sonderlich viel. Aber irgendwie hat mir Hamburg von der ersten Sekunde an gut gefallen. Denn in der ersten Sekunde hatte ich meinen zukünftigen Boss am Telefon, der mir sagte: "Felix, ich habe eine schlechte Nachricht. Du musst wohl nach Hamburg ziehen."
Das ist nicht verwunderlich. Das ist viel mehr so eine Sache, die einem hier ziemlich oft passiert, und die ich als die Grundlage aller Missverständnisse ansehe, die Nicht-Hamburger gegenüber den Hanseaten pflegen. Aber ich überspringe das, um später und mit etwas Glück wieder darauf zurück zu kommen. Erstens: Hamburger gibt es in Hamburg genau so wenig, wie es in Berlin Berliner gibt. In Hamburg wohnen scheinbar vorzugsweise Hinzugezogene. Echte, wenn es sowas überhaupt gibt, Hamburger bekommt man selten zu Gesicht. Man erkennt sie ja auch nicht auf Anhieb. Schon seit vielen Jahren müssen sie sich nicht mehr kenntlich machen durch Dialekt, Haartracht und einem kleinen Segelboot im Handgepäck. Hamburger sind, logisch gefolgert, deswegen auch nicht kühl. Hamburger sind höchstens schüchtern. Oder noch besser: In Hamburg scheint es ein wenig unprätentiöser - nein, das sind ja schon wieder Vorurteile. Ich glaube, ich fange von vorne an.
 
 
 
Von der Stadt
  Hamburg ist nämlich zunächst einmal eine Stadt und damit eine von (ganz) vielen. Und da jede Stadt ja sämtliche anderen Städte und sogar das Land mit sich spazieren führt. Hamburg ist also genau so Berlin, wie Berlin auch Stuttgart ist. Was es von anderen Städten unterscheidet, ist die Geographie und damit auch das Wetter. Man sieht, ich drücke mich vor einer Aussage und verlege mich aufs Wetter. Denn das macht hier wirklich viel aus. Es ist einfach unmöglich, so etwas wie ein Straßenleben von April bis Oktober zu zelebrieren. Wer in Hamburg lebt, lebt vornehmlich in seiner Wohnung und auch ganz oft in einer Kneipe. Davon gibt es aber erstaunlich wenige. Also viele, in die man eh nicht geht. Das ist zum Beispiel in Düsseldorf oder Köln anders, wo jede x-beliebige Eckkneipe noch Spaß, Spannung und ein paar gute Lacher garantieren kann. In Hamburg sind die Eckkneipen ein Sammelalbum an Vergeblichkeit, Versagen und - so sympathisch die beiden Punkte ja sind - auch von mief und blöd. Also geht man hier eventgebunden vor die Tür und verhält sich auch dementsprechend. Musiker, die hier auftreten haben ein (haha) Liedchen zu singen vom schweigenden, höchstens wippenden Publikum, das regelmäßig nach Songende explodiert und plötzlich eine Dreiviertelstunde klatschen und nach mehr rufen kann. Aber während die Musik spielt, wird am Astra genippt (das ist ja auch noch so ein Thema, dieses Astra) und bewundernd die Bühnendekoration oder der Hut des Sängers oder die aufwändige bis nicht-existente Verkabelung des Keyboards bewundert.

 
 
Von allem
  Das wirkt ja erstmal komisch. Aber man muss das mal mit sowas verwandtem, wie dem Sommer vergleichen. In Altona. Also, da muss man sich monatelang in kleinen Bars drängeln und dann kommt für ein paar Wochen mal die Sonne so raus, dass auch nach ihrem Untergang nicht gleich der Küstennebel gefriert, dann sitzen plötzlich alle Menschen auf der Straße, trinken Bier, machen Musik und unterhalten sich über Fußballvereine, Politik und das Wetter. Das überrascht immer Leute, die im Winter (Herbst oder Frühling gibt es hier nicht) nach Hamburg ziehen. Mich inklusive auch sehr.
Seht ihr die Ähnlichkeit zum Konzert? Dann muss ich das nämlich nicht erst erklären und gerade draußen das bisschen Sonne verpassen, vor dem ich mich in die Kneipe verzogen habe, faul und unterkühlt, wie ich bin.

Als nächstes dann also Abhandlungen zum Astra-Desasta, Hamburger Bands und sonstigen Höhepunkten. Jaja, äh - Moinmoin!
 
 
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