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Europa | 29.10.2004 | 23:18 
Tektonische Tellerrandverschiebungen, wechselnde Weltveränderungen und zarte Zivilisationskritik

Farkas, Andreas

 
 
Ich zahle wieder mit Schilling.
  Nachdem wir uns ja nicht einmal darüber einig sind, ob wir die Türkei in unsere schöne Europäische Union reinlassen wollen, werden die Beitrittsverhandlungen mit Uganda wohl noch länger auf sich warten lassen.

 
 
 
  Deshalb zahlen die Leute hier immer noch mit Schilling.
Kein geringer Teil des Werts der in Uganda kursierenden Geldmengen basiert auf großzügigen Kapitalinjektionen aus der Gemeinde der so genannten Geberländer. Sie steuern unter anderem 51% von Ugandas Staatshaushalt bei.

(Leider ist der ugandische Schilling dadurch schon so hart geworden, dass selbst die Kaffeepflanzer auf tausenden Tonnen zu teuren Bohnen sitzen bleiben.)

 
 
Hier sind die Moneten zu Hause: Kampalas down town besteht aus Bankgebäuden.
 
 
teures Pflaster
  Vor allem die Ugander können sich das Leben in Uganda kaum leisten. Für zehn Minuten Internet zahlst du 500 Schilling, wenn dich die Malaria erwischt, brauchst du 1.500 Piepen fuer Tabletten. Das erste Jahr Volksschule kostet dich 6.000 Schilling (exklusive Schulbücher und obligate Schuluniform), wenn du dann freiwillig eine höhere Schule besuchst, blätterst du 150.000 Schilling (exklusive Prüfungsgebühren) pro Trimester hin. Falls du vorhast einmal zu studieren, solltest du schon mal anfangen auf die 500.000 bis 1 Mio Schilling (je nach Studienrichtung) pro Semester zu sparen.

 
 
Womit eine ugandische Familie (bei guter Ernte) eine Woche auskommen muss: 6.000 Schilling.
 
 
Geld ist alles.
  Kein Wunder also, dass die meisten Leute permanent pleite sind. Darüberhinaus lassen umfängliche Verbindlichkeiten gegenüber der Großfamilie die Freude über erworbenes Einkommen von kurzer Dauer sein.

In der Sprache der Lugbara bedeutet "Afu":
1. ausbrechen, entkommen
2. klettern
3. Stolz
4. Geld.
 
 
 
Geiz ist geil (?)
  Und jetzt bin ich also Millionär geworden.

Für meinen zivilen Dienst beim katholischen Radio und dafür, dass ich euch hier ab und an Geschichten rein drücke verdiene ich insgesamt eine runde Mille im Monat.

Das Gefühl Millionaer zu sein, ist ambivalent und nicht ohne Unbehagen. Meine maßgeschneiderten Lederschuhe sehen richtig schnieke aus, auch der Komfort eines Hausmädchens ist keine schlechte Erfahung. Aber ich wünschte, unser Gartenzaun hätte keinen Stacheldraht und der bewaffnete watch man, der gemeinsam mit 2 paranoiden Hunden unser Haus vor ich-weiß-nicht-was behütet, würde ein weniger absurdes Dasein fristen.

Naja, man kann nicht alles haben.

 
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