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Europa | 23.4.2005 | 19:31 
Tektonische Tellerrandverschiebungen, wechselnde Weltveränderungen und zarte Zivilisationskritik

Farkas, Andreas

 
 
"...tokotokotokotokotoko-tokotokotokotokotoko...!"
  Ich erwache als der lange ersehnte Regenguss bereits vorüber ist. Etwas hat mich geweckt.

Ein eigentümliches Geknatter dröhnt von irgendwo her. Ich trete aus dem Haus und stehe im Garten um das Geräusch, das mich so jäh aus dem Schlummer gerissen hat, lokalisieren zu können.
 
 
 
"...takatakatakatakataka-takatakatakatakatak...!"
  Ringsum tropft es noch ein wenig von den Büschen, die Erde hat alles Regenwasser geschluckt und fängt gerade an zu trocknen.

Und die Luft ist voll von diesem Geknatter!

Aus verschiedenen Richtungen dröhnt es von "...tokotokotoko...!" bis "...täkätäkätäkä...!" und ich versuche mir die Art Maschine vorzustellen, die diesen Lärm produziert. Ich beschließe hinüber zur Radiostation zu spazieren und Wachhauptmann Taa zu fragen, worum es sich handelt.

 
 
Subterranean
  Taa muss die Beunruhigung in meinem Gesicht gelesen haben, denn er knattert mir herzhaft ein zahnloses Lachen entgegen bevor er mir bereitwillig Auskunft gibt: es handle sich um Onya, auch "white ants" genannt, an deren Hervorlockung aus unterirdischen Nestern Kinder besonderen Gefallen finden würden.

 
 
 
Tatsächlich: gleich auf der anderen Straßenseite finde ich die erste noise-band, VolkschülerInnen, die ohne Unterlass auf Plastikschaffeln und halbe Kanister drummen.
 
 
Prinzessinen zu essen
  Die unterirdisch versammelten "white ants" sind allerdings weder "white" noch "ants", vielmehr handelt es sich um bestimmte Termiten, die ich schon in getrockneter Form auf einem nahen Markt im Kongo gekostet hatte: an sich recht lecker, aber ziemlich "geil", wie meine Großmutter sagen würde.

Über 3000 Termitenarten sind weltweit im Umlauf, sie alle zählen zu den staatenbildenden Insekten. In der Termitenmonarchie gibt es männliche und weibliche Arbeiter und Soldaten und in jedem Termitenbau lebt ein Königspaar in einer winzigen Kammer, in der täglich (bis zu 20 Jahre lang) hundertausende Eier befruchtet und gelegt werden müssen.

Einmal im Jahr, meist zu Beginn der Regenzeit, wenn das Erdreich geschmeidig ist, schwärmt eine neue Generation von Prinzen und Prinzessinnen zum Hochzeitsflug aus. Für dieses Event sind den jungen reproduktionsfähigen Termiten Flügel gewachsen. Unter tausenden schwirrenden Geschwistern finden sie im Nu ihren jeweiligen Lebenspartner, mit dem es sogleich um die Produktion einer Nachkommenschaft und damit um die Gründung eines eigenen Termitenstaates geht.

 
 
 
 
Künstlicher Donner
  In dieser Jahreszeit, wenn mit dem Schwärmen der "white ants" jederzeit gerechnet werden kann, hat es Tradition, die Termiten auszutricksen. An die Ausgänge der Erdnester bauen die Kinder Fallen aus Lehm, rundherum wird Wasser geschüttet um Regen vorzutäuschen und das Getrommel soll die Termiten davon überzeugen, dass es sich um ein richtiges Gewitter handelt.
So wird ein vorzeitiger Hochzeitsflug bewirkt.
 
 
 
Einfach aber raffiniert - die Termitenfalle im Querschnitt. Das durch die Öffnung einfallende Sonnenlicht suggeriert Freiheit. Aber auf dem befeuchteten Blatt des Cassia-Baumes rutschen die Termiten ins "outlet". Der Hochzeitsflug fällt flach.
 
 
Im Inneren der Falle: aufgebrachte Termitensoldaten haben spitzgekriegt, dass etwas faul ist im Staate der Termiten. Aber auf dem befeuchtetet Blatt des Cassia-Baumes geraten selbst Soldatenfüße ins Schlenkern.
 
 
Ein gefangener Termitenprinz (oder Prinzessin?). Nach Entflügelung wahlweise roh, getrocknet, gesalzen und geröstet oder faschiert und als Laberl gebraten zu genießen.
 
 
 
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