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Europa | 25.4.2005 | 19:56 
Tektonische Tellerrandverschiebungen, wechselnde Weltveränderungen und zarte Zivilisationskritik

Farkas, Andreas

 
 
Turn off your brain
  Die weltweite Anti-Fernseh-Bewegung hat diese Woche zur 11th International TV Turn-Off Week erklärt. Bis einschließlich 1. Mai soll jegliches Programmangebot boykottiert werden. Allein in den USA wird mit über 7,6 Millionen TeilnehmerInnen gerechnet, die diese Woche ausschließlich mit screen-free activities verbringen wollen.
 
 
 
TV-Gegner immer agressiver
  Unsere Kommerz-Freunde von Adbusters haben eine universelle Fernbedienung namens TV-B-Gone entwickelt, die praktisch jedes Fernsehgerät im Umkreis von 400 Metern außer Gefecht setzt. Für 13 Dollar das Teil sind angeblich ganze Schiffsladungen davon an die AktivistInnen von White Dot nach Australien und UK geschickt worden, wo heute damit begonnen wurde TV-Geräte in Pubs und anderen öffentlichen Orten wahllos auszuknipsen.

 
 
 
 
  In einer Welt, in der Massenhypnose als Voraussetzung erscheint, können solche verzweifelt radikalen Aktionen nur als praktische Witze verstanden werden.

Schließlich liegt es doch in der Eigenverantwortung eineR jeden außer Fernsehschaun auch noch etwas anderes zu machen.


 
 
 
 
  Weil ich hier schon seit August ohne TV lebe, ist es mir ein Leichtes, mich an der fernsehlosen Woche zu beteiligen. Sporadisch aufkeimende Entzugserscheinungen werden durch eine gesunde geistige Umwelt wett gemacht.
 
 
 
Tagebucheintrag, 29.7.2004
  "Ich bin addicted nach TV, Radio, Internet.
Besonders im TV wird eine Art von glückseliger Ganzheit oder Ganzmachung geboten, die mein fragmentiertes, verschütteltes alltägliches Leben (voller Löcher und Momente leerer, trauriger Gedanken) mir nicht bietet.

 
 
  Im TV gibt es: Kontinuität, bekannte Gesichter, sinnstiftende Narrative, Ordnung, Zusammenfügung, Anschluss an viele Welten von Gemeinsamem; trotz oder wegen wohlkalkulierten Überraschungsmomenten: vertraute Berechenbarkeit, durch Zeitabläufe strukturierte regelmäßige Zusammenfügung und durch Vorschauen, Wiederholungen, Programmhinweise etc. ein Maß an Orientierung wie wir es in unserem sonstigen Leben zwischen Erwerbstätigkeiten/ privatem Beziehungshaushalt/ "Freizeiten" kaum jemals finden werden.

Und bei all dem ist Fernsehen: Trost für die bittere Vereinzelung.
 
 
 
  TV ist die geniale Lebensdroge, Ersatz für ein reales unberechenbares Leben. Schade, dass die Gags und Effekte immer billiger und primitiver, die Sensationen immer irrwitziger, obszöner und schockierender werden, im Vergleich dazu wird die Realität immer stummer und leerer.

Bis wir vielleicht einmal dermaßen schundgeschädigt und innerlich von Bildern abgetötet sind, dass uns das Erleben der banalsten Erscheinung der Wirklichkeit...?

 
 
  Nein, daraus gibt es kein Entrinnen.

Ich spüre die Folgen der Verblödung in mir selbst, nach 1 1/2 Stunden zappen ist es mühsam an klare Gedanken heranzukommen. Ich hoffe sehr auf meine bevorstehende Entziehungskur, das visuelle Gift, das sich in mich eingegraben hat, wird nur langsam halbwärts abgebaut werden..."



Eine Woche TV-Boykott ist natürlich mehr eine symbolische Aktion. Aber ich bin mir sicher: Es wirkt.

 
 
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