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Wien | 15.8.2008 | 15:07 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
It's raining bands ...
  ... and it was all yellow. Nass vor, hinter und um die Green Stage herum am zweiten Tag des FM4 Frequency.
 
 
 
Big U. und Little B. - die zwei von der Yellow Press.
 
 
  Natürlich haben wir uns zu früh gefreut. Wo wir gestern noch unsere Körper in Sonnencreme aller erdenklichen Lichtschutzfaktoren getunkt haben, verhüllen wir sie heute in haufenweise "Funktionskleidung". Der Wetterdienst meldet ernst zu nehmende Unwetter-Warnungen im ganzen Gebiet, die Festivalbesucher hatten heute morgen wohl ein unangenehmes Erwachen. Trotz Wind, dicken, fetten Regentropfen, kleineren Flüssen unter den Füßen, eisigen Händen und Zehen und extrem "stilsicherer" Bekleidung: the show must go on. Für Kollegin Reiser und mich heute wieder auf unserem Outpost bei der Green Stage, die heute hart beginnt:
 
 
 
Kontrust
  Da wird man vom Open Stage Tent als British Sea Power Ersatz auf die Green Stage verfrachtet, und keiner kommt. Ein Jammer, der aber sicher nichts mit Kontrust zu tun hat. Viel mehr mit diesem unerlässlichen Unwetter, das auf die Besucher gnadenlos herunter prasselt. "Frequency! Wo seid ihr?" Bei der null-acht-fünfzehn Bühnenansage des Frontman in die gähnende Leere schwingt auf einmal eine bemitleidenswerte Stimmung der Einsamkeit mit. Trotzdem, Kontrust machen einen auf Guano Apes/Korn und lassen die zwei Percussionists ordentlich reinhauen. Schließlich muss man ja Chikinki, die wegen ungünstiger Windböen immer wieder herüber wehen, übertönen.
 
 
 
 
 
 
 
Blitz und Donnerwetter! HiFi Handgrenades macht das schlechte Wetter gar nix - statt dessen huldigen sie den Green Day. Straightforward punkiger Rock, zum Aufwärmen.
 
 
 
 
I AM X
  Chris Corner, Herr I AM X, hat es geschafft, sich auf die Statur des Jack Skellington aus "Nightmare before Christmas" herunter zu hungern. Jedesmal, wenn ich ihn sehe, sieht er dünner aus. Ein Wahnsinn. Allerdings erlaubt ihm diese Figur, eigenartige, verführerische Tänzchen auf der Bühne hinzulegen und sich problemlos elegant rückwärts über eine Monitorbox zu werfen. Gekleidet in einen schwarz-weißen Anzug mit Zylinder, wirkt Herr X wie ein morbider Zirkusdirektor. Sonst nicht viel Neues von der Band, deren Schema schön langsam ein wenig langweilig wird. Die Songs, die ja eigentlich recht gut und clever sind, verschmelzen zu einer monotonen Masse. Das affektierte Herumgefuchtle der Keyboarderin nervt mehr, als es animiert. Zu ihrem Outfit möchte man nur sagen: Ein bisschen glitzer, glitzer schön und gut, aber diese Auswahl würde ich mir noch einmal überdenken. Chris Corner stellt uns sein Pony vor (aus Plastik), trink Rotwein aus der Flasche und reicht diese dann ins Publikum weiter. Lasziv rollt er seine skinny Jeans rauf, bis er seine kniehohen Ringelboots komplett zur Schau stellt. Es wäre, als hätte Tim Burton hier den Set-Decorator gespielt, aber es wirkt dann doch nicht so charmant. Obwohl es die Musik von I AM X heute nicht in mein Herz schafft, sagt Chris Corner dann doch das, was sich alle denken: "Was ist denn das für ein Scheißwetter, ja?".

 Was nicht passt, wird passend gemacht
 
 
Foto: Dominique Hammer
 
 
Foto: Dominique Hammer
 
 
Blackmail
  "Ihr müsst dem Regen strotzen! Ihr schafft das, ihr seit noch jung!" Der Preis für den sympathischsten und fürsorglichsten Frontman geht an den von Blackmail. Er hat es geschafft, die lose Crowd trotz erneutem Schlechtwetter in eine bessere Stimmung zu versetzen - und zwar mit dem best-inszeniertem Crowdsurfing, das ich je gesehen habe. Mit großer Zeremonie, Planung, Anweisung und den Worten "Ich werde auch gleich nass, keine Sorge", legt er sich sanft in die Arme seiner Fans. Die schupfen ihn dann einmal nach hinten und zurück und fertig ist das Rock Spektakel. Er schafft es auch noch dabei zu singen und keinen falschen Ton zu treffen. Alle Achtung. Als Dankeschön erklärt er den Leuten dann, fast wie ein lieber aber verrückter Onkel, wie man die "Wall of Death" macht. Da spalten sich die Reihen in der Mitte und stürzen dann "wie Berserker" auf einander los. Verlief ohne Probleme und hat allen Spaß gemacht. Als Dankeschön dann zwischen den Gesangseinlagen wird ein ganzer Haufen Wasserflaschen in die Menge geworfen. Hach, wie lieb von Dir, aber Wasser haben wir momentan genug um die Ohren.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Slut
  Die Ingolstädter Slut läuten die Dunkelheit für den heutigen Abend ein. Auch gut so, denn nur unter schwarzem Himmel kommen die minimalistischen Visuals der Band zur Geltung. Dazu noch schummriges Licht und die fast schon Editors-artigen Klänge und man könnte es gemütlich nennen. Wäre da nicht dieses ständige Prasseln an meinem gelben Regenhut. Nach Blackmail und I Am X erwarte ich mir auch hier einen dynamischen Frontman, aber vergebens. Zurückhaltung, dafür aber mehr Stil, steht bei Slut am Programm.
 
 
 
 
 
Iron & Wine
  Kaum dreht man sich einmal um, kauft sich ein Stanitzel Fritten, und schon steht die Allman Brothers Band vor einem. Ach so, die legendäre 70's Classic Rock Band wird nicht nachgeahmt, sondern Sam Beam, mein Retter aus Florida, hat seine Freunde zur nächtlichen Monterrey Pop?Nachmach-Session eingeladen. Ich hatte befürchtet, ein einsamer Sam samt Gitarre würde in diesen Verhältnissen (Wetter, Uhrzeit, Reihung der Acts) komplett untergehen, aber er hat es geschafft. Intensive Rock Balladen sind die Nummern auf "Shepherd?s Dog" in der Live-Umsetzung geworden, unterstützt eben von dieser acht-köpfigen Band. Dreimal Percussions (inklusive Xylophone)! Es scheint fast so, als hätte Iron & Wine sein Studio in Texas eingepackt und nach Salzburg verfrachtet. Die Songs werden in die extended Versions gedehnt und trotzdem verliert man kein Interesse. Mit diesem sanften, southern drawl kann Sam Beam in meinen Ohren sowieso nichts Falsches machen. "Do y'all want something to dance to so y'all can keep warm?" Yes please, good man.
 
 
 
 
 
 
 
Adam Green
  Der körperlich anstrengende Tag auf der Green Stage wird von Adam Green, einem gern gesehenen Gast in diesem Lande, beendet. Adam, der mir am Nachmittag im Interview noch gut gelaunt von seiner Hochzeit berichtet, fängt sein Set mit aggressivem Herumgetobe an. Der MASH Helm wird durch die Gegend geschleudert und das Mikro kurzerhand komplett zerstört. Diese Stimmung hält sich dann als Grundtenor trotz Popo-Wackelns des Barden. Scheint als hätte der Gute einige noch mehr euphorisierende Substanzen in sich, oder macht Liebe wirklich so blind? Versteht mich nicht falsch, Adam ist ein guter Bekannter, aber so möchte ich ihn dann auch nicht sehen. Irgendwie ist alles off, die Songs halbherzig runter genudelt, nur gerettet durch die Engelsstimmen der Back-Up Sängerinnen Hannah und Leisha. Gegen Ende des Sets, als wir alle nur noch nasse Schatten unserer selbst sind, nimmt das Tempo zu, die Songs werden wilder und Adam rettet sich mit einem "My Girl" Cover aus seiner bis jetzt schlechtesten Show. In der Einleitung zu "Tropical Island" meint er: "This will remind you of those better nights". An die werd ich auch bis zum nächsten Mal denken.
 
 
 
 
 
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