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Wien | 31.8.2008 | 19:11 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Be True To Your School
  Gelungene cineastische Annäherungen an das heikle Thema "American High School", aus der Sicht einer, die selbst mal Teil davon war.
 
 
 
  When some loud bragger tries to put me down / And says his school is great / I tell him right away /Now what's the matter buddy / Ain't you heard of my school / It's number one in the state

Als Kollegin Reiser mich anstupst und fragt, ob ich zum Kinostart von "Charlie Bartlett" etwas zum amerikanischen Phänomen Schulfilm schreiben will, ist meine erste Reaktion Verwirrung. Schulfilm? Das ist doch hohe deutsche Kunst, mit einem schlaksigen Ilja Richter, der die Lehrer in den Wahnsinn treibt. Ja, und dann? kontert unsere Cineastin vom Dienst. Stimmt. Was Deutschland nicht lang nach dem Sommer of Love gleich wieder verworfen hat, haben die USA zu seiner eigenen Tradition gemacht. Hollywood hat es geschafft, den Schulfilm, die High School Comedy, den High School Horror und alles andere rund um die vier schwierigsten Jahre im Leben eines Menschen gekonnt weiter zu spinnen. Was einst bei "Grease" angefangen hat, ist jetzt bei "Juno" angekommen. Aber was macht den High School Film zum High School Film und wie sehr stimmen die Klischees wirklich? Während sich Kollegin Reiser hier "Charlie Bartlett" widmet, versuche ich hier anhand einiger Beispiele, das Konzept High School Film zu beleuchten.

Das Schöne ist, dass jede öffentliche Schule in den USA gleich ist. Lange Gänge an deren Wände die Spinde stehen. Bevorzugte Farbe: Blau. Eine überdimensionale Sporthalle, eine überdimensionale Cafeteria mit Unessbarem, einen Parkplatz für die Schüler über sechzehn, die schon ihren Führerschein haben. Durch diese universellen Codes, kann man sich in jeder Ecke des Landes, von Alaska bis nach Maine mit dem High School Film identifizieren. Been there, done that.
 
 
 
Venice High, Schauplatz von "Grease"
 
 
Clueless
  Als ein kleiner Film namens "Clueless" im Sommer 1995 in die Kinos kam, war ich sofort verliebt. Schöne Mädchen mit schönem Gewand und Kugelschreibern mit einem Federpuff oben drauf. Damals habe ich natürlich wegen meiner sehr jungen Jahre die Hälfte nicht verstanden, und bei einem jetzigen repeat nach mehreren Jahren Pause war ich ganz schockiert: Das ist ja wirklich alles so! Natürlich ist die Geschichte der steinreichen Cher Horowitz und ihren Kumpels in Beverly Hills ein Märchen sonder gleichen. Natürlich hat niemand Zeit sich stundenlang vor der Schule in ihren digitalisierten, begehbaren Schrank zu verkriechen. Natürlich kann man in der Schule einfach nicht so wenig arbeiten und trotzdem die Nummer eins sein. Aber: "Clueless" ist trotz seines überkandidelten Stils ein Film der mit selten viel Herz die verschiedenen Persönlichkeiten einer zusammengewürfelten High School Clique genau auf den Punkt bringt.

Es gibt eine Szene, da trippelt Cher über den Quad, also den Platz vor dem Hauptgebäude, und ein Kameraschwenk zeigt uns alle kleinen Subkulturen die sich dort versammelt haben. Die Stoner, die Skater, die Hip Hop-er, die popular girls. Auch Tai (gemimt von Brittany Murphy bevor sie zu Hollywoods Monster mutiert ist), das neue, verlorene Mädchen, das von der coolen Gruppe als "Projekt" angenommen wird, ist ein Bild aus der Realität. High Schools sind nicht eine ewige "West Side Story" Geschichte - meiner Erfahrung nach gibt es zwar ganz strenge Regeln und ganz streng geteilte Gruppen, aber nichts ist unpassierbar oder unmöglich. Die Fabel der bösen Cheerleader, a la "Mean Girls", die es nur auf die Leseratten abgesehen haben ist eben oft nur ein Klischee.

 
 
 
 
  Und deswegen habe ich "Clueless", vor allem nach der High School, ganz fest in mein Herz geschlossen. Ein Film der dermaßen mit Stereotypen um sich wirft und es trotzdem schafft, so viel Wahrheit zu sprechen, gehört gehuldigt. Hätten sie damals schon netten Teenie Filmen Oscars verliehen, hätte "Clueless" sicherlich einen bekommen sollen.
 
 
 
Can't Hardly Wait
  Mein anderer Lieblings High School Film ist einer, der nur in den ersten paar Minuten den cineastischen Fuß ins Schulgebäude setzt. "Can't Hardly Wait" aus 1998 ist eine filmische Vereinigung beliebter 90er Teenie-Schauspieler (Ethan Embry, Jennifer Love Hewitt, Seth Green) und auch ein Film, der sich problemlos hinter die Großen der 80er einreihen kann.

Diese dienten auch als Inspiration für "Can't Hardly Wait", allerdings wurde dieser dann auf seine Essenz, nämlich die Party Szene konzentriert. Nach der graduation der berühmt-berüchtigten Abschlusszeremonie (ja, man muss wirklich so ein Ding am Kopf tragen), wird die größte Party des Jahres geschmissen.

Das bekannte Schema (Eltern weg, Party Crashers), löst sich bald auf, indem statt Chaos, die einzelnen Charaktere beleuchtet werden. Preston liebt Amanda und will es ihr nach vier Jahren Qualen gestehen. Kenny und Denise können sich kaum ausstehen, bis sie gemeinsam im Bad eingeschlossen werden und im Laufe der Party große Gefühle für einander entwickeln. Und diverse andere Spinner, Schüchtis und Antihelden die über die Leinwand flitzen. Klingt simpel, und ist es auch. Doch die Dialoge und Gefühle die vermittelt werden sind authentisch, lustig und berührend. Es handelt weder von der übertriebenen Frivolität eines "American Pie", noch kommt die komplette Macho-Zerstörung eines "Animal House" vor. Zwar ist mir so ein Hedonismus während meiner High School Jahre selbst nie wirklich untergekommen, trotzdem kann ich mir vorstellen, dass falls solche Dinge wirklich passierien, dann genau so.

"Can't Hardly Wait" ist die 100-minütige Version des Smashing Pumpkins' Videos "1979" und einer der meist unterschätzten Teenie Filme überhaupt. Vor allem Seth Green's Auftritt als peinlicher white boy gangster bringt mich heute noch zum lachen.

 
 
 
 
Und, und, und
  Der High School Film erfindet sich zwar nie neu, wird aber auch nie müde. "Jawbreaker" beschäftigt sich im 90er Jahre Technicolor mit der "Carrie" Frage, "Rushmore" taucht mit einem verkorksten Wunderkind in eine Welt des "Catcher in the Rye", "Election" zeigt die lustigen, neurotischen Schattenseiten des Erfolgsdrucks. "Superbad" und seine liebenswerten, jungfräulichen Weiberhelden mit schlechten Manieren haben zuletzt die neue Generation der High School Filme eingeläutet. Und alle haben sie irgendwie recht, die einen mehr, die anderen weniger. Es war ja wirklich so im echten Leben, wird mir jedes Jahr in dem ich mich weiter von meiner eigenen graduation entferne, deutlicher. Es war ja genauso wie dort auf der Leinwand.

Travis: I would like to say this. Tardiness is not something you can do on your own. Many, many people contributed to my tardiness. I would like to thank my parents for never giving me a ride to school, the LA city bus driver who took a chance on an unknown kid and last but not least, the wonderful crew from McDonalds who spend hours making those egg McMuffins without which I'd never be tardy. Clueless, 1995
 
 
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