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Wien | 7.9.2008 | 18:48 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Donauinselfest, Sonntag.
  Heute ist alles von Staub bedeckt, hier in unserem redaktionellen Container. Draußen schaut es aus, als würde es bald stürmen. Bevor wir uns vertiefen, darf ich vorab noch ein Paar Fakten zum diesjährigen Fest liefern? Heuer wird's kein Feuerwerk geben. Schade. Obwohl, den knall-bumm Effekt bekommen wir sicher nacher von Deichkind. 150 Standln bescheren uns drei Millionen Brathühner, zwei Millionen Steckerlfische, sieben Millionen Würstel, eine Million Kebabs und ich bin trotzdem hungrig. Vielleicht kann mich ein guter Rock 'n' Roll ja über die Runden bringen. Kollegin Kathi Brandl über die ersten Bands des Tages:
 
 
 
Höchst sympathischer Auftakt von Squishy Squid!
 
 
Trotz Namensverwirrungen - "ja, wir sind Corvin" - und mittagsbedingtem Menschenmangel nehmen Corvin ihren Metalcore sichtlich ernst.
 
 
Der Sänger von Devilate. Unter anderem im Programm: "I spit on your grave" und "Cage of Hate". Wild - Be afraid honey, it's Devilate!
 
 
Sympathy for Nothing (die ILA Gewinner 2008) steigern die Frauenquote.
 
 
Motivierte und skeptische (rechts!) Fans von Devilate.
 
 
Marilies Jagsch
  Ich übernehme wieder die Berichterstattung für eine unglaubliche Musikerin. Marilies Jagsch hat sich für die größte Bühne, auf der sie je war, Verstärkung mitgebracht: ihren Bruder Konstantin am Bass, die ALASACs an ihren diversen anderen Instrumenten. Schön zu sehen, dass die Band, die sie regelmäßig mit ihrer Stimme unterstüzt, das Gleiche auch umgekehrt tut. Apropos Stimme - die von Marilies ist ein Wahnsinn: verraucht, stark und zerbrechlich zugleich. Mit Band ist es dann eher beschwingter, später nur vom Cello oder ihrer eigenen Gitarre begleitet wird's introspektiv. Gegen Ende ihres Sets lässt sie die frühe Cat Power mit einem etwas kantigeren Stück nach Wien kommen. Die Metalfans, die sich noch immer vor der Bühne tummeln, sind gar nicht mal so abgeneigt. Dann noch ein Duett zwischen ihr und Herrn Stanzel, dass auch auf der demnächst erscheinenden ALASAC-Platte zu finden sein wird. Ich mag sowas, verbandelte und verbündete Bands, die auf Bühnen Herzen brechen können.
 
 
 
 
 
Esteban's
  Obwohl wir uns alle schon unser Jäckchen umgelegt habe, vertraut Esteban's (vor allem Frontman Christoph Jarmer) auf das Tropische. In kurzen, wirklich kurzen, knallgrünen Shorts und Cowboy-Hut betritt er die Bühne. Sommer-Feeling auch beim immer wieder ausgerufenen "Insel!" und natürlich auch bei den Melodien, die Esteban's von Spanien bis nach Hawaii führen. Diese Melange und die immer wieder unberechenbar verlaufenden Songs machen die Band aus, mir ist das alles ein bisschen zu sehr zusammengestückelt. Sind wir jetzt Country, am Strand oder doch in einer kleinen Cantina? Auch die Performance war mir einen Hauch zu holprig - da Esteban's aber ein relativ junges Projekt ist, verzeihe ich dass sich die Herren auf der Bühne noch nicht so richtig aufeinander abgestimmt sind. Die Arrangements, das Händeklatschen als Percussion, den grossen brummeligen Bass, finde ich alles gut und funktioniert auch gut für Open-Air. Das "We Are Your Friends" Cover von Justice vs. Simian am Ende des Sets dann doch eher weniger.
 
 
 
 
 
 
 
Miss Platnum
  "Wien! Get the fuck up!" Hip Hop Ansagen von einer Diva ? Miss Platnum und ihre Crew sind gelandet. Oder sollte man Girl Group sagen? Frau Platnum feiert mir ihren bezaubernden Back-Up Sängerinnen zwei-jähriges Bühnenjubiläum, deswegen haben sie sich extra schick gemacht, heute im schimmernden rosa. Explosiv währe eine Untertreibung um diese Bühnenshow zu beschreiben -gleich beim ersten Takt wird gerüttelt und gehopst. Der erste Song handelt vom Essen, das genossen werden soll, die darauffolgenden hauptsächlich von Geld. Miss P. hätte gerne mehr davon, ein Mercedes Benz würde es aber auch tun. In einem affektierten Hollyoowd-Russisch rollt sie ihre "Rs" und übergibt der Band die Bühne für das allerärgste Trompeten Solo dass ich je erlebt hab. Die abwechslungsreichste Show des Abends, des Festivals vielleicht sogar. Die Crowd ist aufgewärmt, hat brav ihre Tanzeinlagen absolviert und es sich nicht nehmen lassen bei der Power-Hymne "I want a diamond, I want a man, I want Miss Platnum" nach ihrem Idol zu kreischen. Die Frau, nein die ganze Band, haben Ausstrahlung.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wer da wohl ein Sofa im Backstagebereich verschönert hat...
 
 
Shout Out Louds
  "We call it a comeback", ich nenn's apokalyptischen Regensturm. Oh nein, alle Prophezeiungen sind war geworden und wir haben die (zumindest temporäre) Sintflut. Und während es mir in die Kamera regnet und die schwedischen Shout Out Louds ihr Publikum auf seine Bereitschaft mit einem sehr langen, langsamen Intro prüfen, wackeln hinter mir schon die ersten bunten Regenschirme. Den Frontman der Band habe ich ja schon vorher beim Essen erspäht - er hat allerdings nur etwas verwirrt und verzweifelt das Angebot betrachtet anstatt sich aufzutischen zu lassen. Scheinbar hat er aber doch noch seinen Energieschub bekommen, den dieses SOL Set ist legendär. Ich habe die Band schon oft gesehen, noch nie hat alles so gestimmt wie jetzt. Wieder in ganzer Besetzung, brauchen sie scheinbar einen gewaltigen Handschlag der Natur um sie so richtig in die Gänge zu bringen. Hingebungsvoll wird hier gerockt, so sehr sogar, dass wir "da draussen" alle vergessen dass uns, wenn's so weitergeht, bald die Schuhe davon schwimmen. "We're really proud of you for staying with us in this rain" werden wir gelobt und ich kann zustimmen dass die Euphorie auf den Gesichtern des (vor allem weiblichen) Publikum für keine Sekunde erloschen ist. Kommt's nur mir so vor oder ist der Sound der Band gar noch ein Stücken mehr in Richtung Cure gerückt und düsterer geworden? Oder ist das nur die natürlich Antwort auf ihre Kulisse? Kulminieren tut das Ganze in einem starken Gesangsgewitter mit Kuhglocke- Erheben wir noch einmal gemeinsam unseren Schirm für die schwedische Leidenschaft!
 
 
 
 
 
 
 
Deichkind
  Wer braucht schon ein Feuerwerk als krönenden Abschluss, wenn er ein Deichkind hat? Das hoch-antizipierte Finale des heurigen Festivals wird von 4-6 Männern geliefert, die sich Outfits aus schwarzen Müllsäcken und reflektierenden Klebeband gebastelt haben. Deichkind ist wie eine Gruppe entlaufener Kindergärtler aus der Hölle, oder wie die Gremlins vielleicht, die einerseits putzig sind, andererseits ab Einbruch der Dunkelheit durchdrehen. Sie beschwören als Opener, mit Devo-artigen, leuchtenden Pyramiden auf dem Kopf, den Anführer der Truppe herbei, danach wird zu diversen Abhandlungen von "Yippie Yeah" wird geturnt, getanzt und Hände-haltend Trampolin gesprungen.

Sie schaffen es, dass das gesamte Publikum einstimmig "Ich will Pizza" schreit, dafür bekommen sie bei der Zugabe die Verantwortung das Ganze "Krawall und Remmidemmi" zu singen, ohne Hilfe der MCs. Das war beindruckend. Die Besetzung auf der Bühne wechselt sich andauernd ab, mal tanzt der eine mit dem Besen, der andere als Skelett verkleidet, dann wieder oben-ohne - "Fahr mit mir Karussell, in andere andere Welt" bieten sie uns ja schliesslich an. Stattdessen traut sich ein waghalsiges Deichkind auf seinem farbenfrohen Schlauchboot auf den Händen der Menge zu treiben -einmal ganz den Hügel rauf, und wieder zurück. Crowdsurfing, mal anders. Die Übergänge und Songs fließen in einander, trotz des simulierten Chaos scheint alles bis aufs letzte Detail einchoreographiert zu sein. Das Gefühl, man ist in einem bizarren Vergnügungspark gelandet statt auf eine Konzert, wird immer stärker, und auf die "lebenswichtige Frage": "Wollt ihr mit uns ans Limit gehen?!" kann man nur hechelnd den Kopf nicken.
 
 
 
  Deichkind haben uns einen über den Kopf gehaut, aber im besten Sinne. Sie haben das Donauinselfest komplett auseinander genommen und mit ihrem Set wohl alles übertroffen was an drei Tagen hier über diverse Bühnen getänzelt ist. Jetzt ist nichts mehr da, außer Staub.
 
 
 
Jetzt ma' schnell det Trampolin hoch auffa Bühne...
 
 
 
 
 
 
Und Tschüss!
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