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Wien | 6.9.2008 | 15:50 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Donauinselfest, Samstag: Ein Hitzehappening mitten in Wien.
  Am Weg zur FM4 Planet Bühne, auf der Floridsdorferbrücke, schlendert ein einsamer rosaroter Luftballon entlang der Fahrbahn. Links und rechts nur Hitze, schimmernder Beton und leise Klänge des Soundchecks. Ruhe vor dem Sturm sozusagen, obwohl der meteorologische Sturm wahrscheinlich heute nicht mehr kommen wird. Es ist vor allem sehr, sehr heiß hier - das hätte sich im September wohl niemand erwartet. Aber wir haben noch einmal tropisches Feeling, und das deluxe. Genießen wir es.
 
 
 
 
 
Bernhard Eder
  Der talentierte Songwriter, der mittlerweile Berlin zu seiner Heimat gemacht hat, eröffnet den Samstag des Donauinselfests. Leider ein sehr undankbarer Slot, so haben sich nur sehr wenige der überhitzten Besucher vor der Bühne eingefunden. Die Instrumente von Bernhard wollen auch nicht so ganz, so wird das 99ste Konzert der Band unter makeshift Sonnenschirmen angestimmt. Trotz fehlender Stimmung und fehlendem Publikum schaffen sie es, ein schönes Set zu liefern - die neuen Songs (Album erscheint am 10.10.) so wie die mittlerweile zu Klassikern gewordenen Titel aus "The Living Room Sessions", funktionieren auch im ungemütlichen, prallen Sonnenschein. Zum Schluss noch ein Cover von Chris Isaak's "Wicked Game", und ab in den Schatten. Ist natürlich keineswegs die Schuld der Band, die waren spot on, aber die große Dramatik und die großen Gefühle beim nächsten Mal bitte ein bisschen später im Lineup.
 
 
 
 
 
Cherry Sunkist
  Eine der wenigen Damen am heurigen Donauinselffest betritt die Bühne um Punkt 14:45 im aufgeplusterten, weißen Ballerina-Rock. Cherry Sunkist, die Linzerin, die schon seit einigen Monaten großen Buzz um ihre Musik erzeugt, gibt dem Fest seinen nötigen Schwung. Hauptsächlich am Laptop herumschraubend, steht sie alleine inmitten der großen Bühne und liefert eine starke Performance. Über ihre oft kalt-klingenden, aber beatlastigen Melodien singt sie mit einer gewaltigen Stimme - Österreich braucht mehr solcher coolen, starken, Frauen auf seinen Bühnen! Irgendwie wie eine American Prom Queen, irgendwie wie eine verrotzte Punkerin rockt sich Cherry Sunkist durch ihr Set. Für ein Cover, dessen Ursprung ich leider nicht erkennen kann, greift sie problemlos zur elektrischen Gitarre und liefert immer wieder kleine Tanzeinlagen. Die Crowd, die sich immer noch in Grenzen hält, scheint begeistert zu sein, und ich bin es auch. Es ist wahrscheinlich zu früh, um vom Highlight des Tages zu sprechen, aber ich positioniere Ms. Sunkist mal ganz oben, und ich glaube so schnell kann sie niemand heute von diesem Podest rütteln. Ich will mehr.
You have to look forward and to keep smiling. And keep your feelings under control.
 
 
 
 
 
Die Feuerwehr löscht das schmorende Publikum. Wasser - yay!
 
 
1981
  Der Soundpark hat eine Band gesucht und sie auch gefunden. 1981, der neue Stern am österreichischen Indie-Musikhimmel, hat im Rahmen seines My Coke Music Packets auch diesen Auftritt "gewonnen". In einer Besetzung, die mich an das 70's classic rock Lineup von Iron & Wine am Frequency erinnert, wecken 1981 das Publikum auf. "Da geht endlich was weiter!" ertönt es aus den Reihen hinter mir. Frisch abgekühlt vom freundlichen Feuerwehrschlauch ergeben wir uns den schönen Harmonien der Band, die nicht nur Kollegen Jordan an Mojave 3 und Slowdive erinnern. Wir sind in der Wüste, musikalisch, und die Temperaturen kommen auch hin. Super, zu sehen wie sich die Band seit ihrem Auftritt bei der Studio 2 Session weiter entwickelt hat. Es ist noch intensiver geworden und sie können auch auf der Weite dieser Bühne ganz viel Herz vermitteln. Die Intensität steigt immer wieder auf, klingt dann wieder ab wie ein einsames Wüstengestrüpp, dass im Winde davon treibt.
 
 
 
 
 
 
 
Curbs
  Das rockende Quintett bringt den Druck und den Donauwalzer. Zu dessen Klängen wird ihr Set eröffnet, danach folgen auch noch einige Kalauer. Zum Beispiel über Pete Doherty, der ja ebenfalls am Frequency hätte sein sollen, dann aber abgesagt hat. Ein alter Hut, den Curbs als Einleitung zum Hit "Everybody Loves a Junkie" nochmals aufsetzen. "World's Gone Crazy", ein neues Stück, lenkt die Band ein bisschen Weg von "fun" und mehr Richtung Britrock. Bühnenansagen wie "Are you ready to rock?!" sind zwar garantierte Jubelbringer, kommen aber ein bisschen komisch vor einem Publikum, dass noch immer erste Reihe fußfrei genießt. Ein Lied trägt sogar den Namen der Vorgängerband als Titel, das ist doch perfektes thematisches Aneinanderreihen. Curbs haben die Donauinsel zum Stadion gemacht, natürlich mit nach Oropax verlangender Lautstärke. Aber eigentlich bin ich abgelenkt, weil ich denk schon die ganze Zeit an was, das gleich kommt...
 
 
 
Echte Rockstars haben ihre eigenen Ventilatoren auf der Bühne.
 
 
Panoramafoto für's Album.
 
 
Keeping it leger.
 
 
Kreisky
  "Als wir auf die Bühnen gekommen sind, war'n wir bleich. Jetzt sind wir knallrot." - Kein Wunder auch, denn die Band, auf die ich den ganzen Tag gewartet habe, gibt schon beim ersten Takt ihr Bestes, und das kann sich sehen lassen. Herr Wenzl, frontman par excellence, verkörpert gleichzeitig den coolen swagger eines Jarvis Cocker, gleichzeitig kann er kreischen wie ein tollwütiges Tier. Die neuen Songs, die Kreisky demnächst auf Platte pressen werden, sind vielleicht sogar noch härter als die am Debüt. "Motoren", "Geladene Gewehre" und mein Liebling, "Asthma" sind was, auf das man gespannt sein kann. Witz und Ernsthaftigkeit wechseln sich thematisch wieder einmal spielend ab - Kochen als Metapher für eine Beziehung die nicht mehr will, zum Beispiel. Kreisky aber wollen, sie wollen bis ihre Hemden nur noch nasse Fetzen sind. Trotzdem die schickste Band des Nachmittags. Sie entlassen uns mit "Vandalen" und dem simplesten Abschied, der doch alles sagt: "Offenhuber, Tischberger, Wenzl und hinten, der Mitter."
 
 
 
Crazy from the heat.
 
 
Crazy from the heart.
 
 
Florian Horwath & The Mothers of Scandinavia
  "We are all from Scandinavia" singen Florian Horwath und seine Mothers (of Scandinavia) als Intro. Natürlich eine "glatte Lüge", wie Herr Horwarth selbst klarstellt. Denn er und der Gitarrist sind ja doch eher Einheimische. Dieser Gitarrist, denn kenn ich doch von wo... hm! Horwath und Band bringen die Sonne dazu, sich endgültig für den heutigen Tag zu beruhigen - und sie verleiht ihm weiß gewandeten dann auch den nötigen güldenen Schein. We are all gold, hieß es doch einmal. Was mit einem "Uff-da!" vom Publikum eingefordert wurde, bleibt relativ langsam und andächtig. Dann schaltet sich zum herzzerreißenden "Baby You Got Me Wrong" die Nebelmaschine ein und hüllt den sitzenden Frontman in seine Schwaden. Das ist Poesie. Wild wird's dann wieder gegen Ende, fast sogar schon Angst bekomme ich, als "Sell our souls to the devil, the devil is me" immer wieder wiederholt wird und in einem Vocal-Freakout sondergleichen endet.
 
 
 
 
 
Gerald "short-shorts" Votava an der Gitarre.
 
 
Attwenger
  Mit einem charmanten, österreichischen Understatement legen die Herren von Attwenger los. Ich bin fasziniert wie wohl alle, die Attwenger zum ersten Mal live sehen, von dieser Symbiose aus Akkordeon und Schlagzeug. Dass man so eine Jam Session angehen kann, hätte ich mir nicht gedacht. Aber das, was auf Platte kompakte Hits sind, wird live ins psychedelische Licht gerückt. Fast schon meditativ wird da wiederholt und gegroovt, werden Songs gedehnt und anders angegangen. Markus Binders Performance schlägt sowieso alles, denn mein sehr unlogisches Gehirn kann es einfach nicht nachvollziehen, wie man gleichzeitig so Schlagzeug spielen kann, aber auch solche Texte, die ja zum größten Teil auf Wortspiel und -wiederholung basieren, locker zu singen. Hut ab und so. Hier gibt's dann auch eine Zugabe und eine coole Bühnenansage von den eher Wortkargen Herren: "Danke für den tobenden Applaus, mir san begeistert." I a.
 
 
 
 
 
 
 
Heinz
  Und jetzt ist es Zeit für einen Klassiker hier auf der Donauinsel. Heinz aus Wien sind schon zum dritten Mal da, diesmal mit ausgeklügeltem Bühnenoutfit. Die Matrosenkombo ist da, und so gern ich einen Mann in Uniform auch habe, irgendwie kommt es mir so vor, als würde das hier jede Minute in eine Chippendales-Revue umschwenken. Spaß muss sein und dafür sind Heinz ja auch bekannt. "Gut anschnallen, es wird ordentlich gerockt." Was kann man über ihre Hits sagen, das noch nicht gesagt wurde? Man kann sie mögen oder auch nicht - was immer passt, ist die Stimmung bei dieser Band. Sie schaffen es, ein Publikum zu motivieren, zum Kreischen und zum Mitsingen zu bringen. Ist auch eingängig, das Ganze. Die "drei alten Männer des Rocks" sind wieder mal in Höchstform, vielleicht gepowered dadurch, dass nebenan gerade ein monumentales Fußballspiel über die Bühne geht. Zwei zu Null, zwei Zugaben später, es kommt ein Gefühl von Community auf - das sind die Momente, von denen das Donauinselfest lebt. "Ihr seid die Größten", als schönes Schlusswort.
 
 
 
 
 
Einz, aus Wien.
 
 
Kettcar
  Sind wir uns ehrlich - Kettcar schreiben Hymnen. Schlachtrufe an einen selbst. Gewaltige Songs sind das, die uns die Hamburger mitgebracht haben. Das ist wirklich Graceland, baby! Nach der Nachricht, dass heute zwanzig Minuten überzogen werden darf (weil wir so brav waren), verlangt das Publikum schon nach "lauter!", bevor der erste Ton überhaupt angeklungen ist. Das Mädchen hinter mir merkt an: "Während der EM war ich für Deutschland, heute bin ich es auch". Sie sind gekommen, "vom Fluss zum Fluss" - der kleine poetische Moment wird, bevor er zu sehr in Richtung "Pathos FM" abdriftet, von dem wirklich großen "Landungsbrücken Raus" ersetzt.

Ich finde es lustig, dass vor nur neun Stunden hier die größte Wüste Wiens herrschte und man sich mittlerweile nicht mal richtig umdrehen kann. Aber die Leute wollen ihre Kettcar, die St. Pauli Flagge ist gehisst. "Mach immer, was dein Herz dir sagt" fordert Marcus Wiebusch im Text uns auf, abgesehen davon auch noch zu einer ganzen Menge an anderen Dingen. Während Heinz das eher schulmeisterlich angehen, schaffen es Kettcar, die Masse fröhlich zu animieren. Macht doch die Welle, ihr habt 3:1 gewonnen! Macht mal so, macht mal so. 20,000 Leute lassen sich nichts zweimal sagen.

"Ausgetrunken" wird zum interaktiven Spiel mit dem Publikum: die Frauen singen gegen die Männer. Ja, es hat relativ gut funktioniert. "Money Left to Burn" ist für uns heute, weil wir sicherlich noch was zu feiern haben werden. Stimmt, aber ich möchte meinen, alles war und ist für uns heute. "Wien und Kettcar, das geht ganz gut". Das Gefühl, das alles möglich ist, nimmt überhand. Kettcar schwärmen von unserem bescheidenen Städtchen und freuen sich, immer so tolle Abende hier verbringen zu können."Wien, du Hamburg Österreichs." Das ist mal ein Sager!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Good night, and good luck.
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