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Wien | 10.9.2008 | 10:47 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Where you gonna go with a heart that empty?
  Treffpunkt Arena Wien mit Conor Oberst für den lonely hearts club.
 
 
 
  Conor Oberst ist mein Freund. Nicht so einer, den ich jetzt nach seiner Show anrufen könnte, um ihm zu gratulieren ("Thanks for every last minute, you crazy genius!") aber so, dass er mich immer begleitet. Er muntert mich nach einer durchzechten Nacht im Morgengrauen auf, er hält mir die Hand, wenn's mal holprig hergeht und er kann mich immer wieder überraschen. Sein "Solo"-Album mit der Mystic Valley Band war ja schon auf Platte ein Flug in eine andere Welt. Live ist das ganze noch einen großen Schritt weiter weg von all den Dingen Bright Eyes und hin zu ... ja zu was? Ich bin baff. Die Wut eines Desaparecidos Conor, das blutende Herz, der Humor, der Blues! Nach einem schwierigen Nachmittag für Band (Tourbus kaputt in Zagreb, späte Anreise ohne Instrumente) und mich (doch kein Interview) muss Conor für mich heut doppelt hart arbeiten. Und schon mit dem ersten Akkord von "Moab" und der ersten Verlautbarung unser aller Mantra: "There is nothing the road cannot heal" schmelze ich dahin. There is nothing Conor Oberst can't do. Mit einer unglaublichen Band, die ich fast schon Supergroup nennen mag, legt er los. Classic Rock, die Kracher, seine Stimme - alles groß und bombastisch. Der schüchterne Conor, der früher manchmal vor lauter Rotwein und Antidepressiva auf der Bühne umgekippt ist, ist verflogen. Weggeschnappt womöglich vom "Eagle on a Totem Pole".
 
 
 
 
 
  Hoffentlich hat er jetzt ein für alle Mal bewiesen, dass er nicht Dylan2 ist, auch wenn er ihn covered (siehe unten). Für alle die, die's nicht glauben - eine undylanesque Schau an Demut und Demokratie ist das alles - Conor tritt mehrere Male zurück und lässt die Mystic Valley Band die Songs singen. Bei Bright Eyes gab's das, trotz aller Kollaborationen, so nur selten. Das ist Rock 'n' Roll ohne Ego, und trotzdem mit einem Herz so groß, dass es die Arena zu erdrücken scheint. Wir rocken fröhlich dahin, lachen zu Conors fast schon überschwänglichen Bühnenansagen, bis er uns beinhart mit "Milk Thistle" alle Endorphine wieder schlagartig entzieht. Totenstille in der Arena, alle Achtung. Dann nochmal einen Ausflug zu einer umwerfenden, überarbeiteten, soul-lastigen Blues Version von "Corinna, Corinna" (gibt's da einen Bootleg von?!) - ich habe Conor schon oft gesehen, aber das habe ich noch nie erlebt. Dieser neue Mut auf der Bühne sitzt perfekt

Ist es nicht beruhigend zu wissen, dass ein Künstler, den man verehrt, immer das richtige musikalische Mittelchen parat hat? Dass man jemanden gefunden hat, der dir mit seiner Musik aus der Seele sprechen kann? Where you gonna go with a heart that empty? Hoffentlich bald wieder zu uns

Oder, Herr Zikmund?
 
 
 
 
 
  Lieber Conor Oberst,

von Robert Zikmund

der gestrige Tag hatte seine Licht und Schattenseiten ...
So könnte dieser Absatz beginnen, stünde er in einem wahlentscheidenden Tages-Medium.
Tut er aber nicht.
Trotzdem lief gestern nicht alles rund für Conor Mullen Oberst.
Und bei mir ehrlich gesagt auch nicht.
Ein Conor Oberst Interview ist ja für mich generell ein bisschen wie eines mit Barack Obama für die News-Redaktion oder gar eines mit Diego Armando Maradona für Martin Blumenau oder Natalie Brunner ...

Also: intensiver Handschweiß, Rumoren im Oberbauch und intensive Vorbereitung, die sich alsbald in ihre Bestandteile auflöst, da das Interview selbstverständlich nicht stattfindet.

Und so sind wir gestern dagestanden wie bestellt und nicht abgeholt, Kollegin Matthews und ich. Barbara hat dazu den lieben langen Tag standby Umrundundgen in den heimischen Teppichboden gezaubert, ich bin von einem steirischen 8000er angereist.
Nicht, dass Arbeitsleid plötzlich interessant wäre, aber es soll niemand sagen, wir hätten nicht auch ein wenig fanclub-mäßig gelitten.
Und ein Autogramm neben dem von Layne Stayle auf meiner uralten Morla, ähm, Ibanez kann ich mir jetzt auch im wahrsten Sinne des Wortes aufzeichnen.
Nun gut, immerhin hat man uns dann mit einem konzert von überdurchschnittlicher Gutheit entlohnt.

 
 
 
  Again, there's nothing that the road cannot heal

Gemäß der klassischen Unfallmodell-Dramaturgie steht das Wichtigste am Beginn, und das war auch gestern so. Mit "Moab" hat Oberst und seine auf Paul Scharner Niveau (6 von 6) agierende Mystic Valley Band einen der zentralen Songs des Albums an den Beginn gesetzt, und fortan alles klar gemacht.
Überhaupt ist mir bei doch bereits einigen Konzertbesuchen im Laufe des Lebens der soundtechnische Unterschied zwischen Support und Hauptband noch nie dermaßen intensiv eingefahren.
Das kann gestern nicht nur am besseren Mischen und der Volumensteigerung von minus Zehn auf Null gelegen haben, sondern sagt eben auch einiges über die herausragende Qualität Obersts Musiker aus, unter anderem mit Macey Taylor, Marias Bruder, am Bass.

Und es ist auch sofort eines jener schönen Konzerte, die nie anstrengend werden. Die Jacke in der einen Hand und das Getränk in der anderen bleibt keine mehr frei zum Rauchen oder gar Klatschen, lose versammeln sich liebe Menschen um einen und schreien sich in den Pausen Anmerkungen zu, während wildfremde auf Tuchfühlung gehen, unterbrochen von ein, zwei Besuchen der Toilette oder zum Bier holen. Ungezwungen und harmonisch in jeder Hinsicht. Auch, wenn man mit seinem langen, ungelenken Körper sonst oft die Motorik-Paranoia bekommt, gestern war das irgendwie wurscht.

Nach einigen weiteren Instant Klassikern vom Ein-Monat alten Album wie "Cape Caneveral", "Sausalito" , beschließen der zufällig neben mir stehende ALASAC Sänger Stephan und ich, beiläufig Zeugen etwas entspannt Großen zu werden, dass "Get Well Cards" vielleicht doch der most dylanesque große Moment der Platte ist, und wir gerne so eine Band nach Hause mitnehmen würden.
 
 
 
 
 
  Es passt dann auch ganz gut, dass mit Fortdauer des Konzerts die meisten aus der Mystic Valley Crew mal ans Mikro dürfen, ihre Instrumente rochieren und teilweise wunderbares Material gespielt wird, das jedoch niemand wirklich zu erkennen scheint. Starke Momente wie der Album-Closer "Milk Thistle" und die most-touching Schlussnummer runden ab, wie ein guter Mocca ein Festmahl.
Nur "Lenders in Temple" habe ich irgendwie vermisst, aber vielleicht haben mich da auch bloß die verträumten Beta-phasen übermannt.

Und als wir dann am Ende in die Nacht ziehen, denkt irgendwie niemand mehr ans verpasste Interview und der Tag ward doch noch ein guter.

Did anybody miss the Bright Eyes?

Danke Conor, fürs Freund sein.

Fotos: Florian Wieser, shootingmusic.com
 
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Country Musik ist kein Dreck
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