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Wien | 1.12.2008 | 11:43 
Please don't put your life in the hands
of a rock 'n' roll band

Farkas, Christianlehner, Ondrusova

 
 
Decemberlist, Eins
  Crystal Stilts: 'Alight of Night'
 
 
 
Hinter den Bergen
  Es war ein heißer Sommerabend, es war mitten in Bedford-Stuyvesant, Brooklyn, es war irgendwo zwischen Jetlag und großer Aufregung: J. und ich machen uns schick um die Nacht zu erorbern, sie legt 'was für die Stimmung' auf und mir stehen Tränen in den Augen. Die erste, inoffizielle EP der Crystal Stilts rotiert in der Anlage und ich kann es nicht fassen. Vor lauter Freude fang' ich ein kleines Tänzchen an, und in mir fühlt es sich an, als würde mein Herz explodieren. Ja, wirklich.

Es heißt ja oft, wenn man 'erwachsen' wird, würde es immer schwieriger, etwas zu finden, was einen so begeistert wie die einstigen Blicke ins Plattenregal der Eltern. Den ersten Dylan-Moment könne man so nie wieder erfahren, und würde sein Leben lang nach diesem Kick suchen. Ich bin noch in der glücklichen Position, dass ich ungefähr zwei mal pro Jahr etwas finde, dass mein ganzes Emotionsspektrum in 30 Minuten Musik verpackt, und Dinge ausspricht, an die ich mich noch nicht mal denken getraut habe, die aber alles sagen, was gesagt gehört.

Ladies & Gentlemen, I give you, the Crystal Stilts. Musik, die jammert, leidet, anklagt und gleichzeitig bejaht und unglaublich viel Hoffnung ins Ohr legt. Musik, die sich windet, nicht greifbar ist, mysteriös im kreativen Paralleluniversum dahinschwebt. Was sagt dieser Mann? Die Band lebt hinter einer Wall of Noise, dreht die Delay Pedals auf 11, verzerrt ordentlich, und eigentlich hab' ich keine Ahnung wie der Text lautet. Trotzdem versteh' ich jeden Laut und kann es auf was extrem Intimes ummünzen. The Sinking? The sin king? The sink-in? Who knows.

Frontman Brett Hargetts Eltern sehen das nicht so locker: "My dad said, 'What the hell is that? Are those actual words or are you just mumbling?'"

 
 
 
 
  'Alight of Night' war in 15 Stunden im Kasten, fast schon ein Rekord, was die Aufnahmezeit beträgt, und durchaus ein weiterer Grund, das Album wie ein altes Polaroid wahrzunehmen. Wie meine Freundin C. meinte: 'So hätt's geklungen, wenn Ian Curtis Gastsänger bei Velvet Underground gewesen wäre.' Das ist die beste Zusammenfassung von 'Alight of Night', die ich bis jetzt gehört habe - und genau der Grund warum mich die Stilts so berühren. Es wird wieder auf's Wesentliche reduziert, und genau wie in den tragischen Epen von Lou und Ian wird die Schönheit im Untergang zelebriert, das thematisiert, was in dunklen Räumen und Ecken so mancher Spelunke abgeht. 'Converging in the Quiet' eben. Gefahr und Traurigkeit sind eine potente Mischung. Für mich sind die Songs der Crystal Stilts letzten Endes einfach nur die schönsten Lullabies der Welt. Wiegenlieder für kaputte Menschen.

'Alight of Night' von Crystal Stilts ist auf Slumberland Records erschienen. Am 3. Februar spielen die Crystal Stilts im Wiener rhiz.
 
 
 
Für Menschen die sich gerne in Reverb-Nostalgie und Lynch-ige Paralleluniversen fallen lassen:
  Deerhunter - Microcastle
Vivian Girls - 's/t'
Joy Divison - 'Still'
 
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