fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 7.10.2008 | 16:03 
Abstrakte Brutalitäten und Graumarktökonomien

Trishes, Gerlinde, Fuchs

 
 
Kondome, Kreditkarten, Brutkästen
  Kein Sound auf 'There Is Me And There Is You', der neuen Platte von der Matthew Herbert Big Band, ist zufällig oder aus rein ästhetischen Gründen in diese Welt gebracht worden. Unter dem Klang liegt stets ein politisches Konzept, eine Idee, die sich auch in der Erzeugung der Klänge manifestiert. Bei der Komposition von 'There Is Me And There Is You', die beim ersten Hören an ein Musical erinnert, hat Matthew Herbert sich an die Regeln seines Personal Contract for the composition of music -Manifests aus dem Jahr 2005 gehalten. Regel Nummer eins: die Verwendung von bereits existierenden Sounds ist verboten.
 
 
 
Kreditkarten, Kondome, Brutkästen
  'There Is Me And There Is You' besteht unter anderem aus dem Klang von 100 Kreditkarten, die zerschnitten werden - der Song dazu heißt 'Rich Man's Prayer'.

'Pontificate' dagegen vereint eine Ausgabe der Bibel aus dem Jahr 1953 und 70 Kondome, die über den Boden des Britischen Museums geschleift werden.

'One Life' bietet dann noch das Piepsen des Brutkastens, in dem Matthew Herberts zu früh geborener Sohn liegt. Ein jeder Pieps steht dabei für hundert Menschen, die im Irak-Krieg gestorben sind.

'The Yesness' besteht aus hundert Repräsentanten einer Form von Macht, die 'Ja' sagen. Auf Matthew Herberts Website findet sich ein Brief der Queen und des Premier Ministers - aus Zeitmangel könnten sie nicht an der Aktion teilnehmen, ist darin zu lesen.
 
 
 
Der Brief aus dem Buckingham Palace, im Originalscan hier.
 
 
  Die simple Interviewer-Frage nach dem Wo/Wer/Was führt einen bereits in die konzeptuell und politisch komplexe Welt von 'There Is Me And There Is You'.

Es ist ein Album, das von Machtmissbrauch handelt und nach möglichen Wegen der Kritik sucht. Herberts ursprünglicher Plan war, das Album zur Gänze im Palace of Westminster, dem Zentrum der Macht, aufzunehmen. Hörbar zu machen, wie Macht klingt. Die zuständigen Stellen lehnten die Anfrage nach einem Jahr Bearbeitungszeit ab. Der Track 'The Waiting' handelt von dieser Zeit.

"Sie hatten die Befürchtung, dass eine Tonaufnahme die heiligen Hallen mehr entweiht als die Tatsache, dass sie in einen völkerrechtswidrigen Krieg eingetreten sind, ohne die Erlaubnis des Volks aber mit dessen Geld."

fm4 links
  matthewherbert.com
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick