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Wien | 19.10.2008 | 16:06 
Abstrakte Brutalitäten und Graumarktökonomien

Trishes, Gerlinde, Fuchs

 
 
Township Funk
  Townships sind Ghettos, die während der Apartheid in Südafrika errichtet wurden, um die farbige Bevölkerung zu isolieren. Diese rassistischen Infrastruktur-Verbrechen trennen ihre Bewohner durch tatsächliche Barrieren wie Autobahnen, Fabriken und Kanäle von den südafrikanischen Innenstädten. Mit Ende der Apartheid sind die Townships keineswegs verschwunden - die Siedlungen aus Wellblech und Müll wachsen weiter unkontrolliert.
 
 
 
 
 
DJ Plugs
  DJ Mujava stammt aus dem Township Atteridgeville westlich von Pretoria, einer der drei größten Städte Städte Südafrikas. Vor 10 Jahren, im Alter von 12, beschloss der kleine Elvis Maswanganyi, dass die Schule ihn nicht weiter bringen würde, und wurde zu DJ Mujava. Sein erstes Album veröffentlichte er mit 17 und ist seinem reduktionistischen Arbeitsprinzip seit damals treu geblieben. Seine Werke tragen Titel wie "DJ Plugs", oder Sgubhu sa Pitori was soviel heißt wie "Der Sound aus Pretoria".
 
 
 
Post-Apartheid
  "Meine Einflüsse kommen aus dem Hip Hop - viel Artists aus diesem Genre haben mich inspiriert; auch südafrikanische House DJs, die in ihren Mixen Tracks von internationalen House Producern wie zb Masters at Work verwenden, aber es ist alles Musik die ich hier in der Gegend gehört habe.", meint Mujava. "Kwaito" ist in den 90er Jahren in den Ghettos von Südafrika entstanden. "Kwaito" sind verlangsamte Housebeats, über die auf verschiedenen afrikanischen Sprachen gerappt wird. Das Wort "Kwaito" setzt sich aus "kwaai", was umgangssprachlich mit "cool" übersetzt werden kann, und aus "to", einer Anspielung auf die Townships, zusammen. "Kwaito" ist die Post-Apartheid-Musik der schwarzen Jugendlichen Südafrikas, ihre Texte drehen sich um Armut, HIV, Verbrechen und Sex. Mujava steht ursprünglich zwar in der Tradition von Kwaito, geht aber in eine eigene, neue Richtung. Wie bei Kwaito sind das Grundgerüst von Mujavas Musik House Beats um die 130 BPM, Mujava Tracks sind meist Instrumental- und Percussion-lastig, mit langen Bässen die an das Wobbeln von Dubstep erinnern. Mujava arbeitet in seinem Heimstudio mit Cubase. Nichts wird gesampelt, alles ist programmiert. Mujava ist Meister der Reduktion und versucht stets, in seinem eigenen Kosmos zu bleiben.
 
 
 
 
 
 
 
Von der Straße...
  Heute ist Mujava 23 Jahre alt, Chef seiner eigenen Produktionsfirma und bei dem Südafrikanischen Label Sheer Music unter Vertrag. Auf seinem letzten Album "Sgubu sa Pitori" war auch ein Track namens "Township Funk" zu finden, und der wird jetzt auf dem englischen Elektronik Label Warp wieder veröffentlicht. Das großartige Low Budget Video dazu ist auf Youtube zu finden, einer der raren sozialen Kommentare des sonst wortkargen Mujava. Er erwacht als Obdachloser auf der Straße und starrt ungläubig auf seine eigene CD. In einer Parallelhandlung steht er an den Decks und bringt mit seinem Open Air Soundsystem die Jungs und Mädels zum tanzen.
 
 
 
... auf die Tanzfläche
  Es war ein langer Weg bis zu dem Punkt, an dem er über Release und Videos nachdenken konnte. Gleich wie Grandmaster Flash in den Urtagen von Hip Hop gab er den Taxifahrern seine Tapes, und die trugen den Sound aus dem Township hinaus.

"Es war ziemlich schwierig - ich hab' angefangen, den Taxis in meiner Gegend CDs zu geben. Ich konnte keine Deals in Johannesburg kriegen, dort sind alle großen Firmen. Ich wurde nicht im Radio und nicht im Fernsehen gespielt. Ich musste erst warten, bis die Taxis [meine Musik]hinausgetragen haben. Heute bin ich anerkannt."

Und das nicht nur in Südafrika, auch in Europa begeistert DJ Mujavas eigenständige Soundästhetik. Derzeit ist DJ Mujava in England und Frankreich auf Tour.



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