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Wien | 22.12.2005 | 16:02 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
Siluh Records - Der Anfang
  Es war einmal... Zu diesem "ES"-Zeitpunkt, also zu "vorgerückter Stunde" sind ein paar Menschen vor einem Computer gesessen und haben sich Musik angehört. Ominöse, unveröffentlichte MP3's von einem niederösterreichischen Musiker mit dem Namen Gschu.

"Wir haben uns angeschaut und haben gesagt 'Hey, das muss da irgendwie rauskommen. Das kann ja nicht sein, dass das vergammelt auf dieser Festplatte!' Bernhard hat dann seinen Bausparvertrag aufgelöst und ich hab alte Damen im Park überfallen. So haben wir das Label gegründet." Meint Robert Stadlober zur Geburtsstunde von Siluh Records.

Mittlerweile sind neun Monate vergangen und das Label gedeiht. "Wir können noch gar nicht gehen!" meint Stadlober. Sprechen können sie aber. Was die beiden Musiker Bernhard Kern (Jugendstil) und Robert Stadlober (Gary) auch können, ist ihre Indie-Spürnasen auf Musik lenken, die Aufmerksamkeit verdient. Also, from the beginning:
 
 
 
Das Sudern
  Interessant an Siluh Records und ihren Labelbetreibern sind zwei Meinungen, über die ich noch lange nach dem Interview, das wir für den Soundpark letzte Woche aufgenommen haben, nachgedacht habe:
Bernhard Kern meint: "Es gibt immer wieder von jungen Bands den Vorwurf, es wird zu wenig gemacht für österreichische Indie-Bands. Der Vorwurf kommt gegenüber Konzertveranstaltern und auch FM4. Ich find das immer ein bisschen lächerlich, dass man sich da immer so anklammert."
Seine Devise: Wenn man nur hart arbeitet und konsequent seinen Weg geht, kommt die Gerechtigkeit sowieso.

Und Robert Stadlober ergänzt, ihnen ist es darum gegangen, dass 'etwas passiert':
"Uns allen ist es irgendwie am Arsch gegangen, dass halt ständig die Leute sagen: 'In Berlin ists viel besser und in Hamburg passiert viel mehr und wieso wohnt's ihr überhaupt in Wien?'
Da hab ich immer gesagt, wenn's dir nicht taugt, dann zieh nach Berlin oder Hamburg. Man kann ja was machen, wenn nix los ist. Und dann haben wir halt angefangen Sachen zu machen."

Bumm Tschak. Schluckauf.

 
 
Nicht mehr sudern
  Der Weg von "Sachen machen" aus Freude und "Sachen" professionell machen, die mit Geld und Verantwortung verbunden sind, ist ein breiterer, steilerer, anstrengender. Der Gipfel ist nicht in Sicht, wenn man den 5000er Berg namens "Indie-Label" besteigt. Sauerstoff ist schon da unten sehr dünn.

Stadlober merkt an, dass er erst wirklich realisiert hat, wie viel Geld im Spiel ist, als die fertigen Gschu-Platten geliefert wurden, und mit ihnen die ersten Rechnungen eingetrudelt sind.
Auch hier herrscht ein unbeschwert, pragmatischer Lösungsansatz: "Auf der anderen Seite, trinkt man dann halt einmal zwei Bier weniger oder kauft sich nicht unbedingt alle zwei Monate eine neue Hose. Bernhard hat ja einen Bausparvertrag gehabt und ich verdiene mit meinem "weltlichen Beruf" auch noch ganz gut nebenher. Statt dass ich mir eine Kokainsucht zulege oder einen Porsche, steck ich's lieber in Vinylplatten."

 
 
Die Auswahl - Die Bands
  Für die Bandauswahl gibt es keine "stilistischen" Einschränkungen, die Entscheidung passiert "aus dem Bauch heraus" wie die beiden Labelbetreiber meinen.
Ein Blick auf den Artist-Roster weist auf die Liebe zu Gitarren und Indie hin.

Mit einer neuen Split-LP von Klangkollektiv Thalija und einer hierzulande noch unbekannten Berliner Band Elyjah haben sie ihre letzte Veröffentlichung dem Postrock gewidmet.

Mit der befreundeten Band The Dalles sind die Weichen auf zukunftsweisenden Powerpop gestellt. Mit "A Life A Song A Cigarette" auf englischsprachigen Singer-Songwritertum aus der Hauptstadt.

Auf den jungen Act "Killed By 9Volt Batteries" sind Siluh Records über ein zugeschicktes Demotape aufmerksam geworden. Laut Stadlober sind Killed By 9Volt Batteries vor allem interessant, weil "sie nirgendwo dazugehören":

"Das was die machen, das hört sich nach Sonic Youth, gekreuzt mit Yo La Tengo und North Of America. Wo man eigentlich denkt, als 19jähriger hört man das heutzutage gar nicht mehr. Also es hört sich nicht nach Bright Eyes und nicht nach Strokes an. Das ist schon irgendwie Wahnsinn, in dem Alter, da hört man irgendwie schlechten Punk. Und das ist kein schlechter Punk, sondern großartiger Noise."

 
 
  Das Credo lautet hier: "Wenn man irgendwie Karriereambitionen an einer Band sieht oder hört, dann wird's schon unsympathisch. Uns interessieren KünstlerInnen, die Musik machen, weil sie die Musik machen wollen und nicht, weil sie Musiker sein wollen!" Bumm Tschak. Schön.
 
 
 
Das Label - die Zukunft - die FEIER!
  Siluh Records ist für Stadlober/Kern derzeit wie "ein teures Hobby, wie Polo auf teuer importierten Przewalskipferden".
Wohl jeder Bankbeamte hätte ihnen beim vorgelegten Businessplan, der die Worte Indie und Vinyl beinhaltet, versucht, das Label auszureden. Ein Label ist keine Pensionsvorsorge. Darum geht es aber nicht. Es geht um die kleinen Schritte und die möglichen Spuren, die hinterlassen werden.

Das wird gefeiert: Heute (22.12.) im B72. Live auftreten werden die Münchener San Remo, die Lieblinge der Nation und A Life A Song A Cigarette mit einem reduzierten Akustik-Set. Am DJ-Pult wechseln sich im 10-Minuten-Takt die Mitglieder von Thalija ab.
Am Merch-Stand gibt es frisches Vinyl.

 
 
... ein letzter Hinweis
  Siluh Records freut sich über Demos und/oder Hinweise auf osteuropäische Indie-Musik. Von Bratislava und Belgrad bis Zagreb. Bei Interesse/Wissen bitte posten und/oder das Label kontaktieren. Danke.

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