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Wien | 19.6.2008 | 11:41 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
I saw the best minds ...
  "Spread your love like a fever - don't you ever come down" und dann gehen also die Lichter an. Der Black Rebel Motorcycle Club winkt sich in den Backstage Raum der Wiener Arena und als aus den Lautsprechern die ersten Takte von "Take a walk on the wild side" zu erkennen sind, glaub ich mich in Sicherheit und verabschiede mich unbemerkt Richtung Ubahn. Was bis dahin geschah? Zwei Stunden Rock'n'Roll. Schweißströme und Riffhimmel. Einfache, laute Rockmusik. 20 Minuten allerdings, nachdem sich Jackie in James Dean verwandelt hat, heißt es: Die Band steht "wieder" auf auf der Bühne. Genauergesagt der Bassist der amerikanischen Vorzeige Rock-Band Black Rebel Motorcycle Club: Robert Turner. Was er gemacht hat: keine Ahnung. Ein Zug kommt, der andere fährt ab.
 
 
 
 
... of my generation.
  Gitarrist Peter Hayes und Bassist Robert Turner haben ein ein Jahr altes Album im Gepäck, keine Plattenfirma und keine Supportband. Aber den "Bonus" der Bundeshauptstadt fast sechs Jahre lang den Rücken gekehrt zu haben: Die gestrige Show in der Arena war seit Wochen ausverkauft. Seit vielen Wochen. Kein Publikum, das mit ungeduldigen Ohren auf Wiedererkennung DER Hit-Single wartet, sondern eines, das die Band wie homecoming Helden feiert und begrüßt. Zwischenrufe nach Wunschtiteln inklusive. Die Band? Schweigt und spielt. Wie sich Black Rebel Motorcycle Club in solch kurzlebigen Indierock-Zeiten ihr Publikum erhalten haben, ist mir ein Rätsel aber eine Tatsache, die ich gerne als die große Unbekannte in einer Gleichung akzeptiere und jetzt, wo auch ich die Band live gesehen habe: Tausendfach willkommen heiße. WAS für ein Konzert!

 
 
 
 
 
 
  Das fängt ja schon alles mit der Nachricht an, dass Black Rebel Motorcycle Club mit der Schlagzeugerin der Raveonettes, Leah Shapiro, auf Tour sind. Nick Jago hat die Band nämlich verlassen und konzentriert sich entweder auf sein Soloprojekt oder auf seine Gesundheit. Als Turner und Hayes die Bühne betreten, herrscht lautstarkes Tonleiter-Einverständnis. Die beiden Musiker haben stilbewusst 50 Jahre amerikanische Rockmusik ins Jetzt katapultiert. Die räudig schlampigen Strokes, die BRMC um den ersten Atemzug der medialen Wahrnehmung beraubt haben, können einpacken. Wenn sie sich nicht schon aufgelöst haben. Die Garage wurde im amerikanischen Süden gebaut, atmet Baumwollreste und entstaubt sich mit Leder. Poliert klingt trotzdem nichts. Routiniert und druckvoll spielt sich das Trio durch ihre vier Albem sowie zwei neue Songs. Acht Jahre Bandgeschichte am Buckel und die Verzweiflung nach Zeitlosigkeit macht sich breit, drängt sich auf. Was auf Platte bemüht klingt, wird entschlackt und pur durch die Verstärker gejagt. Was für eine Band! Eine totgeglaubte, eine vergessene, eine, die gestern die beste Show meines Konzert-Quartals gespielt hat. So viel zur Tradition und der Wurzel des Guten. Wow.

 
 
 
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