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Wien | 5.7.2008 | 14:10 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
Sigur Ros
  An die, an die man sich am schwersten erinnert, erinnert man sich am besten. Würd ich sagen. So wie Oldham vs. Palce vs. Bonnie Prince Billy. So wie !!!. In diese Kategorie der bemerkenswerten Bandwege fällt letztendlich auch die isländische Band Sigur Ros.

Am Anfang noch in den geographischen Referenzrahmen mit den Sugacubes (also Björk) gesetzt, bei näherer Betrachtung, also spätestens seit dem Versuch die Texte - die Bedeutung hinter dem Klang - zu entschlüsseln, wenn man also an die Grenze der eigenen Hoffnungssprachfähigkeiten gelangt, kann man Sigur Ros drehen und wenden wie man will. Sigur Ros werden immer zu einem geschenkten Teil das sein, was man sich selber darunter vorstellen möchte.

Das macht sie von "unverständlich" über "geheimnisvoll" zu "meiner Band".

Denn Zeuge des Sigur Ros-Sounds und der Ideenklammer dahinter werden, heißt mit aller Macht ihr eigener Experte werden. Die Metaebene ist der Zuhörer, wenn man so möchte.
 
 
 
 
 
Pop-Pathosmaschine
  Insofern ist es nur dem tränenden Augenwinkel naheliegend, dass auf Sigur Ros' neuem Tonträger der Hinweis zu finden ist "Thanks to all our friends and family who helped us making these songs."

Tränender Augenwinkel auch deswegen, weil das neue Sigur Ros Werk eine Pop-Pathosmaschine ist. Als Produzent zeichne sich tatsächlich Flood - New Order, Nick Cave, U2 - für den "buzz" mitverantwortlich.

Übersetzt heißt der Albumtitel "Með suð í eyrum við spilum endalaust" nämlich: "Mit einem Summen in unseren Ohren spielen wir endlos weiter" und mit dieser Ansage ist nicht zu scherzen.

Ein strukturiertes Postrock-Massaker der Gefühle? Die Gewaltzuschreibung basiert hier auf (positivern) Gänsehautk(r)ämpfen. Waren Sigur Ros stets für ihre Land&Leute-Verbundenheit bekannt (nicht zuletzt mit der Heima-DVD und der dazugehörigen Tour) lockern sie nun die heimatliche Zuschreibung: Für das neue Album wurden Orte wie New York, Havanna und London als Aufnahmestationen ausgesucht.
 
 
 
 
 
Festival vs. All Alright
  Könnte diese lokale Entfremdung für manche Bands noch ein Grund mehr sein, auf der gewohnten und erprobten Heimatklang-Hupe herumzureiten, öffnen sich Sigur Ros in Richtung gefestigte "Songstruktur". Dieses Ausbrechen aus der gewohnten Umgebung hat Sigur Ros also tatsächlich zu einer zugänglichen Popplatte bewogen. Man höre nur "Inní Mér Syngur Vitleysingur" - also Song Nummer Zwei zum Beispiel. Dann Song Nummer Drei gleich hinterher und Song Nummer Vier auch bis also zum ersten Track mit Gebiss:

Bei "Festival" (Song Nummer Fünf) hört man zu erst ein langsames, vier Minuten langes Gesangsintro mit sehr spärlicher Klavier/Orgel-Begleitung (couldn't figure that out) im Hintergrund. Ein Klagelied, das mit einsetzendem Schlagzeug an Tempo und Gesichtsfarbe gewinnt, bis es in der kompletten Überlagerung einen Höhepunkt findet. Mit ähnlicher Schneckenbeschleunigung auf dem Weg zur Perfektion zu verstehen: Ára Bátur, Song Nummer Sieben. Mit einem Chor-Gastspiel der Londoner "Oratory School".
 
 
 
 
 
Keine schlechte Leistung
  Es tönt wie die musikalische Übersetzung einer griechischen Tragödie. Vater, Mutter, alle schielen krampfhaft auf die Katharsis, die hinter dem blinden Fleck sichtbar wird.

"Mit einem Summen in unseren Ohren spielen wir endlos weiter" verlangsamt sich gegen Ende ("Straumnes", "All Alright") und Sigur Ros werden wieder zum dem entschleunigten Traumwandler-Quartett mit dem Geigenstab. Zu jener Band, die man schon 2001 als Gegenentwurf zu den sich selbst mit großen Worten über den Himmel hinaussingenden Musikacts ins Herz geschlossen hat.
Als die mit ihren Schmerzen im Einklang befindlichen Harmonie-Hersteller.
 
 
 
Live und im Radio
  Einer Live-Überprüfung der Songqualitäten von Sigur Ros kann man am Dienstag, 8. Juli in der Arena Wien beiwohnen. Sigur Ros spielen ein Open Air Konzert.

Wir verlosen Karten! Davor müsst ihr folgende Frage beantworten:

Welche "laut/leise/laut"-Band hat auf ihrer langersehnten Tour im Jahr 2004 im Sigur Ros'schen Heimstudio Stopp gemacht und eine kleine Führung genossen, dessen witziges Zusammentreffen auch auf DVD verewigt ist?

Der Einsendeschluss ist bereits vorbei. Die richtige Antwort war: Das waren die Pixies. Die GewinnerInnen wurden per Mail informiert. Allen anderen vielen Dank fürs Mitmachen!

Am Sonntag dem 6.7. gibt es eine Listening Session zur neuen Sigur Ros Platte im FM4 Festivalradio zu hören.
 
fm4 links
  www.sigur-ros.co.uk
   
 
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