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Wien | 13.7.2008 | 17:25 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
Über-Show und Unter-Kühltheit.
  ... in Feldkirch! Alle Jahre wieder verschlägt es Teile der FM4-Crew - oft zu verschiedenen Zeitpunkten, aber mindestens einmal im Sommer - nach Feldkirch. Seit letzten
Donnerstag weilte ich dort, wandernd zwischen Schlafstätte und Altem Hallenbad. Bewaffnet
mit einem imaginären Regenschutz.

Gekommen unter anderem wegen dieses Herren hier:
 
 
 
 
 
Sprachgewalt pur!
  Machen wir uns allerdings nichts vor: Die gern geschwungene Zitatkeule hält sich bei Saul Williams in Grenzen. Denn wie gern man auch an den Lippen hängen würde, um sich das Gesamtaussagespektrum einzuverleiben, es gelingt (mir) nicht immer.

Saul Williams' Texte sind vielschichtig und poetisch, sie sind nicht für Kalendersprüche gemacht. Oft bleibt nur ein Wortfetzen und das Gefühl einer Bedeutung. 2005 war das auf jeden Fall so, als Saul Williams einen Spoken Word Abend beim Donaufestival in Krems veranstaltet hat. Mitschreiben? Keine Chance.

2008 baut der Musiker seine rockistische Ader aus. Mit "Niggy Tardust". Das gemeinsam mit Trent Reznor erdachte Konzeptalbum ("what it means to be independent and alternative, to be free and to be musical") ist ein Opus Magnum zweier Freigeister. Nach "Amethyst Rock Star" vor acht Jahren und dem selbstbetitelten Vorgängerwerk ist "Niggy Tardust" ein logischer Zusammenschluss der Williamschen Vorlieben. Musikalisch so sehr Hip Hop wie Dance wie Elektropunk wie Rock.
 
 
 
 
 
  Dazu kommt dann natürlich noch die Vertriebsstrategie: "Niggy Tardust" wird diesen Sommer zwar physisch erscheinen, ist allerdings seit einigen Monaten schon als Download über Internet erhältlich. Gratis für die, die für den "Save as..."-Klick nicht zahlen wollen (oder können).

Nachdem das Album mit Identitäten spielt (David Bowie als Inspirationsquelle) war klar, dass das Konzert in Feldkirch kein Tracklist-Abarbeiten sein wird. Darauf deuteten schon der von der Band im Backstageraum verstreute Körperschmuck und allerlei Accessoires hin. Der Inhalt eines Schminkkoffers fand dann auch seine Poren-Bestimmung. Achja, wie Saul Williams in aktuellen Interviews gerne erzählt: Er ist eigentlich auch Schauspieler, und seine dramatische Ader will sich auf der "Niggy Tardust"-Tour austoben.

Und so kam er mit Glitzermakeup und grünen Federn in den Haaren auf die Bühne, unterstützt von drei Mitmusikern spielte er seine Über-Show. Das unglaublich peitschende "Sunday Bloody Sunday", ein recht ekstatische "Black Stacey" oder "Black History Month". Verbeugung vor der Steigerung in dieser Performance. Die verlief etwa parallel zur Raumtemperatur (von 30° auf 60°).
 
 
 
 
 
  Modeselektor hatten am Tag drauf die Rave-Jugend auf ihrer Seite. Noch bevor sie ihr Set begonnen haben, waren im Publikum Modeselektor-Wunschchöre zu vernehmen. Ein guter Start, hatte die Band doch Anfang der Woche in der Berliner Wuhlheide das massive Radiohead-Publikum von ihren Qualitäten überzeugen müssen. Fan-Kluft in Form eines "You'll go to hell for what you're thinking!"-Shirts aus der aktuellen Radiohead-Kollektion durfte natürlich auch nicht fehlen. Viel Blicke durfte man nicht dafür verwenden, schließlich galt es die Iris auf die Visuals der Pfadfinderei zu fokussieren.
 
 
 
Suche die Band im Bild.
 
 
  Am letzten Tag, gestern dann, die Nacht der Kontraste. Navel waren zu Gast und spielten ihre letzten Konzerte mit Noch-Bassistin Eve. Traurig, dass sich eine Band, die zuerst lange auf Schlagzeugersuche war, nun wieder vor einer Neubeginn-Phase befindet. Birgt allerdings natürlich auch Potential, beim neuen Albummaterial alle Hör- und Härtegewohnheiten über Bord zu werfen und die Energie in etwas neues, unerhört Gutes zu stecken. Das Input-Output-Verhältnis wurde wohl bei keiner Band so sichtbar wie bei Navel.

 
 
 
 
  Mit Zoot Woman ist die Sache schon anders. Seit ihrem Doppel-Gig im Wiener B72 hat die Band nämlich nicht mehr zusammengespielt. Johnny Blake merkt man die Nervosität ein klein wenig an.

Aus der (pardon) Produktionsidee des Stuart Price ist eine Band ohne Frontman geworden und die taktische Überlegenheit im Studio auf der Bühne energiegeschwungen rüberzubringen scheint ein perfektionistisches Unterfangen zu sein, an dem die drei Mitglieder von Zoot Woman noch immer arbeiten.

Das Publikum dankbar, die Band tight, aber eher im Sinne von angespannt. Erst zum Schluss bei einer entschlackten Version von "Living in a magazine" zum Beispiel kriecht die Nervosität aus dem Karomuster und verflüchtigt sich. Dann ist es zwar schon recht spät, aber wie sagte Johnny Blake selber im Interview: Er hoffe auf die Geduld der Fans. Und als solch eine warte ich also auf das Erscheinen des neuen Albums. Voraussichtlich im September. Hm.

 
 
 
 
Es geht weiter...
  Während ich das hier tippe, stimmt die Neigungsgruppe gerade ihre Instrumente auf Wiener Moll-Garnitur zurecht, heute geht es weiter, und morgen und übermorgen und überübermorgen. Cu soon Poolbar.

Heute Montag 14.7. gibt es einen DJ-Mix von Men im FM4 Soundsystem zu hören. Live vom Poolbar Festival 2008.
 
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  fm4.orf.at/festivalradio

www.poolbar.at
   
 
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