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Wien | 21.11.2008 | 19:15 
Scheinlicht im Nebelwerfer. Reis(s)ende Rückblicke auf bleibende Bühnen.

BorisJordan, Fuchs, Hofer

 
 
The biggest shame of my life
  Und dann ist sie verschwunden. Noch bevor sie ihr Instrument ausgepackt hat, um im Studio eine Acoustic Session zu spielen, hat die 23-jährige Musikerin SoKo unglücklich erzählt, sie hasse ihren Song "I'll Kill Her". Sie hat diesen Song geschrieben, sie hat ihn gesungen, aber um die Veröffentlichung habe sie sich nicht gerissen. Das hat ein Freund für sie übernommen und dann ist es schon losgegangen mit Myspace und Chartsflug in Dänemark, Australien und den Benelux-Staaten. Deutschland und Österreich nicht zu vergessen. Dabei ist dieser Song "the biggest shame of my life" wie die Künstlerin im Interview erzählte. Das alles nachdem wir sie dann wieder ins Studio zum Interview zurück überreden konnten. "I have to puke!" Nein, dieser Song sei nicht sie.

Das können alles Allüren sein, natürlich. Schließlich habe ihr dieser Song den Weg geebnet, die Türen geöffnet, von Bordeaux, nach Paris bis nach LA. Und auf dem Weg zum Porgy & Bess zu ihrem gestrigen Konzert beim Bluebird-Festival ist sie für uns abgebogen und hat uns ein paar ihrer "anderen" Songs vorgesungen und uns diese Geschichte erzählt.
 
 
 
Nicht im Bild: ihre Band inklusive Gastmusiker. (Rudi! Du auch hier!)
 
 
Allüren oder was?
  Da sitzt eine 23-jährige junge Frau, die meint sie sei "just like anybody else". Alles relativ, nicht anybody spielt in einem Film mit Gerard Depardieu mit. Nicht anybody nimmt seit einem Jahr Songs auf und kriegt Anfragen von Plattenfirmen, die sich um die Veröffentlichung ihres Debüts reißen. Nein, aber diese "somebody", diese SoKo, wie sie in ihrem Song "I'll kill her" zu hören ist - dieser Akzent, diese Melodien - diese Person ist sie halt nicht mehr.

Der Akzent ist ein Fake, dieser Song klingt angesichts der gestrigen Performance auch noch auf irgendeine perverse Art "ausproduziert". Und ich sage: Hurra!

Denn eine französische Lilly Allen oder Soap&Skin mit Akustikgitarre: Mich persönlich interessiert diese Person auch nicht. Interessant, dass SoKo - mit einer gesunden Portion Selbstreflexion ausgestattet - ihre erste EP "Not SoKute" getauft hat. Das "Anti" gleich als Auflösung zum medialen Konzept mitgeliefert.
 
 
 
 
 
Selbstbewusstsein oder wie?
  35 Songs habe sie schon für dieses Debüt fertiggestellt. Ein Doppelalbum wird es, warum auch nicht. Sie schreibe andauernd, weil es ein naheliegendes Ventil für sie ist. Hier ein Song über Veganismus, hier ein Song als Abgesang auf ihre Stadt Paris. Im Song "I Will Never Love You More" findet sich eine Liebeserklärung an Daniel Johnston. Und da klingen natürlich alle Glocken. Und das ist noch nicht alles, ihr Debüt ist in Zusammenarbeit mit Jherek Bischoff von Dead Science entstanden, einer Band, die sich wiederum im Constellation Records Umfeld bewegt. YES!

SoKo hasst also "I'll kill her", ich auch. Da möchte sich jemand aus der One-Hit-Wonder-Schublade raus zwängen und auf eine höchst sympathische Art und Weise "abheben" und alle Aufmerksamkeit auf ihre kommende Antifolk-Platte lenken. Denn SoKo ist mehr eine Kimya Dawson als "the next pretty hit thing", das Postergirl mit dem gebrochenen Herzen.

Die ersten zwanzig Minuten, bei denen ich im überfüllten Porgy&Bess einen Platz in der vorderen Reihe ergattern konnte - kurz bevor ich aufgegeben habe und nach hinten abgewandert bin, um mich dann zu erinnern, dass man in den hinteren Reihen mit Sicht- und Höreinschränkung rechnen muss - war das Konzert ein wunderbarer Vorgeschmack auf das, was man von SoKo noch hören wird: einfache lofi-ästhetische Alltagsbetrachtungen. Die brauch ich in keinen Charts, solange sie auf einer Bühne in der näheren Umgebung passieren.

Auf bald.
 
 
 
Das Bluebird Festival...
  ... geht in die zweite Runde: am Freitag, 21. November, mit Miserable Rich, Baby Dee, Michael Gira und Gustav. Der Samstag, 22. November, mit Okkervil River ist leider schon ausverkauft.
 
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