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Wien | 17.11.2007 | 19:30 
Cinema paradiso: Mein Leben in der Großstadt zwischen bewegten Bildern, sprechendem Papier, lauten Menschen, virtuellem Dorf und Cocktailstunde.

Sonja, Fuchs

 
 
Wir lassen uns gehen
  Der 34jährige Regisseur und Autor David Schalko lotet in seinem Erzählband "Wir lassen uns gehen" dysfunktionale Männerseelen zwischen Flucht- und Sehnsuchtsfantasien aus.
 
 
 
Broken Social Scene
  Achtzehneinhalb Texte lang ist die Wegstrecke zwischen den Polen Flucht (vor Nähe) und Sehnsucht (nach Nähe). Isolationistische Monolithen sind diese Männerfiguren, vom dämonisch-spielerischen Buben über den sinnsuchenden Mittdreißiger bis zum gesetzten Industriellen. Allesamt sind sie ausgestattet mit faktischer Macht und tatsächlicher Schwäche. Sie flüchten, fliehen, verschwinden aus dem Alltag und entziehen sich dem Menschen-Dinge-Verbund, der sie zu Boden drückt.

 
 
  Das Fototapeten-Cover von Schalkos atemlosen Roman "Frühstück in Helsinki" (2006) ist das programmatische Standbild für die Erzählungen in "Wir lassen uns gehen". Die erstaunliche stilistische Bandbreite reicht von groteskem Märchen über beißend-abstoßender Realsatire bis zur absurden Emailspirale.
Die Blickrichtung geht immer dorthin, wo - endlich - niemand mehr ist. Wo einem keiner den abgeschminkten Spiegel vorhalten kann, der den innersten Kern des Ichs, dessen Existenz man ahnt, aber fürchtet, ungebremst zurückschleudert. Eine tiefe Sehnsucht nach der absoluten Menschenleere, ad infinitum, bis keine Blicke sich mehr kreuzen, liegt über den Texten. "Er hatte sich sofort in ihren abwesenden Blick verliebt", charakterisiert David Schalko einen seiner Protagonisten. "Wahrscheinlich, weil er die ständige Anwesenheit eines Menschen sonst nicht ertragen würde."
 
 
 
There's (not) only darkness at the finish
  Unerwartet tauchen in den Erzählungen sanfte, geschmeidige, humorvolle Stellen auf, zartrosa Kleckse in einem nachtschwarzen Wald, und sie erscheinen deshalb so sanft, weil die sie umgebende Düsterkeit von tiefer, böser Traurigkeit ist. Bei David Schalko sind Worte das, was sie sind. Seine literarische Sprache in diesem Buch ist unverfälscht, stark und und von unhektischer Klarheit.
 
 
 
  Männer tragen die Hälfte des Himmels auf ihren Schultern. Sie haben aber auch die Hälfte der Hölle unter ihren Füßen. David Schalko hat sich in seinem neuen Erzählband für die Abgründe entschieden. Für jenen Teil der Bewusstseinshölle, in der das Seelenfeuer lodert und ein dunkler Mantel das Herz abschottet.
 
 
 
  "Wir lassen uns gehen" ist im Czernin Verlag erschienen.
 
 
 
Veranstaltungshinweis:
  David Schalko präsentiert seinen neuen Erzählband "Wir lassen uns gehen" am 11. Dezember im Wuk in Wien. Mit David Schalko lesen Josef Hader, Birgit Minichmayr, Niki Ofczarek, Ruth Brauer, Thomas Edlinger und Fritz Ostermayer. Beginn: 20 Uhr. Danach Party mit den DJs I-Wolf und Tschamba Fii.
 
 
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