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Wien | 20.11.2007 | 13:01 
Cinema paradiso: Mein Leben in der Großstadt zwischen bewegten Bildern, sprechendem Papier, lauten Menschen, virtuellem Dorf und Cocktailstunde.

Sonja, Fuchs

 
 
vögel sind zu besuch
  Und jetzt schreibt sie auch noch! Und wie. Schauspielerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Kathrin Resetarits debütiert mit unaufdringlich glitzernden Miniaturen, die da heißen "vögel sind zu besuch".
 
 
  "ich besitze, nur im kleinen, aber doch, einen unterhaltungswert." So lautet ein Schlusssatz einer der 52 Miniaturen in Kathrin Resetarits' Schriftstellerinnendebüt "Vögel sind zu Besuch". Es ist ein typischer Resetarits-Satz. Typisch für dieses Buch, aber auch für die 34Jährige selbst, denn wenn jemand entzückendes Understatement repräsentiert, dann sie, die nicht nur vom Kollegen Blumenau ob ihrer selbstvergessenen Leinwandpräsenz als österreichische Kinogöttin apostrophiert wird. Kinogöttin, so ein gewichtiges Kompliment hört sie, die sich selber nicht und nicht auf der Leinwand anschauen kann, weil sie sich "schiarch" (Zitat Resetarits) findet, natürlich nicht gern. Aber zurück zum Buch.
 
 
 
  Mit ihrer unaufgeregten, ungekünstelten Sprache, die nahe an der ostösterreichischen Alltagssprache wohnt, schafft Resetarits Szenen, die wie kurze Filme funktionieren. Da spürt man ihre kreative Herkunft, kein Nachteil, wohlgemerkt.
 
 
 
  Da ist zum Beispiel eine Frau - soviel geht aus diesem Text namens "ich meld mich telefonisch" heraus - die fake calls veranstaltet. Sie ruft im Hallenbad oder im Fußballstadion ("die königsdisziplin") an und lässt ihren Ehemann ausrufen, der dringend nach Hause kommen soll weil Kind verletzt oder Wohnung brennt. Bloß gibt es keinen Ehemann, der heimkommen könnte. Aber für wenige Minuten, wenn diese Frau viel spricht am Telefon und die gefälschte Aufregung ihre Zunge löst, existiert doch einer. "verschiedene angestellte können sich so ein bild machen und haben noch wochen später etwas zu bereden."
 
 
 
"außer mir"
  Es regnet unaufhörlich zwei- bis vierseitige Monologe in konsequenter Kleinschreibung in einer thematischen und personellen Vielfalt, die mit wenig geographischen und biographischen Details operiert. Die Perspektiven wechseln von Seite zu Seite. Genaueres erfährt man nicht. Das Peronalpronomen ich ist zentral und allgegenwärtig. Wer aber diese vielen Ichs nun sind, das bleibt eine Hausaufgabe für die Leser. In jedem Fall sind es nicht die großen Gesten und großen Köpfe, für die sich Kathrin interessiert, sondern die kleinen Zellen in uns, um uns, außer uns, und Kathrin macht deren Rucksack auf.
 
 
 
  "vögel sind zu besuch" von Kathrin Resetarits ist im Czernin Verlag erschienen. Am 17. Jänner 2008 liest die Autorin aus ihrem Buch in der Alten Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien.
 
 
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