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Wien | 28.11.2007 | 13:47 
Cinema paradiso: Mein Leben in der Großstadt zwischen bewegten Bildern, sprechendem Papier, lauten Menschen, virtuellem Dorf und Cocktailstunde.

Sonja, Fuchs

 
 
Wer, wenn nicht wir?
  "Aus Annahme und Annahme und Annahme und Annahme folgt: Ab 30 keine Hinterfragung der Annahme mehr." Anna ist eben dabei, ihr drittes Lebensjahrzehnt abzuschließen. Das fällt der freien Journalistin nicht so einfach. Sie ahnt, dass sich nun lästige Fragen der Mutter mit dem Tenor "Wirst du denn nie erwachsen?" häufen werden. Anna dreht und windet und denkt sich durch ungelöste Situationen, hüben wie drüben, hier ein Job, der irgendwie den schalen Geschmack der "Übergangsbeschäftigung" hat, dort eine Beziehung, deren anfängliche Logik immer mehr in Unlogik umschwenkt. Als dann auch noch kurz vor Weihnachten die Großmutter im Krankenhaus der Kleinstadt, in der Anna aufgewachsen ist, im Sterben liegt, dräut es ihr, dass vielleicht der 30. Geburtstag das kleinere aller Übel sein könnte. Wenn die Generationenspanne immer kleiner wird, wenn die Alten sterben, dann sind die Jungen irgendwann nicht mehr das letzte Glied in der Kette und müssen über kurz oder lang die Stafette der Narrenfreiheit an die Nachwachsenden abgeben.
 
 
"Ab 30 würde ich mein Leben logisch werden lassen."
  "Wer, wenn nicht wir?", fragt Rosemarie Poiarkov, die 2001 mit "Eine CD lang. Liebesgeschichten" debütiert hat, am Cover ihrer Erzählung. Die Protagonistin Anna versucht, das Hintanstellen der Hinterfragungen als Teil des Erwachsenwerdens zu begreifen, indem sie die Biographien der Mutter und der Großmutter aus deren Sicht zu spüren versucht. Wieso resignieren Menschen, was macht sie hart und unerbittlich, was muss geschehen, dass sie wieder aufblühen, was lässt sie emotional erkalten und wie kann ich dem aus dem Weg gehen? Und wieso tut Liebe weh? Was hat meine Herkunft mit meiner Zukunft zu tun? Rosemarie Poiarkovs Anna findet letztlich keine Antworten auf diese Fragen, weil es vielleicht auch keine Antworten gibt, sondern eben doch nur: Annahmen. Und Hinterfragung. Anna ist prototypisch für die Zauderer und Zögerer, für die amerikanische Psychologen das schöne Wort Procrastination geprägt haben. "Mit offenen Augen kann man nicht schlafen", meint Anna lakonisch. Und mit geschlossenen Augen nicht leben.
 
 
 
  "Wer, wenn nicht wir?" von Rosemarie Poiarkov ist im Czernin Verlag erschienen.
 
 
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