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Wien | 15.4.2006 | 11:31 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Songs To Say Goodbye
  Bei jeder FM4 Radio Session wird mit der Eintrittskarte auch ein kleines Traktat ausgegeben mit ein paar Gedanken zur auftretenden Band. Im Fall von Placebo hat man mich gebeten ein paar Zeilen über die vielgemochte Band zu verlieren. Folgendes hab ich dann geschrieben:
 
 
 
Kein bloßes Posing
  Was würde passieren, wenn man Placebo unter die Dusche stellt und das ganze Make-Up wegspült? Wenn man sie Nagellackentferner aussetzt und ihre Haare schneidet? Wenn man das schwarze Designersamt durch buntes Cord ersetzt?

Sie würden zwar keine Jugendzimmer mit ihren Postern mehr schmücken - aber auch wenn man Placebo ihrer Identität berauben würde, könnten sie noch immer als hochtalentierte Musiker bestehen.

Und das ist der Punkt und das Geheimnis, warum die englischen Placebo nun schon seit zehn Jahren höchst erfolgreich im internationalen Indierockzirkus mitmischen. Warum sie von einer aufgedrehten Glamrockidee zu einer Band mutierten auf die sich Undergroundpuristen und Gelgenheitshörer gleichzeitig einigen können.

Warum wirken gerade Placebo in ihren exaltierten Posen nicht peinlich? Weil sie ehrlich sind. Weil das Thematisieren von Sexualität und Leidenschaft dann nämlich eben doch kein bloßes Posing ist.
 
 
 
 
 
 
 
Schwarz/Weiß
  Nennen sie mich jetzt von mir aus hochmütig, aber genau diese Behauptung haben Placebo dann auch bei der FM4 Radio Session unmissverständlich bewiesen. In etwa 30 Minuten entstaubten Placebo ihre hochpotente neue Platte "Meds" von allen Pomp.

Bei Akustiksessions gibt es nur Schwarz oder Weiß. Entweder man scheitert gnadenlos oder verliert sich im besten Fall des Scheiterns in zäher Belanglosigkeit. Oder man nützt die Chance und lässt seine Lieder atmen und strahlen. Und es strahlte.
 
 
 
 
 
Keine glitzernden Jackets
  Nun hätte Brian Molko mehr Aussprache mit dem Publikum pflegen können. Nun hätten sie diese spezielle Konzertsituation auf die Spitze treiben können und für krude Coverversionen nutzen können. Aber Placebo sind nun mal keine Zirkusleute. Placebo präsentierten sich so, wie sie wohl auch privat unterwegs sind und musizieren. Mit viel Freude an ihren neuen Liedgeschöpfen und sichtlich erleichtert einmal nicht in glitzernde Jackets schlüpfen zu müssen.

Das Publikum hat es mit respektvollem Fanatismus gedankt und der Band ihre Zuneigung bewiesen, indem es einfach still und selig lauschte.
 
 
 
 
 
 
 
Eine kleine Britpopsensation
  Und ganz nebenbei ging im Radiokulturhaus auch noch eine kleine Britpopsensation über die Bühne. Unterstützung erhielten Brian, Stefan und Steve - wie auch beim großen Konzertspielen - von zwei Tourmusikern. Einer von ihnen war Alex Lee. Der hat sich seinen Namen schon längst als ehemaliges Mitglied von Strangelove und Suede gemacht und zupft nun demütig im Hintergrund. Aber das ist eine andere Geschichte und Brett Anderson stehen sicher die Haare zu Berge.

Anyway, meine Damen und Herren. Es war ein schöner, geradezu besinnlicher Abend. Und durch die Reduziertheit der Liedumsetzung, konnten endlich auch mal Molko's Texte aufrechten Hauptes zeigen, was sie so können. Das dominierende Thema bei Placebo ist nämlich mitnichten Rausch oder schrille Geilheit. Brian Molko lehrt uns das Abschiednehmen. Eine Anleitung zum tapferen Abschiednehmen in 30 Minuten.

Am 3. Mai 2006 dann im Radio, in der FM4 Homebase.
 
 
 
 
 
  Hier sind zum Nachhören die Hörerfragen, die Marianne Lang Placebo gestellt hat:
 

 
audio
 
title: Fragen an Placebo
length: 2:14
MP3 (2.153MB) | WMA
   
 
 
  Alle Fotos sind von Pamela Rußmann.
 
fm4 links
  Placebo

Prime Cuts: Placebo - 'Meds'
Robert Zikmund über "Meds"
   
 
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