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Wien | 6.7.2006 | 02:32 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Body of Work
  Als die inzwischen verstorbene britische DJ-Legende John Peel 1999 seinen sechzigsten Geburtstag feierte, führte ich ein Interview mit dem großen Musikjournalisten. Ich bat den Meister mir von denkwürdigen, fundamentalen Popereignissen aus seinem Leben zu erzählen. Da kam Einiges. Eine Geschichte fand ich ganz besonders bemerkenswert. Peel berichtete von einem Konzert der englischen Band Nitzer Ebb Anfang der Achtziger.
 
 
 
  Was Peel an diesem Konzert so außergewöhnlich fand, war das Publikum bzw. die Interaktion des Publikums. "Da standen schüchterne New Waver, neben coolen Elektronikern und verschwitzten Rockern". Aber nicht der genreübergreifende Aspekt der Besucher erstaunte Peel so sehr, sondern die soziale und politische Fusion der zahlenden Gäste. "Schwule Synthpopper, linksradikale Punks und Hetero-Skinheads tranken ihr Bier nebeneinander und gingen nahezu respektvoll miteinander um", so Peel.

Dieses Bild hab ich mir gut gemerkt. Eine vermeintlich aggressive Band als Friedensstifter."Was Grateful Dead nie schafften, bringt eine Formation auf die Reihe die wie Halbstarke wirken".

 
 
Wer sind nun diese Nitzer Ebb?
  1982 gründen die gerade mal 18jährigen Bon Harris, David Gooday und Douglas McCarthy die Band Nitzer Ebb. Musikalisch knüpfen sie an ihre Idole DAF oder Malaria! an und treiben die ersten elektronischen Experimente ihrer Vorbilder auf die Spitze.

Hysterische Elektrosounds paaren sich mit brachial-monotonen Beats und gebrüllten Parolen über Sex, Macht und Sex Sex Sex. Neben Kollegen wie Front 242 gelten sie als die Väter des sogenannten EBM (Electronic Body Music oder Electronic Body Movement).

 
 
  Nitzer Ebb bekommen einen Vertrag beim Indie-Giganten Mute, werden von Depeche Mode protegiert und veröffentlichen Killer-Hymnen wie "Murderous" oder "Violent Playground".
Harter Tobak und sexuelle, oft homoerotische Posen für den neonfarbenen Dancefloor.

Anfang der Neunziger Jahre ist das Interesse an dieser Mutantenmusik dann in der breiten Popmusikwelt fast völlig verschwunden. EBM kippt bis auf ein paar strahlende Ausnahmen fast gänzlich in eine umnebelte Dumpfheit und wird erst wieder im neuen Jahrtausend vermehrt zitiert.

 
 
Between The Devils
  Es liegt auf der Hand zu was moderne Elektrorocker wie Peaches oder Gonzales in ihrer Jugend gewackelt haben. Nitzer Ebb-Sänger Douglas McCarthy erkennt die Gunst der Stunde und produziert im Jahr 2002 mit dem französischen Techno-Mann Terence Fixmer die Platte "Between The Devils" Ein wahrer Leckerbissen aus einer Gegend, die noch zu recht irgendwie "Underground" genannt werden kann.

Seit ein paar Tagen kann man das erste Best-Of Body of Work 1984-1997 von Nitzer Ebb kaufen.

Am Freitag (07.07.) treten Nitzer Ebb in der Szene Wien auf. Support kommt von Seelen/Riss (Ö) und Terence Fixmer (F) himself.

Aftershow-Party-Action gibt's dann im Wiener Club Pi. Mit DJ PAUL RAAL und DJ [:SITD:].
 
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