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Wien | 30.4.2007 | 15:51 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
Some Jazz Funk Greats
  Sie proben noch immer nicht.
Sie treffen sich überhaupt erst ein paar Stunden vor ihrem Konzert wie zufällig in einem Kremser Kurhotel. Und das auch nur, weil sie sich zu einer Handvoll Interviews aufraffen. Viel Zeit gewähren sie aber nicht. 15 Minuten. In 15 Minuten kann man sich dem Phänomen Throbbing Gristle aber nicht einmal einen Milimeter annähern. Deshalb beschränke ich mich mehr oder weniger auf zwei Themen - Reunion und neue Platte. Und eine winzige Handvoll Fragen, die mich brennend interessieren.

Wie zum Beispiel steht der fleischgewordene Okkultismus Genesis P. Orridge zum Neochristentum seines Freundes David Tibet?
Ich war sehr erstaunt als ich von Davids Bekehrung hörte. Ich mailte ihm sofort und fragte, was um Himmels Willen mit ihm los sei. David antwortete mir mit für ihn plausiblen Gründen und Argumenten. Und da ich den Glauben anderer Menschen respektiere, ist es schon okay. Überrascht bin ich aber noch immer. Aber es scheint David zu helfen, sich dem Universum anzunähern. Das ist gut.
 
 
 
 
 
United
  Wenn da nicht das Rätseltum Genesis P. Orridge wäre, könnte das Interview mit Throbbing Gristle als gemütliches Familientreffen durchgehen.
Chris Carter und Cosey Fanny Tutti als meine Eltern. Peter Christopherson ist mein Onkel. Und ich der Bub. Und es wird Hochzeitstag gefeiert und die Rezeptionistinnen tragen Dirndl. Ein Dirndl würde auch Herrn Orridge gut stehen. Genesis P. Orridge ist der Vater und Ehemann mit den Brustimplantaten. Das Ziel dieses Mannes ist das/der/die totale Gender. Das hat er wohl erreicht.

Aber abgesehen von der doch auffälligen Erscheinung des Genesis P. Orridge ist die Interviewsituation doch ähnlich einer Hochzeitstagsfeier im kleinen Kreis. Ich habe noch kaum eine so harmonisch und ausgeglichen wirkende Musikgruppe erlebt.

Nachdem die 15 Minuten vorbei sind, packe ich brav meine Sachen zusammen und mache noch einen sehr schalen Witz. Dazu brüllt Genesis ein Lachen, als wäre ich der Gaudimax höchstpersönlich. Der einzige unheimliche Moment. Ein paar Stunden später steht die Band die niemals probt auf der Bühne. Und ich glaube sie proben doch. Heimlich.
 
 
 
Foto: Florian Wieser
 
 
Something Came Over Me
  Beim Konzert schlagen Throbbing Gristle dann denselben Weg ein, den sie auch auf ihrer neuen Platte Part Two - The Endless Not gehen. Überhaupt den einzigen gehbaren Weg für die Band Throbbing Gristle. Vordergründige Reduktion der Aggressivität.

Natürlich setzen sie mit Misstönen Akzente, aber die sind in den perfekten Produktionen aus Ambient, Rhythmus und Jazz so geschickt hineingewebt, dass sie nur unterstützen und nicht irritieren. Und Genesis P. Orridge singt. Das kann der Mann, wenn er will. Genesis P. Orridge singt einen futuristischen Götzenblues.

Zu diesem Soundtrack werden wir in zwanzig Jahren Soma saufen.
 
 
 
Foto: Florian Wieser
 
 
  "Sind ja doch Hippies", sagt der Paul neben mir. Und er hat Recht. Throbbing Gristle waren immer irgendwie Hippies. Nur halt gefährliche. Und auch wenn Zurücknehmen und Reduktion nun das Programm ist, intensiv und berührend und integer sind Throbbing Gristle noch alle mal. Die vier Künstler spielen sich durch altes und neues Material. Scheuen auch nicht vor Klassikern zurück und gestalten ihren Auftritt als einziges großes psychedelisches Mantra. Unprotected games sowieso. Und eine Erfahrung.
 
 
 
Information
  Am Mittwoch, den 2. Mai 2007, steht die FM4-Homebase (19-22) ganz im Zeichen des Donaufestivals. [more]

Und ebenfalls am Mittwoch, den 2. Mai, senden wir im FM4 House Of Pain (22-00) das Konzert von Throbbing Gristle und das vollständige Interview.
 
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