fm4.ORF.at ORF.at login
StreamPodcastsMail an FM4
zurück zur TitelseiteSOUNDPARK - Your Place for Homegrown MusicSTATION - alles rund um den RadiosendernotesCHAT
Wien | 11.6.2008 | 23:58 
Rasierklingen, Schokolade, Zentralnervensystem, Ananas, Narzissmus und Ausgehen.

Gerlinde, Rob

 
 
British Steel
  'Like a tiger in the cage,
we begin to shake with rage!'
'Rage' vom Album 'British Steel', 1980
 
 
 
Metal Gods
  Jetzt im Nachhinein wird das Phänomen Punkrock Ende der Siebziger noch immer als erfrischendste Frischzellenkur gefeiert, die der Popmusik jemals verpasst wurde. Stimmt wahrscheinlich auch. Als der kurzgeschorene Rüpel Punk die aufgeblähte Popschikeria wegputzte, muss das wirklich ein Fest gewesen sein. In Wirklichkeit hatten die damaligen Generationen das stocksteife Punkbeamtentum aber auch bald wieder satt.

Industrial sollte das Wesen des Punk in Folge in völlig ungeahnte grausige Dimensionen führen. Und die kleine Schwester vom Punk, New Wave mündete schließlich z.B. in Gothrock oder einem obskuren Neoschlagergetue. Und genauso wie der Punk den fetten Glamrock mit einem galligen Spucken wegputze, tauchte Anfang der Achtziger der biestige Heavy Metal auf und dämpfte Punkrock mit genau den Ingredienzen aus, die so verachtet waren.

Mit bodenloser Dekadenz, spielerischem Können auf hohem Niveau und einem Lebenswandel der, auch wenn seine Protagonisten wie Bürgerschrecke aussahen, mit politischem Bewusstsein kaum was am Hut haben konnte.

 
 
Rapid Fire
  Und wenn man von Heavy Metal spricht, führt nichts dran vorbei sich mit der behaarten Brust von Judas Priest zu beschäftigen. Die veröffentlichten 1974 ihr Debütalbum. Damals versuchten sich Judas Priest noch an eher gemäßigtem Bluesrock, aber es gab schon Anzeichen, wie zum Beispiel den Bandnamen, das im Rucksack der vier Briten noch einiges zappelte und herauswollte.

So richtig ließen sie ihr Biest aber erst 1977 aus dem Sack. Sin After Sin ist alles was Heavy Metal jemals war und sein sollte. Eine feiste, stampfende, rasante Platte. Mit Gitarrensolos die man in hundert Jahren nicht lernen kann und einem Gesang, wie man sich damals das Kreischen der Seelen im Höllenfeuer vorstellte.

Apropos Stimme. Die kam von Rob Halford. Und der wurde schnell das Sinnbild von Heavy Metal. Mehr noch als Kollegen von AC/DC oder auch den weniger harten Kiss. Halford war ein mit Leder und Unmengen von Nieten ausgestattetes Viech aus dem Weltall, das die Bühne gerne auf der Harley Davidson enterte und dem das Testosteron aus dem Leib spritzte.

 
 
Breaking The Law
  Mit dem Album British Steel treten Judas Priest die sogenannte New Wave Of British Heavy Metal los und sind am Zenith ihres Erfolgs. Der Testosteron-Bolzen Halford outet sich als homosexuell und einer Legion junger Männer in Spandexapparaten fällt die Kinnlade runter. Das Vorbild ihres nicht unbedingt feministischen Lebenswandel ist schwul. Freddie Mercury wird den Jünglingen dann noch den endgültigen Kinnhacken geben.

Heavy Rock und Homoerotik ist überhaupt ein wunderbares Thema. Da müssen noch viele Bücher darüber geschrieben werden. Bis 1984 regieren die englischen Priest den Rockstarolymp, dann greift man mit ein paar Alben ordentlich fest in den Dreck und der umwerfende Halford verlässt die Band. Judas Priest suchen sich einen neuen jungen Sänger und werden in der jüngeren Vergangenheit eine dieser klassischen Heavy Bands die in den Neunzigerjahren zwischen allen Stühlen sitzen und die Welt nicht mehr verstehen.

Aber in den Zeros wird ja alles verziehen. Rob Halford ist endlich wieder Sänger bei Judas Priest und die Welt wird ja sowieso bald untergehen.

Am 15. Juni sind Judas Priest übrigens dann am diesjährigen Nova Rock Festival zu sehen. Und am 13. Juni veröffentlichen sie ihr neues Album 'Nostradamus'. Mit Rob Halford.

fm4 links
  Judas Priest
   
 
back
 Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick