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Wien | 12.3.2005 | 18:03 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
Alfie
  Er möchte die beiden Wörter "Penis" und "Geschwulst" nie mehr in einem Satz hören, sagt Jude Law als Alfie. Bei mir sind es die Worte "Remake" und "zeitgemäße Adaptierung". Nach "Ladykillers" und "The Stepford Wives" spuckt das Remake-Monstrum Hollywood jetzt "Alfie" im Neuaufguss auf die Leinwand.

Beim Versuch in Michael Caines Fußstapfen zu treten, müsste Jude Law auf Mark Wahlbergs Schultern gelandet sein, der beim letztjährigen Remake von "The Italian Job" mindestens bis zur Nasenspitze in ebendiesen Fußstapfen verschwunden ist. Wo bei Caine 1969 gewitzte Arbeiterklasse-Charmeur-Gaunereien und eine distinguierte Coolheit war, war bei Mark Wahlberg ... na, eigentlich gar nix. Jude Law hat da mit "Alfie" zwar eine besser Ausgangslage, da man bei ihm die Wahl der Schauspielerprofession nicht in Frage stellt, doch es bleibt eine andere Frage: Warum hat sich Regisseur Charles Shyer bemüßigt gefühlt, "Alfie" in ein Zeitgeistmäntelchen zu kleiden? Das Original aus dem Jahre 1966 brachte Michael Caine den internationalen Durchbruch und das mit einer Rolle, die von vielen Schauspielern abgelehnt wurde, da man es sich mit der Darstellung eines zynischen Working Class Casanovas und der Thematisierung von Abtreibung nicht mit dem Publikum verscherzen wollte.
 "Der Verführer läßt schön grüßen" war der recht schmissige deutsche Verleihtitel von "Alfie" (1966)
 
 
  Das damals angesagte Leinwandlebensgefühl von Frauen, schicken Autos, Tabak und Alkohol lebt auch Alfie - nur eben mehr wie im echten Leben. Seine birds sind nicht ganz so strahlend schön wie die Bond-Frauen, das schicke Auto ist gleichzeitig auch Arbeitsplatz, das bringt der Beruf als Chauffeur so mit sich, und der Lebenswandel zeichnet auch schon mal Schatten auf Alfies Lunge. Quasi ein Bond-Lebensstil ohne den Action-Kram dafür aber mit Konsequenzen. 1966 sorgte die Darstellung eines Draufgängers, dessen Weg von gebrochenen Herzen und zertrampelten Gefühlen gepflastert ist und der aus seinem Desinteresse für die Innenwelt seiner Liebschaften keinen Hehl macht, für Aufruhr und Diskussionen. Die Szene, in der Alfie einen illegalen Schwangerschaftsabbruch in der eigenen Küche vornehmen lässt, war ein Skandal.

 
 
Remake, remodel
  Nun, dass sich in Sachen Frauenbild und Lebenswandel seither einiges getan hat, dass war den Drehbuchschreibern für das Remake klar.
Man nahm also die Alfie-Hülle, höhlte sie aus und stopfte neue Geschichten rein, die zuvor an heutige Verhältnisse angepasst wurden oder besser das, was sich die Drehbuchautoren unter "heutige Verhältnisse" vorstellen. Herausgekommen ist ein weichgespültes Floskelmachwerk, dessen Hauptfigur eine Carrie Bradshaw mit Y-Chromosom ist, die durch ein Manhattan lifestylewandelt, das wir ebenfalls aus Bradshaws Aktionsradius kennen. Jude Law's Alfie ist die fleischgewordene GQ-Style und mit sachdienlichen Verhaltenshinweisen in Sachen Kurzzeitbeziehungsführung und Lebensstil stets zu Diensten. Wie Jamie Oliver fährt er auf einem Moped durch die Stadt und redet über Frauen wie Oliver über Rucolapesto. Beides ist weder wahnsinnig interessant noch unterhaltsam. Es scheint fast, als hätten dies die Filmmacher auch gewusst und zollen dem Original mit einer fast identen Schlußeinstellung Tribut. Nur der streunende Hund, der mit Michael Caine am Ende die Straße entlanggeht fehlt. Die tierische Entsprechung für den 2004er Alfie wäre auch eher ein Hamster gewesen; nachtaktiv und eifrig im ewiggleichen Laufrad der eigenen Selbstverliebtheit gefangen.

Vom einstigen Cockney-Draufgänger ist nur mehr der cock übrig geblieben und es stellt sich die Frage, die das Filmplakat schon vorwegnimmt: Um was geht es eigentlich? Die etwas patschert eingedeutschte Zeile aus dem Titelsong "What's it all about, Alfie?" steht völlig zu Recht auf den Plakaten. Noch lieber wäre mir allerdings "Musste das denn sein?" gewesen.

 So, Herr Law, jetzt machen sie eine typische Handbewegung.
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  www.alfiemovie.com
Offizielle Seite zu "Alfie"
   
 
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