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Wien | 21.3.2008 | 18:19 
Filmflimmern.

Gerlinde, Matthews, Pamela

 
 
No Dan is an island
  Der Trailer zu "Dan in real life" ist das Wunschkind der Filmvermarktungsindustrie, das versucht, uns mit dem Steve Carell-Bonus auf eine falsche Fährte zu locken. Während der Trailer nämlich seine Ware anpreist wie einen Obstsalat aus "Meet the Parents" und "Family Stone" ist "Dan in real life" eher sowas wie die amerikanische Variante dessen, was uns gerne als feiner, kleiner, warmherziger europäischer Film verkauft wird. Mit den verbalen Booten "fein" und "warmherzig" wird gerne der Eisberg namens "fad" umschifft, seid gewarnt, dieser Text ist die Titanic.
 
 
 
Dreimäderlhaushalt
  Dabei fing - wieder mal - alles recht gut an. Dan (Steve Carell) schlägt im Bett die Augen auf und greift auf die andere Hälfte des Doppelbetts, auf der Bücher und Zeitschriften ruhen. Sein Blick sagt uns, dass das nicht immer so war. Ein Ins-Bild-Rücken seines Konterfeis in der Zeitung erzählt uns, dass wir es mit einem Ratgeber-Kolumnisten zu tun haben und beim Brote-Schmieren und Wäsche-Verteilen, werden drei Töchter in Dans Biografie ergänzt. In vielen anderen (größeren) amerikanischen Produktionen wären für den gleichen Wissenstand mindestens ein Telefonat mit dem Chef ("Seit 15 Jahren liefer ich meine Kolumne pünktlich ab, Boss"), eine Szene, in der Dan gedankenverloren ein Foto von sich und seiner Frau in den Händen hält und ein "Seit Mom nicht mehr da ist"-Gespräch mit den Töchtern nötig gewesen. Regisseur Peter Hedges braucht dafür keine einzige gesprochene Zeile.

Ein Stringtanga, von Steve Carell beim Wäschezusammenlegen argwöhnisch beäugt, lässt uns noch vermuten, dass mit einer Töchter (Stichwort:Sandwichkind), pubertäre Grabenkämpfe ausgefochten werden, dann gehts auch schon los nach Rhode Island: Das Thanksgiving Familienwochenende steht auf dem Programm.

 Steve Carell
 
 
Marie, ma cherie
  Weil Unverhofft dann untergehakt mit Zufall durchs Drehbuch spaziert, trifft Dan in einem Buchladen auf Marie (Juliette Binoche), es entwickelt sich ein Gespräch bei Kaffee und Muffins, schließlich weiß Marie alles über Dan und er noch nichtmal, dass sie die neue Freundin seines Bruders ist und ihm, zurück im Elternhaus, gleich vorgestellt wird.

Ab dann wird an dem unsichtbaren Gummiband der Anziehung, das sich zwischen Marie und Dan entwickelt hat, gezupft und gespielt, so interessant und abwechslungsreich man eben auf einem Instrument spielen kann, das nur eine Saite hat. Was man "Dan in real life" hoch anrechnen kann, ist, dass es nicht versucht, uns mit einfachem Pathos auf seine Seite zu ziehen; es hält das Publikum auf Abstand, selbst Dan sehen wir so gut wie nie im Close-Up, die Dialoge halten sich so gut es geht fern von tränendrüsendrückenden "Carpe diem & get the girl"-Affirmationen. Und selbst die Musik greift nicht auf erprobte Mitwipp-Nummern zurück, die einem im Refrain entgegensingen, wie man sich fühlen soll; für den Sountrack zeichnet der norwegische Singer/Songwriter Sondre Lerche verantwortlich.

 Juliette Binoche
 
 
Thanksgiving, schon wieder
  Bereits in seinem Regiedebut "Pieces of April" wollte Regisseur Peter Hedges einen eigenständigen Soundtrack und holte The Magnetic Fields ins Boot. Nicht nur in Sachen Soundtrack-Herangehensweise gibt es Ähnlichkeiten zwischen Hedges' Filmen. In "Pieces of April" zeigte der Kalender ebenfalls Thanksgiving an und eine Familie machte sich auf den Weg nach New York, um sich von April, dem schwarzen Schaf in Tochterform einen Truthahn kochen zu lassen. Auch damals hieß die Familie Burns und auch Schauspielerin Alison Pill saß mit im Auto auf der Fahrt in die Familienreunion. In beiden Filmen sticht sie raus aus dem Ensemble, und das mit der undankbaren Rolle der guten, verständnisvollen Tochter.

 Brittany Robertson, Alison Pill und Marlene Lawston
 
 
Sport und Spiel
  Im großen Haus auf Rhode Island treffen wir dann Dans Eltern, Bruder, Schwestern, Schwager, Neffen, Nichten und deren große Sammlung an karierten Hemden und Freizeitkleidung. Das ist nämlich gar kein Familentreffen, sondern ein Fit for Fun-Camp im Tarngewande eines Familientreffens. Gäbe es ein Familienwappen der Burns, "Müßiggang ist aller Laster Anfang", wäre darauf wohl zu lesen. Die tapferen Krieger vom Planeten Freizeittotschlag, sind ausgebildet in allen erdenklichen Brettspielkünsten, Ballspielen, Bowling, Charade, Kreuzworträtsel unter Zeitdruck, abends wird eine Bühne improvisiert und der Familienzirkus zeigt, was er kann. Das verstärkt natürlich Maries Problem: Wenn das Spiel mal angefangen hat, kann man nicht mehr das Team wechseln, auch wenn der kolumnenschreibende Bruder plötzlich um einiges interessanter erscheint als der Fitnesstrainer-Bruder mit dem Strahler 80 Gebiss. Es ist das alte Gerangel Körper vs. Geist. Und es ist nicht wirklich ein Spoiler, wenn ich sage, dass eine plastische Chirurgin ex machina in Gestalt von Emily Blunt den brüderlichen Gewissenskonflikt lösen wird.

 Dane Cook
 
 
Witness the fitness: Familie Burns, kurz nach dem Aufstehen.
 
 
Binoche als Roberts
  Der Film ist eine verspielte Chance, die wahrscheinlich auch mit den Fimografien der Hauptdarsteller zu tun hat. Von Steve Carrell erwartet man mehr Witz, von Juliette Binoche ist man überrascht, sie in einem Film zu sehen, in dem gelacht werden soll. Mit ihrem breiten Lachen, das sie einige Male einsetzt und dabei den Kopf zurück wirft und ihrer patenten Art erinnert sie paradoxerweise an Julia Roberts. Und Steve Carell, dem ich ja seit "Little Miss Sunshine" wohlgesonnen bin, hat dieses all american guy Jack Lemmon-Potential, das hier zwar andeutungsweise zu sehen ist, den Film aber auch nicht rettet.



 
 
Stracciatella
  "Dan in real life" hat ein paar schöne Momente, wenn Dans seltsames, liebesverwirrtes Verhalten dazu führt, dass er beim Essen die Erwachsenen irritiert und die kleinen Kinder beim Ausflug langweilt. Als einziger im großen Haus ohne gelebte Zweisamkeit pingpongt er zwischen den anderen hin und her, um sich schließlich dann doch allein im Zimmer zu befinden, obwohl es gerade nich gewurlt hat, rund um ihn.

Doch all diese kleinen, gelungenen Dinge und die angenehme Tatsache, dass das Haus so aussieht, als hätte tatsächlich eine Famile darin gelebt, und Gebrauchsgegenstände so aussehen, als seien sie tatsächlich bereits verwendet worden, machen leider noch keinen guten Film. Auch keinen sonderlich unterhaltsamen. "Dan in real life" ist nämlich wirklich ziemlich langweilig; in der Kritik der Süddeutschen Zeitung wird der Film mit Stracciatella-Eis verglichen, vielleicht liegt da mein Problem, ich mag kein Stracciatella.

fm4 links
  video.movies.go.com/daninreallife

My Mother | Myself
Pamela Russman über Peter Hedges' "Pieces of April"
   
 
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